Ausbildung statt Plan B: Norddeutschlands beste Azubis ausgezeichnet

Der Fachkräftemangel macht die berufliche Ausbildung zu einem entscheidenden Standortfaktor. Der Wettbewerb „Azubi des Nordens“ zeigt, welche Chancen eine duale Ausbildung bietet – und warum junge Menschen frühzeitig für berufliche Wege begeistert werden müssen.


Hamburg, 30. Oktober 2026. Eine qualifizierte Ausbildung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen. Unternehmen brauchen Nachwuchs, der fachlich gut ausgebildet ist und Verantwortung übernehmen kann. Gleichzeitig eröffnet die duale Ausbildung jungen Menschen vielfältige berufliche Perspektiven. Dass sich Engagement und Durchhaltevermögen auszahlen, zeigen fünf junge Menschen, die am 28. Oktober beim Wettbewerb „Azubi des Nordens“ ausgezeichnet wurden.


Bereits zum 29. Mal haben der AGA Unternehmensverband und das INW – Bildungswerk Nord den norddeutschen Ausbildungspreis für Handel und Dienstleistung vergeben. Die Preisverleihung fand im Berufsbildungszentrum Ahrensburg statt. Auszeichnungen gab es in den Kategorien Außenhandel, Großhandel, Einzelhandel und Dienstleistung sowie einen Förderpreis für junge Menschen, die besondere Herausforderungen gemeistert haben.


Fünf Auszeichnungen für besondere Leistungen


In der Kategorie Außenhandel überzeugte Maryam Khalid von der Jebsen & Jessen (GmbH & Co.) KG in Hamburg. Im Großhandel ging die Auszeichnung an Fenja Lindemann von der Genuport Trade GmbH in Schleswig-Holstein. Jacqueline Herbrand von der REWE Markt GmbH in Niedersachsen wurde als beste Auszubildende im Einzelhandel geehrt. In der Kategorie Dienstleistung erhielt Corinna Foit von der ADVERTIDO StB GmbH & Co. KG in Schleswig-Holstein den Preis.


Der Förderpreis ging an Jonas Hafner von der MegaLand Electronic Bad Oldesloe GmbH in Schleswig-Holstein. Er richtet sich an junge Menschen, die während ihrer Ausbildung besondere Hürden oder Schicksalsschläge bewältigen mussten. Auch außergewöhnliches soziales Engagement kann ausgezeichnet werden.


Duale Ausbildung braucht mehr Anerkennung


Für den AGA Unternehmensverband ist die Auszeichnung auch ein Signal an Wirtschaft, Schulen und Politik. Angesichts des Fachkräftemangels kommt es darauf an, junge Menschen frühzeitig über berufliche Möglichkeiten zu informieren und ihnen konkrete Perspektiven aufzuzeigen. „Die duale Ausbildung ist kein Plan B. Sie ebnet starke Karrieren und gehört zu den wichtigsten Antworten auf den Fachkräftemangel“, betonte AGA-Hauptgeschäftsführer Volker Tschirch. Wer mehr junge Menschen für eine Ausbildung gewinnen wolle, müsse ihnen früh zeigen, welche Entwicklungsmöglichkeiten sich ihnen eröffnen. Dafür brauche es an allen weiterführenden Schulen eine verbindliche, praxisnahe Berufsorientierung – ausdrücklich auch an Gymnasien.


Die Forderung verweist auf eine zentrale Herausforderung: Berufliche Ausbildung muss als gleichwertiger Weg neben einem Studium wahrgenommen werden. Sie vermittelt nicht nur fachliche Kenntnisse, sondern verbindet theoretisches Wissen mit praktischer Erfahrung im Betrieb. Unternehmen können ihren Nachwuchs gezielt qualifizieren, während Auszubildende früh Verantwortung übernehmen und ihre Fähigkeiten im Arbeitsalltag entwickeln. Gerade in Zeiten des demografischen Wandels wird die Ausbildung eigener Fachkräfte damit zu einem wichtigen Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.


Mit Rückschlägen umgehen und Ziele verfolgen


Auch Festredner Johannes Bitter, Geschäftsführer Sport beim Handball Club Hamburg, stellte die Bedeutung von Ausdauer und persönlicher Entwicklung heraus. Er nahm die Gäste mit auf eine Zeitreise durch seine sportliche Laufbahn und die bewegte Geschichte des Vereins. Seine Botschaft an die Auszubildenden: Niederlagen gehören zum Leben. Entscheidend sei, wieder aufzustehen, an den eigenen Erfolg zu glauben und den eingeschlagenen Weg beharrlich weiterzuverfolgen. Zugleich ermutigte Bitter die jungen Menschen, sich mit ihrer Herkunft auseinanderzusetzen und die eigene Identität zu klären. Wer wisse, woher er komme und wofür er stehe, könne Veränderungen mit mehr Zuversicht begegnen.


Förderung kann neue Perspektiven eröffnen


Wie wichtig Unterstützung gerade dann ist, wenn der persönliche oder berufliche Weg nicht geradlinig verläuft, unterstrich Helmut Münnich, Vorsitzender des INW – Bildungswerks Nord und der Senator Ing. A. Brickwedde Stiftung. Der Förderpreis mache junge Menschen sichtbar, die sich von schwierigen Umständen nicht hätten aufhalten lassen. Manche hätten Gegenwind aushalten, andere Umwege nehmen oder nach Rückschlägen neu anfangen müssen. Entscheidend sei, das eigene Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Die duale Ausbildung könne dabei ein wichtiger Kompass sein, sagte Münnich.


Der Ausbildungspreis wird vom AGA und dem INW seit 1998 vergeben. Die Auszeichnung „Azubi des Nordens“ ist mit 1.000 Euro, einem Bildungsgutschein und einem Kurzfilm über den Ausbildungsbetrieb verbunden. Der mit 1.500 Euro dotierte Förderpreis wird von der Senator Ing. Albert Brickwedde Stiftung ausgelobt. Unterstützt wurde der Wettbewerb 2026 von der Sparkasse Holstein, dem Berufsbildungszentrum Ahrensburg, dem Handball Club Hamburg, der Musicalschule Ahrensburg, NORHANDEL und dem VMG Nord – Verband der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels Nord e. V.


Die ausgezeichneten Auszubildenden stehen beispielhaft für das Potenzial, das in der jungen Generation steckt. Damit dieses Potenzial künftig noch stärker zur Geltung kommt, braucht es engagierte Ausbildungsbetriebe, verlässliche Unterstützung und eine Berufsorientierung, die unterschiedliche Karrierewege sichtbar macht. Denn qualifizierter Nachwuchs entsteht nicht von allein: Er muss gewonnen, gefördert und ausgebildet werden.

Quelle: AGA

Bearbeitet: JM/NW