Aurubis: Mehr Metall, mehr Recycling, mehr Ergebnis
Der Hamburger Kupferkonzern steigert sein operatives Ergebnis nach neun Monaten um 31 Prozent. Eine hohe Auslastung der Hütten, bessere Metallergebnisse und Fortschritte bei strategischen Großprojekten treiben die Entwicklung.
Hamburg. Bei Aurubis läuft es derzeit an mehreren Standorten besser: Der Hamburger Kupfer- und Multimetallkonzern hat sein operatives Ergebnis vor Steuern (EBT) in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 um 31 Prozent auf 374 Mio. Euro gesteigert. Im Vorjahreszeitraum waren es 286 Mio. Euro. Auch das operative EBITDA legte deutlich zu und erreichte 570 Mio. Euro nach 462 Mio. Euro im Vorjahr.
Entscheidend für die positive Entwicklung war vor allem die Produktion. Die Hütten waren hoch ausgelastet und erzielten ein verbessertes Metallergebnis – unter anderem aufgrund höherer Metallpreise, insbesondere bei Edelmetallen. Hinzu kamen höhere Erlöse aus dem Verkauf von Schwefelsäure und leicht gestiegene Einnahmen aus der Verarbeitung von Recyclingmaterialien. Auch der Absatz von Kupferprodukten trug positiv zum Ergebnis bei. Der Vergleich mit dem Vorjahr ist allerdings auch deshalb günstig, weil der bulgarische Standort im vergangenen Geschäftsjahr von einem geplanten Großstillstand geprägt war.
Hamburg: Neue Recyclinganlage nimmt Betrieb auf
Eine wichtige Rolle in der Strategie von Aurubis spielt der Standort Hamburg. Hier hat das Unternehmen im Juli die neue Anlage „Complex Recycling Hamburg“ in Betrieb genommen. Rund 190 Mio. Euro wurden in das Projekt investiert. Die Anlage soll die Materialflüsse im Hamburger Werk deutlich optimieren und nach dem vollständigen Hochlauf einen erheblichen positiven finanziellen Beitrag leisten. Damit ist ein weiterer großer Baustein der Investitionsstrategie umgesetzt. Insgesamt hat Aurubis bis Ende Juni rund 90 Prozent seines strategischen Investitionsprogramms in Höhe von rund 1,7 Mrd. Euro realisiert.
Der Ausbau des Recyclinggeschäfts ist für den Konzern von zentraler Bedeutung. Aurubis verarbeitet eine große Bandbreite unterschiedlicher Rohstoffe und gewinnt daraus neben Kupfer auch weitere Metalle. Gerade höhere Einnahmen aus dem Recyclinggeschäft haben in den ersten neun Monaten zur Ergebnisverbesserung beigetragen.
Richmond: Recyclinggeschäft in den USA im Hochlauf
Auch in den USA baut Aurubis seine Recyclingkapazitäten aus. In Richmond entsteht die erste Sekundärhütte des Unternehmens für Multimetall-Recycling in den Vereinigten Staaten. Der Hochlauf der Anlage dauert allerdings länger als ursprünglich vorgesehen. Die erste Stufe befindet sich derzeit in einer verlängerten Hochlaufphase, während gleichzeitig bereits die Inbetriebnahme der zweiten Stufe beginnt. Durch die sich überschneidenden Inbetriebnahmen verlängert sich der Hochlauf bei wesentlichen Anlagen.
Nach aktuellem Stand soll Phase 1 im Geschäftsjahr 2026/27 abgeschlossen sein, Phase 2 im Geschäftsjahr 2027/28. Aurubis sieht in dem Standort dennoch eine wichtige Wachstumsperspektive. Mit der Technologie und den Verarbeitungsmöglichkeiten des neuen Recyclingsystems will das Unternehmen beim nachhaltigen Multimetall-Recycling in den USA eine Vorreiterrolle einnehmen und zugleich weiteres profitables Wachstum entlang der metallurgischen Wertschöpfungskette ermöglichen.
