30.000 MINT-Fachkräfte fehlen im Norden

Trotz leichter Entspannung bleibt der Fachkräftemangel strukturell – besonders die Industrie in Norddeutschland gerät unter Druck

Hamburg, 5. Mai 2026. Der Fachkräftemangel in den MINT-Berufen bleibt trotz schwacher Konjunktur ein strukturelles Problem. Laut aktuellem Bericht des Institut der deutschen Wirtschaft fehlen bundesweit rund 134.000 Fachkräfte in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Besonders betroffen ist Norddeutschland: In der Metall- und Elektroindustrie der fünf norddeutschen Bundesländer sind derzeit rund 30.000 Stellen unbesetzt.


„Die Metall- und Elektroindustrie ist zentral für die Technologie-, Innovations- und Verteidigungsfähigkeit unseres Landes. Deshalb müssen wir jetzt Rahmenbedingungen schaffen, die unsere Unternehmen dabei unterstützen, international wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Thomas Küll, Mitglied der Geschäftsleitung der Arbeitgeberverbände NORDMETALL und AGV NORD. „Schlanke Prozesse und eine strategisch angelegte MINT-Fachkräftesicherung haben oberste Priorität.“


Der Mangel zieht sich durch alle Qualifikationsniveaus: 58 Prozent der fehlenden Fachkräfte entfallen auf beruflich Qualifizierte mit dualer Ausbildung, 33 Prozent auf Akademikerinnen und Akademiker und neun Prozent auf Meister sowie Techniker. Besonders groß sind die Engpässe in Energie- und Elektroberufen mit rund 48.900 fehlenden Kräften, in der Metallverarbeitung mit 26.500 sowie im Bau (26.400) und in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik (22.900).


Für Norddeutschland sieht Küll vor allem politischen Handlungsbedarf: „Politik und Verwaltung müssen die ‚Gießkannendenke‘ und das Agieren in Kleinstprozessen überwinden.“ Statt breit gestreuter Maßnahmen brauche es gezielte Ansätze entlang der gesamten Bildungskette – von praxisnaher Berufsorientierung über verlässliche Ganztagsangebote bis hin zur Integration internationaler Fachkräfte. „Mit Blick auf die MINT-Bildung existieren bereits sehr gute, regional passende Projekte und Kooperationen. Schulen, Hochschulen und Unternehmen brauchen Freiräume zum eigenen Handeln“, so Küll.


Zwar hat sich die Fachkräftelücke zuletzt leicht verringert, doch Entwarnung gibt es nicht: „Unbesetzte Stellen gefährden weiterhin Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit.“ Gerade für den Norden mit seiner starken Industrie gilt damit: Ohne ausreichend MINT-Fachkräfte geraten zentrale Zukunftsprojekte – von Energiewende bis Digitalisierung – zunehmend ins Stocken.

Quelle: NORDMETALL

JM/NW