Industrie sucht Nachwuchs – doch Bewerbungen bleiben aus

Neue Ausbildungsumfrage zeigt: Immer mehr Metall- und Elektro-Betriebe in Norddeutschland finden nicht genügend Azubis – dabei sind gut ausgebildete Fachkräfte entscheidend für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Hamburg, 13. März 2026. Der Fachkräftemangel zählt längst zu den größten Herausforderungen der deutschen Wirtschaft. Während Unternehmen neue Technologien entwickeln, Produktionsprozesse digitalisieren und die Transformation zu einer klimaneutralen Industrie vorantreiben, fehlt es zunehmend an qualifizierten Nachwuchskräften. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern, wird es immer wichtiger, junge Menschen frühzeitig für technische Berufe zu begeistern und sie gezielt auszubilden.

Die Metall- und Elektroindustrie im Norden spürt diesen Druck besonders deutlich. 82 Prozent der Betriebe berichten inzwischen von zu wenigen Bewerbungen auf ihre Ausbildungsplätze – fast doppelt so viele wie noch bei der ersten Ausbildungsumfrage der Arbeitgeberverbände NORDMETALL und AGV NORD im Jahr 2016. Auch die Zahl der Jugendlichen, die ihren Ausbildungsplatz letztlich nicht antreten, ist gestiegen: 2026 liegt sie bei 18 Prozent und damit sieben Prozentpunkte höher als noch 2023.


Das zeigt die aktuelle Ausbildungsumfrage der beiden Arbeitgeberverbände. Zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 beteiligten sich 181 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie aus Bremen, Hamburg, dem nordwestlichen Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Gemeinsam beschäftigen sie derzeit rund 4.000 Auszubildende und knapp 800 dual Studierende.

Trotz der angespannten Bewerberlage zeigen einige Entwicklungen eine positive Tendenz: Die Zahl ungeeigneter Bewerbungen ist deutlich zurückgegangen – von 82 Prozent im Jahr 2023 auf nun 54 Prozent. Auch Ausbildungsabbrüche sind seltener geworden. Nur noch sieben Prozent der Auszubildenden brechen ihre Ausbildung ab, während es 2023 noch 20 Prozent waren.


Besonders gefragt sind in den teilnehmenden Unternehmen technische Ausbildungsberufe. An der Spitze stehen Mechatroniker (582 Auszubildende), Industriemechaniker (523) und Konstruktionsmechaniker (439). Ebenfalls stark vertreten ist der Beruf der Industriekaufleute mit 352 Auszubildenden. Während der Frauenanteil in den technischen Berufen unter zehn Prozent liegt, ist er bei den Industriekaufleuten mit fast der Hälfte deutlich höher.


Die Perspektiven für Absolventinnen und Absolventen sind gut: 74 Prozent der Auszubildenden werden nach ihrer Ausbildung unbefristet übernommen – der höchste Wert seit Beginn der Umfrage im Jahr 2016. Weitere 17 Prozent erhalten einen befristeten Vertrag. Nur neun Prozent werden nicht übernommen, meist weil sich während der Ausbildung zeigt, dass Betrieb und Auszubildende nicht zueinander passen.


Um Nachwuchs zu gewinnen, setzen die Unternehmen auf eine Vielzahl von Rekrutierungskanälen. Fast alle Betriebe nutzen ihre eigene Website (94 Prozent), ebenso verbreitet sind Stellenportale und Schulpraktika (jeweils 82 Prozent). Auch Ausbildungs- und Karrieremessen (76 Prozent), Social-Media-Kanäle (64 Prozent) sowie Schülertage und Kooperationen mit Schulen (61 Prozent) spielen eine wichtige Rolle.  Darüber hinaus engagieren sich viele Unternehmen in bundesweiten Initiativen zur Berufsorientierung. So beteiligen sich 59 Prozent am jährlich stattfindenden Girls’ Day, um insbesondere Mädchen für technische Berufe zu gewinnen.


Die Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen soll künftig weiter ausgebaut werden: Zwei Drittel der Unternehmen wollen ihre Kooperation mit allgemeinbildenden Schulen intensivieren, 49 Prozent planen eine stärkere Zusammenarbeit mit beruflichen Schulen und 30 Prozent mit Hochschulen.


Auch das duale Studium gewinnt weiter an Bedeutung. Unter den derzeit rund 790 dual Studierenden in den teilnehmenden Unternehmen sind Maschinenbau (174), Wirtschaftsingenieurwesen (145), Elektrotechnik (129) und Mechatronik (106) die beliebtesten Studienrichtungen. Der Frauenanteil liegt hier bei 16 Prozent.


Thomas Küll, Mitglied der Geschäftsleitung der Arbeitgeberverbände NORDMETALL und AGV NORD, sieht in der Ausbildung weiterhin einen zentralen Schlüssel für die Fachkräftesicherung:  „Die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie bieten jungen Menschen hervorragende Perspektiven in zukunftsweisenden Ausbildungsberufen und dualen Studiengängen. Dies gilt auch und insbesondere für Mädchen. Die Ausbildungsumfrage bekräftigt uns darin, diese Berufswege noch stärker ins Rampenlicht zu stellen und gemeinsam mit der Politik an einer qualitativ hochwertigen Berufsorientierung zu arbeiten. Ein besonders erfreuliches Signal sendet die Erhebung darüber hinaus mit Blick auf die deutlich gesunkene Zahl der Ausbildungsabbrüche sowie die gesunkene Zahl ungeeigneter Bewerbungen. Wir werden unsere Aktivitäten auch weiterhin darauf ausrichten, unsere Unternehmen bei der Nutzung dieses Potenzials zu unterstützen“, so Küll.

Quelle: NORDMETALL

jm/nw