Zum ersten Mal fand Ende Juni der Parlamentarische Maritime Empfang in der IHK Schleswig-Holstein statt

links Klaus-Hinrich Vater, Präsident der IHK zu Kiel, Jörg Herwig, Geschäftsführer der German Naval Yards Kiel, Norbert Brackmann, Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft und Dr. Dirk Claus, Geschäftsführer des Port of Kiel und Vorstandsmitglied des Gesamtverbandes Schleswig-Holsteinischer Häfen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, an der Gäste aus Bundes- sowie Landespolitik und Wirtschaft teilnahmen, stand die Kompetenz der deutschen Werften im Marineschiffbau. Am Beispiel des Mehrzweckkampfschiffes 180 (MKS 180) wurde die Bedeutung des Marineschiffbaus für den Standort hervorgehoben: Von der Auftragsvergabe könnte die Technologieführerschaft der deutschen Marineindustrie abhängen.

Die maritime Wirtschaft ist eine Hightech-Branche und zählt zu den wichtigsten und innovativsten Wirtschaftszweigen Deutschlands. 5.000 Beschäftigte arbeiten in den Werften Schleswig-Holsteins. Zusätzlich sind 15.000 Mitarbeitende in der maritimen Zulieferindustrie beschäftigt. Die Ausschreibung zum derzeit größten Beschaffungsvorhaben der Marine läuft bereits seit Jahren. Das Auftragsvolumen für vier Schiffe liegt bei 5,27 Milliarden Euro.

„Es geht nicht um die Bewerbung eines Unternehmens. Es bewirbt sich ganz Schleswig-Holstein“, machte Friederike C. Kühn, Präsidentin der IHK Schleswig-Holstein, in ihren Begrüßungsworten deutlich. Nur durch Kooperation könnten private Werften mit den häufig staatlichen Werften in anderen Ländern konkurrieren. Für Verwunderung habe gesorgt, so Kühn, dass das Projekt am Anfang des Jahres aus dem Haushaltsentwurf des Bundesfinanzministers gestrichen worden ist. „Wir appellieren, dass der Auftrag ohne Verzögerungen vergeben wird, und dass die Finanzierung bis zum Abschluss gewährleistet wird.“ Mit der geplanten Erklärung des Überwasserschiffbaus zur Schlüsseltechnologie werde künftig Know-how in Deutschland und Schleswig-Holstein gehalten, lobte Kühn.

Das unterstrich Norbert Brackmann, Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft. Als Koordinator für die maritime Wirtschaft setze er sich dafür ein, dass die Bundesregierung den Überwasserschiffbau als nationale verteidigungsindustrielle Schlüsseltechnologie einstuft. Das werde im Herbst im Rahmen der verteidigungs- und sicherheitspolitischen Strategie vom Bundeskabinett beschlossen, versicherte Brackmann.

„Es wird oft vergessen, dass die Werften an Nord-und Ostsee eine sicherheitspolitische Bedeutung haben. Wir als German Naval Yards verfügen über die größte Marinewerft im Ostseeraum und das größte Trockendock, in dem im Ernstfall gleich mehrere Großschiffe der NATO Platz finden und repariert werden können“, betonte Jörg Herwig, Geschäftsführer German Naval Yards Kiel GmbH. Das aggressive Verhalten Russlands gerade im Ostseeraum mache deutlich, dass nicht von einem theoretischen Szenario gesprochen werden dürfe. Herwig: „Deutschland braucht seine Werften an der Küste dringender denn je.“

In der anschließenden Gesprächsrunde über die Kompetenz im Marineschiffbau in Norddeutschland und die Notwendigkeit zur vertieften Kooperation wurde erneut der hohe Stellenwert der MKS-180-Ausschreibung verdeutlicht. Zwei Bewerber sind noch am Ausschreibungsverfahren beteiligt. Die Tatsache, dass es auch bei der niederländischen Damen Shipyards Group Unterauftragnehmer aus Schleswig-Holstein gibt, die am Bau des MKS 180 beteiligt sein würden, belegt die hohe Schiffbau- und Ausrüstungskompetenz der schleswig-holsteinischen Wirtschaft.

„Mit Blick auf die angesprochene Schlüsseltechnologie Überwasserschiffbau ist es wünschenswert, wenn möglichst viel Wertschöpfung in Schleswig-Holstein entsteht“, erläuterte Klaus-Hinrich Vater, Präsident der IHK zu Kiel. Der Auftrag als Innovationstreiber stelle sicher, dass der Standort nicht nur seine Technologieführerschaft behält, sondern auch für Aufträge aus anderen Ländern attraktiv bleibt. Er sichere hochqualifizierte Beschäftigung und hochwertige Arbeitsplätze. Vater: „Es ist wichtig, die Technologien in Deutschland zu halten – und die heimische Marine ist immer ein Referenzkunde.“

Auch für Dr. Hans-Peter Bartels, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestags, ist die Kooperation der deutschen Werften im Marineschiffbau existenziell: „Verteidigungs-Europa bewegt sich. Für die Marine – wie für die gesamte Bundeswehr – sind die sich abzeichnenden europäischen Modernisierungsbündnisse existenziell. Das gilt gleichermaßen für die Grundorganisation wie für die gemeinsame Beschaffung komplexer Systeme. Der traditionsreiche Marineschiffbau in Deutschland kann heute dazu beitragen, dass europäische Champions entstehen.“

„Die mittelständisch geprägten deutschen Werften können und dürfen nicht mit staatlich kontrollierten Großwerften aus dem Ausland konkurrieren. Deshalb ist es so wichtig, dass durch die Einstufung des Überwasserschiffbaus als verteidigungspolitische Schlüsseltechnologie die Notwendigkeit europäischer Ausschreibungen zukünftig nicht mehr besteht“, sagte Dr. Bernd Buchholz, Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister. Mittelfristig erwarte er, getrieben durch Großprojekte wie MKS 180, eine Konsolidierung der deutschen Marineschiffbauindustrie. Buchholz: „Wo heute in Deutschland erfolgreich Marineschiffbau betrieben wird, muss dies auch in Zukunft möglich sein.“

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