Internationaler Frauentag: Mehr Frauen im Job – aber kaum an der Spitze

Zum Weltfrauentag zeigen neue Analysen: Die Erwerbstätigkeit von Frauen in Deutschland steigt deutlich. In Führungspositionen bleiben sie jedoch stark unterrepräsentiert – trotz regionaler Unterschiede und einzelner Fortschritte.

Hamburg, 8. März 2026. Zum Internationalen Frauentag lohnt sich ein Blick auf zwei gegenläufige Entwicklungen: Noch nie waren so viele Frauen in Deutschland berufstätig wie heute. Gleichzeitig bleibt ihr Anteil in Führungspositionen niedrig – und ist zuletzt sogar gesunken. Neue Daten zeigen zudem deutliche Unterschiede zwischen Regionen, Branchen und Unternehmensgrößen.

 

Knapp drei von vier Frauen in Deutschland gehen heute einer bezahlten Arbeit nach. Laut Mikrozensus waren 2024 rund 74 Prozent der 15- bis 64-jährigen Frauen erwerbstätig. Vor 20 Jahren lag die Quote noch bei weniger als sechs von zehn. Damit ist die Erwerbstätigenquote von Frauen in den vergangenen zwei Jahrzehnten um etwa 16 Prozentpunkte gestiegen – stärker als in vielen anderen OECD-Ländern.

Auch im europäischen Vergleich hat Deutschland aufgeholt. 2005 lag die Frauenerwerbstätigkeit hierzulande noch gleichauf mit Frankreich. Zwei Jahrzehnte später liegt Frankreich etwa acht Prozentpunkte hinter Deutschland. Den früher deutlichen Abstand zu Ländern wie Schweden oder Dänemark hat Deutschland ebenfalls weitgehend geschlossen; lediglich die Niederlande liegen weiterhin deutlich vorn.*)


Trotz dieser Entwicklung bleiben Unterschiede zu Männern bestehen. Berufsbiografien verlaufen häufig unterschiedlich – etwa bei der Berufswahl oder bei Unterbrechungen zugunsten von Familien- und Sorgearbeit.


Frauen in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert

Besonders sichtbar wird diese Ungleichheit beim Blick auf Führungspositionen. Eine Analyse des Wirtschaftsauskunftsdienstleisters CRIF, die rund 1,8 Millionen Führungspositionen in über einer Million Unternehmen auswertet, zeigt eine massive Unterrepräsentation von Frauen. Bundesweit kommen 75 weibliche Führungskräfte auf 10.000 Einwohner, während es bei Männern 380 sind. „Diese Zahlen belegen, wie unterschiedlich die Rahmenbedingungen für weibliche Karrierewege in Deutschland sind“, sagt Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer der CRIF GmbH. „Während vor allem die Stadtstaaten mehr Frauen in Führungsrollen haben, bleibt die strukturelle Lücke bundesweit gewaltig. Frauen sind nach wie vor massiv unterrepräsentiert – und zwar in allen Regionen.“


Hamburg mit den meisten weiblichen Führungskräften

Die regionalen Unterschiede sind deutlich. Hamburg weist mit 134 weiblichen Führungskräften je 10.000 Einwohner den höchsten Wert auf. Dahinter folgen Berlin (123) und Brandenburg (105).

Im Mittelfeld liegen unter anderem Hessen (85), Bremen (83) und Bayern (82). Deutlich niedrigere Werte zeigen Niedersachsen (64) und Baden-Württemberg (65). Am unteren Ende stehen Thüringen und Sachsen-Anhalt mit jeweils 60 weiblichen Führungskräften pro 10.000 Einwohner. Bei den Männern sind die Zahlen deutlich höher: In Hamburg kommen 729 männliche Führungskräfte auf 10.000 Einwohner, in Berlin 560 und in Bremen 446.**)