Bulgarien: 50 Prozent mehr Elektrolysekapazität
Auch am bulgarischen Standort steht ein wichtiger Ausbauschritt kurz vor dem Abschluss. Dort erweitert Aurubis seine Kupfer-Elektrolyse. Die vorbereitenden Maßnahmen für die schrittweise Inbetriebnahme laufen nach Unternehmensangaben planmäßig.
Mit der Erweiterung steigt die lokale Kapazität für die Herstellung von raffiniertem Kupfer um 50 Prozent auf 340.000 Tonnen. Im Zuge der schrittweisen Inbetriebnahme hatte Aurubis zeitweise mehr Zwischenprodukte bevorratet. Dieser Effekt belastete den Netto-Cashflow, der nach neun Monaten bei -28 Mio. Euro lag. Im Vorjahreszeitraum hatte er noch 357 Mio. Euro betragen. Aurubis weist allerdings darauf hin, dass der Netto-Cashflow unterjährigen Schwankungen unterliegt, die sich im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres wieder ausgleichen sollen.
Starkes drittes Quartal
Wie gut das Geschäft zuletzt lief, zeigt insbesondere das dritte Quartal. Aurubis erzielte von April bis Juni 2026 ein operatives EBT von 149 Mio. Euro. Im Vorjahresquartal waren es 57 Mio. Euro. Auch gegenüber dem zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, das mit 121 Mio. Euro abgeschlossen hatte, konnte das Ergebnis nochmals deutlich gesteigert werden.
Im dritten Quartal profitierten die Hamburger insbesondere von einem stärkeren Metallergebnis infolge höherer Kupferpreise, deutlich gestiegenen Erlösen aus dem Schwefelsäuregeschäft und höheren Einnahmen aus dem Recyclinggeschäft. „Unser Fokus auf das Multimetallgeschäft zahlt sich aus. Selbst in einem hoch-anspruchsvollen Marktumfeld liefern wir verlässlich. Das zeigt sich in einer gesteigerten operativen Performance unserer Hütten. Gleichzeitig sehen wir immer mehr von unseren strategischen Projekten im Hochlauf“, sagte Dr. Toralf Haag, Vorstandsvorsitzender der Aurubis AG.
Beide Segmente tragen zur Verbesserung bei
Auch auf Ebene der Geschäftssegmente zeigt sich die positive Entwicklung. Im Segment Multimetal Recycling steigerte Aurubis das operative EBT nach neun Monaten von 36 Mio. Euro im Vorjahr auf 87 Mio. Euro. Im Segment Custom Smelting & Products erhöhte sich das operative EBT von 342 Mio. auf 355 Mio. Euro. Damit trugen beide Bereiche zur Ergebnisverbesserung des Konzerns bei. Besonders deutlich fiel die Verbesserung im Recyclinggeschäft aus, das sich damit wieder wesentlich stärker entwickelte als in den Vorquartalen. Der operative Return on Capital Employed (ROCE) lag zum 30. Juni 2026 bei 9,4 Prozent. Damit verbesserte er sich gegenüber dem Vorjahreswert von 9,1 Prozent und lag deutlich über dem Wert des Vorquartals von 8,1 Prozent. Ausschlaggebend war vor allem die bessere Ergebnisentwicklung in den ersten neun Monaten.
Aurubis erwartet Ergebnis am oberen Ende der Prognose
Für das Gesamtjahr bestätigt Aurubis seine bisherige Prognose. Das Unternehmen erwartet weiterhin ein operatives EBT zwischen 425 und 525 Mio. Euro sowie einen operativen ROCE zwischen 10 und 12 Prozent. Nach der guten Entwicklung der ersten neun Monate rechnet der Konzern nun damit, beim operativen EBT das obere Ende dieser Prognosespanne zu erreichen. Die Entwicklung an den verschiedenen Produktionsstandorten dürfte dabei eine entscheidende Rolle spielen: In Hamburg ist eine neue Recyclinganlage gestartet, in den USA läuft der Aufbau des neuen Recyclingstandorts Richmond weiter und in Bulgarien steht die Erweiterung der Kupfer-Elektrolyse vor der schrittweisen Inbetriebnahme.
Quelle: Aurubis AG, 6. August 2026.
JM/NW
