Handwerk bleibt unter Druck – Insolvenzen auf Zehnjahreshoch

Umsatzrückgänge, Personalabbau und Nachfolgeprobleme belasten viele Betriebe

Neuss, 5. März 2026.  Das deutsche Handwerk steht weiterhin unter erheblichen Belastungen. Wirtschaftliche Unsicherheiten, steigende Kosten und Fachkräftemangel setzen Betriebe unter Druck – trotz einzelner positiver Signale und staatlicher Impulse.


Die Stimmung im Handwerk hat sich nach dem 15-Jahres-Tief im Vorjahr nur leicht verbessert. Laut der aktuellen Studie der Creditreform Wirtschaftsforschung stieg der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen nur von 45,8 auf 47,0 Prozentpunkte. „Von einer echten konjunkturellen Wende kann keine Rede sein“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.


Über die vergangenen Monate überwogen die negativen Umsatzmeldungen: 25,5 Prozent der Betriebe meldeten Rückgänge, nur 22,2 Prozent erzielten ein Plus. Besonders hart traf es das Nahrungsmittelhandwerk und das Handwerk für den gewerblichen Bedarf, während Bau- und Ausbaugewerbe gemischte Entwicklungen verzeichneten. Positiv blieb per Saldo nur das Kfz-Gewerbe und das Dienstleistungshandwerk.


Die Zahl der Insolvenzen stieg 2025 um 13,3 Prozent auf 4.950 Fälle – der höchste Stand seit mehr als zehn Jahren. Die schwache Konjunktur wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus: 22,1 Prozent der Betriebe bauten Personal ab, während 20,6 Prozent neue Mitarbeiter einstellten. Hantzsch warnt: „Schwache Konjunktur, Überalterung und Nachwuchsmangel belasten das Rückgrat des Sektors.“


Für 2026 zeigt sich ein vorsichtiger Optimismus: 27,0 Prozent der Betriebe erwarten ein Umsatzplus, 18,4 Prozent gehen von Rückgängen aus. Die Eigenkapitalquoten steigen, doch weiterhin ist jeder dritte Betrieb unter zehn Prozent. Zudem nimmt die klassische familieninterne Nachfolge ab: Nur noch die Hälfte der Betriebe plant eine Übergabe innerhalb der Familie, während ein steigender Anteil Stilllegungen erwägt.

Quelle: Creditreform

JM/NW