Frauenquote auf Sechsjahrestief

Noch problematischer ist die Entwicklung der Gesamtquote: Der Anteil von Frauen in Führungspositionen liegt 2026 bei 23,5 Prozent – dem niedrigsten Stand seit sechs Jahren. Auffällig sind dabei Ost-West-Unterschiede. Die höchsten Frauenanteile finden sich weiterhin in ostdeutschen Bundesländern wie Brandenburg (28,3 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (27,5 Prozent) und Sachsen (26,9 Prozent). Deutlich niedriger fallen die Quoten in vielen westdeutschen Regionen aus, etwa in Hamburg (21,4 Prozent), Baden-Württemberg (21,3 Prozent) oder Bremen (19,4 Prozent).  „Diese regionalen Unterschiede sind historisch gewachsen und hängen eng mit Erwerbsmodellen, Vollzeitquoten und branchenspezifischen Wirtschaftsstrukturen zusammen, die sich bis heute spürbar auf die Verteilung von Führungsverantwortung auswirken“, erklärt Schlein.


Große Unterschiede zwischen Branchen

Auch die Branchen unterscheiden sich stark. Im Gesundheitswesen liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte mit 39,4 Prozent am höchsten. Im Handel und im Verlagswesen liegen die Werte ebenfalls über dem Durchschnitt. Deutlich geringer ist der Anteil dagegen in technisch geprägten Industrien: Im Maschinenbau beträgt er 10,4 Prozent, in der Energieversorgung 11,3 Prozent, in der Schifffahrt 10,9 Prozent.


Je größer das Unternehmen, desto weniger Frauen

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Unternehmensgröße. In Kleinunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte bei 29,9 Prozent. Mit zunehmender Größe sinkt er deutlich. Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz erreichen lediglich eine Frauenquote von 12,3 Prozent in Führungspositionen.


Frauen in Aufsichtsräten: leichte Fortschritte

In Aufsichtsräten zeigt sich zumindest ein kleiner Fortschritt. Der Frauenanteil liegt 2026 bei 20,5 Prozent und ist damit leicht gestiegen. Dennoch bleibt die Spitze der Gremien weitgehend männlich: Nur jeder zehnte Aufsichtsratsvorsitz wird von einer Frau übernommen.


Initiativen sollen mehr Frauen gewinnen

Auch Branchen mit traditionell niedrigem Frauenanteil versuchen gegenzusteuern. So unterstützt die Handwerkskammer Hamburg mit dem Programm „Handwerkerinnen für Hamburg“ Frauen auf ihrem Weg in handwerkliche Berufe – von der Ausbildung bis zur Selbstständigkeit.***)


Ein zentrales Element ist ein Mentoringprogramm für Auszubildende. „In unserem neuen Mentoring-Programm ‚Von Handwerkerin zu Handwerkerin‘ starten in Kürze acht Tandem-Paare in die erste Runde“, sagt Theresa Thyen von der Koordinierungsstelle Frauen im Handwerk.  Der Präsident der Handwerkskammer Hamburg, Hjalmar Stemmann, wirbt für mehr Frauen im Handwerk: „Frauen bringen Können, Ideen und Unternehmergeist mit, die das Handwerk stärken und voranbringen. Leider entdecken viele junge Frauen ihre großen Chancen oft erst spät – oder gar nicht.“


Auch Hamburgs Wirtschaftssenatorin Dr. Melanie Leonhard betont die Bedeutung weiblicher Fach- und Führungskräfte: „Frauen können alles – das gilt gerade auch für das Handwerk. Von der Ausbildung bis zur Nachfolge im Betrieb – wir brauchen Frauen in der Wirtschaft und im Handwerk.“


Handwerkerinnen für Hamburg – alle Infos

Quellen:

*) Institut der deutschen Wirtschaft

**) CRIF - Für die Analyse hat CRIF circa 1,8 Millionen Führungspositionen in über einer Millionen Unternehmen ausgewertet (Stand 03. März 2026). Bei den Positionen handelt es sich um Geschäftsführer, Aufsichtsratsmitglieder und -vorsitzende, geschäftsführende Gesellschafter sowie um Vorstandsmitglieder und –vorsitzende. Bei den Positionen der Aufsichtsräte wurden circa 48.000 Führungspositionen analysiert.

***) Handwerkskammer Hamburg

JM/NW