215 Millionen Euro für Halbleiterproduktion in Itzehoe

Bund und Land fördern den Ausbau bei Vishay Siliconix. Das Unternehmen will seine Produktionskapazitäten mehr als verdoppeln und eine neue Generation energieeffizienter Leistungshalbleiter fertigen

Itzehoe, 2. November 2026. Die Halbleiterproduktion in Schleswig-Holstein soll deutlich wachsen: Die Vishay Siliconix Itzehoe GmbH erhält für den Ausbau ihres Standorts Fördermittel in Höhe von rund 215 Millionen Euro. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen übergab den Förderbescheid am 30. Oktober an Roy Shoshani, COO und CTO der Vishay Intertechnology, Inc. Der Bund steuert 172 Millionen Euro bei, das Land weitere 43 Millionen Euro.

Mit der Investition will das Unternehmen seine Produktionskapazitäten in Itzehoe mehr als verdoppeln und die Fertigung einer neuen Generation von Leistungshalbleitern aufnehmen. Die sogenannten Silizium-MOSFETs werden unter anderem in der Elektromobilität, in industriellen Anwendungen und in der Stromversorgung von KI-Anwendungen eingesetzt. Sie steuern elektrische Ströme und sind damit wichtige Bausteine zahlreicher moderner Technologien.


Größere Wafer, effizientere Produktion


Ein wesentlicher Schritt des Projekts ist die Umstellung der Chipfertigung auf Silizium-Wafer mit einem Durchmesser von 300 Millimetern. Die größeren Scheiben ermöglichen es, mehr Chips pro Fertigungsdurchgang herzustellen und Skaleneffekte zu nutzen. Dadurch sollen die Stückkosten sinken und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig gesichert werden.


Auch die Produkte selbst sollen Fortschritte bringen: Die neuen Halbleiter werden nach Unternehmensangaben kompakter und energieeffizienter sein als die derzeit auf dem europäischen Markt verfügbaren Alternativen. Einsatzmöglichkeiten reichen von Fahrassistenzsystemen und dem Batteriemanagement in Elektrofahrzeugen bis zur industriellen Leistungselektronik und zur Energieversorgung von Rechenzentren für Anwendungen der künstlichen Intelligenz.


Strategische Bedeutung für Deutschland und Europa


Die Förderung ist Teil der europäischen Bemühungen, die Halbleiterproduktion auszubauen und die Abhängigkeit von Lieferanten außerhalb Europas zu verringern. Wie wichtig eine zuverlässige Versorgung mit Chips für die Industrie ist, haben die vergangenen Jahre mit ihren Lieferengpässen deutlich gemacht.

Frank Wetzel, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), bezeichnete den sicheren Zugang zu Chips als geopolitisch hoch relevantes Thema. Mit der Förderung im Rahmen des European Chips Act sollten die Produktionskapazitäten in Deutschland gestärkt werden. Der Ausbau in Itzehoe sei eine strategisch bedeutsame Investition, die zur Versorgung der deutschen Industrie mit Leistungshalbleitern aus lokaler Produktion beitrage und damit die Widerstandsfähigkeit heimischer Industrien sowie die technologische Souveränität stärke.


Auch Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Madsen sieht in dem Vorhaben ein wichtiges Signal für den Industriestandort. Itzehoe sei seit Jahrzehnten ein bedeutender Standort für Mikroelektronik und Halbleitertechnologie. Dass Vishay ausgerechnet im Jahr des 30-jährigen Standortjubiläums in den weiteren Ausbau investiere, wertete er als klares Bekenntnis zur Region. Die gemeinsame Förderung von Bund und Land schaffe die Voraussetzungen dafür, dass das international aufgestellte Unternehmen seine Zukunft weiterhin in Itzehoe gestalte.


Madsen verwies zudem auf die Bedeutung des InnoQuarters Itzehoe als Innovationsstandort. Die Investition stärke die industrielle Wertschöpfung vor Ort und unterstütze das Ziel, strategisch wichtige Produktionskapazitäten in Deutschland und Europa auszubauen. Seinen Dank richtete der Minister insbesondere an den Bund, der mit 172 Millionen Euro den größten Teil der Förderung übernimmt.



Mit dem Vorhaben soll nicht nur die Produktion eines einzelnen Unternehmens wachsen. Es geht zugleich um die Frage, wie Europa seine industrielle Basis bei einer Schlüsseltechnologie stärken kann. Halbleiter werden in nahezu allen Wirtschaftsbereichen benötigt – von der Automobilindustrie über die Energieversorgung bis zur industriellen Fertigung. Der Ausbau in Itzehoe soll dazu beitragen, die Versorgungssicherheit zu verbessern und europäische Lieferketten widerstandsfähiger aufzustellen.


Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus

KMS/NW