Norddeutschland baut Zukunft – Wirtschaft setzt auf Tempo, Schulterschluss und Olympia
Hamburg und Schleswig-Holstein präsentieren sich beim UVNord-Neujahrsempfang als handlungsstarke Zukunftsregion – große Infrastrukturprojekte als Rückgrat des Aufbruchs
Hamburg, 22. Januar 2026. Mit einem klaren Bekenntnis zum norddeutschen Schulterschluss und zu konkretem Handeln ist der Neujahrsempfang der Unternehmensverbände Nord (UVNord) in das Jahr gestartet. Rund 650 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft kamen im Hotel Atlantic zusammen – so viele wie nie zuvor. Im Mittelpunkt: die gemeinsamen Perspektiven Hamburgs und Schleswig-Holsteins in Deutschland und Europa.
UVNord-Präsident Dr. Philipp Murmann fand deutliche Worte zur wirtschaftspolitischen Lage in Deutschland: „Wir müssen Deutschland wieder in Fahrt bringen.“ Jahrzehnte des Wohlstands hätten zu einer gefährlichen Bequemlichkeit geführt. Jetzt sei ein Kurswechsel nötig – doch gerade in Berlin bleibe der Reformeifer bislang hinter den Erwartungen zurück. „Wie so oft haben wir kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.“
Hohe Arbeits- und Energiekosten, Bürokratie, Steuerlasten und politische Unberechenbarkeit belasteten die Unternehmen weiterhin. Zwar habe die Bundesregierung die Probleme erkannt, doch neue Vorhaben wie höhere Erbschaftssteuern auf betriebliche Vermögen oder zusätzliche Regulierungen drohten, „vom richtigen Kurs abzukommen und die Deindustrialisierung zu beschleunigen“. Murmanns Forderung: „Finger weg von weiteren Belastungen.“
Europa als Chance – Norden als Modellregion
Angesichts geopolitischer Verschiebungen sei das Ausscheren der USA aus dem bisherigen westlichen Bündnis eine Zäsur, so Murmann – aber auch eine Chance. Europa müsse stärker zusammenstehen und eigene Stärke entfalten. Gerade der Norden könne dabei eine Vorreiterrolle übernehmen.
In Hamburg lobte Murmann unter anderem den gestarteten Praxischeck Bürokratieabbau, Fortschritte beim Azubiwohnen, im Schulbau sowie bei der Hafenmodernisierung. Klar machte er zugleich: Für den Wirtschafts- und Industriestandort seien leistungsfähige Verkehrsachsen unverzichtbar. „Zügig vorankommen muss man endlich bei der A26 Ost und beim Ersatzbau der Köhlbrandbrücke.“ Beide Projekte seien von zentraler Bedeutung für die Anbindung des Hafens und die gesamte norddeutsche Logistik.
Auch Schleswig-Holstein setzte Murmann als Beispiel für entschlossenes Handeln: „Hier wird auch ohne Volksentscheide Vollgas gegeben bei der Transformation.“ Mit erneuerbaren Energien, Wasserstoff, Speichertechnologien, On- und Offshore-Wind sowie der Bewerbung als europäische Net-Zero-Valley-Modellregion biete das Land enorme Chancen. „Auf zum klimaneutralen Industrieland – das ist der richtige Weg, um die Kurve zu kriegen.“
Große Infrastrukturprojekte als gemeinsames Rückgrat
Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher unterstrich die wirtschaftliche Stärke der Hansestadt: „Das Wirtschaftswachstum Hamburgs liegt auch 2025 – zum zweiten Jahr in Folge – über dem bundesweiten Durchschnitt.“ Tourismus und Bauwirtschaft entwickelten sich positiv, der Containerumschlag im Hafen sei zuletzt um acht Prozent gestiegen. Seit dem 1. Januar sorge zudem die neue Hamburger Bauordnung für schnelleres und einfacheres Bauen.
Entscheidend sei nun die Umsetzung. Tschentscher machte deutlich: „Was baureif und genehmigt ist, wird auch gebaut.“ Das gelte insbesondere für zentrale Infrastrukturprojekte, die Hamburg und Schleswig-Holstein gemeinsam voranbringen. Die A26 Ost soll den Hafen besser anbinden, während die feste Fehmarnbelt-Querung Hamburg und den Norden noch enger mit Skandinavien verbindet und neue wirtschaftliche Impulse für die gesamte Region setzt.
Zugleich hob Tschentscher die enge Kooperation der beiden Länder hervor: „Hamburg und Schleswig-Holstein arbeiten weiter gut zusammen.“ Gemeinsam seien sie Vorreiter bei der Digitalisierung – Hamburg biete inzwischen rund 300 Verwaltungsdienstleistungen online an. Auch bei der Olympia-Bewerbung setze man auf den norddeutschen Schulterschluss.
Schleswig-Holstein investiert massiv
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther warb für Zuversicht und Aufbruchsstimmung. „Wir können gestalten – mit Schleswig-Holstein als Energieland und mit Hamburg als Innovationsraum, Talentschmiede und Hafenmetropole.“ Gemeinsam entstehe ein Angebot, das in Deutschland einzigartig sei.
Günther kündigte umfangreiche Investitionen an: In den kommenden fünf Jahren sollen in Schleswig-Holstein große Infrastrukturprojekte realisiert werden. 3,4 Milliarden Euro fließen in die Kommunen, weitere 1,2 Milliarden Euro in Schulen, Häfen und Straßen. Ein zentrales Signal: Der Spatenstich für die A20 soll noch in diesem Jahr erfolgen. Damit werde eine der wichtigsten Ost-West-Achsen im Norden endlich Realität. Die Politik habe den klaren Auftrag, Tempo zu machen, so Günther: „Es muss wieder schneller, einfacher und verlässlicher gehen.“
Olympia als gemeinsames Zukunftsprojekt
Zum Abschluss rückte UVNord-Präsident Murmann ein Projekt in den Fokus, das sinnbildlich für den norddeutschen Gestaltungswillen steht: Olympische und Paralympische Spiele. „Holen wir Olympia nach Hamburg und in den Norden!“ Olympia sei die große Chance – für internationale Sichtbarkeit, für Investitionen in Infrastruktur und für ein neues Selbstbewusstsein der Region.
Auch Günther bekannte sich als „glühender Verfechter“ der Spiele im Norden: „Sport verbindet. Ein stärkeres Wir-Gefühl täte unserem Land gut. Olympische Spiele fördern Investitionen, stärken internationale Bekanntheit und sind Gold wert für den Zusammenhalt.“
Der Abend machte deutlich: Hamburg und Schleswig-Holstein setzen nicht auf Ankündigungen, sondern auf Umsetzung. Mit großen Infrastrukturprojekten, enger Zusammenarbeit und dem Mut zu ambitionierten Zielen positioniert sich der Norden als handlungsstarke Zukunftsregion.
JM/NW
