Außenhandel im Norden trotzt der Krise
Während Deutschlands Wirtschaft weiter mit schwacher Konjunktur, geopolitischen Risiken und Handelshemmnissen kämpft, legen die Exporte aus Hamburg und Schleswig-Holstein deutlich zu
Hamburg/Kiel. Die deutsche Wirtschaft steckt weiterhin in schwierigem Fahrwasser. Schwache Nachfrage, hohe Kosten, internationale Handelskonflikte und eine zunehmend unsichere geopolitische Lage belasten Unternehmen und Investitionen. Gerade die exportorientierte Wirtschaft bekommt die Veränderungen auf den internationalen Märkten deutlich zu spüren. Umso bemerkenswerter sind die aktuellen Zahlen aus dem Norden: Hamburg und Schleswig-Holstein*) haben ihre Ausfuhren im ersten Halbjahr 2026 deutlich gesteigert.
Hamburger Unternehmen exportierten Waren im Wert von 29,2 Milliarden Euro – ein Plus von 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Schleswig-Holsteins Unternehmen steigerten ihre Ausfuhren sogar um 13,3 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro, wie das Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein mitteilte.
Damit zeigt sich: Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleibt der Norden Deutschlands eng mit den internationalen Märkten verbunden. In Hamburg sorgten vor allem pharmazeutische Erzeugnisse für einen kräftigen Zuwachs. Ihr Exportwert stieg um mehr als 315 Prozent. Auch Mineralölerzeugnisse sowie Gold für gewerbliche Zwecke wurden deutlich stärker ausgeführt.
Wichtigstes Abnehmerland für Hamburger Waren war Frankreich mit einem Exportvolumen von 3,5 Milliarden Euro. Es folgten Österreich mit 2,4 Milliarden Euro und das Vereinigte Königreich mit 2,2 Milliarden Euro. In die Vereinigten Staaten gingen Waren im Wert von rund zwei Milliarden Euro.
Auch Schleswig-Holsteins Außenhandel entwickelte sich auf der Exportseite ausgesprochen positiv. Besonders stark stiegen die Ausfuhren von elektrischem Strom, Mineralölerzeugnissen und Käse. Einen außergewöhnlich hohen Zuwachs gab es zudem bei Wasserfahrzeugen. Allerdings weist das Statistikamt darauf hin, dass diese Warengruppe stark von einzelnen Aufträgen geprägt ist und deshalb regelmäßig erheblichen Schwankungen unterliegt.
Wichtigstes Exportland für die Hamburger Wirtschaft war im ersten Halbjahr 2026 Frankreich. Waren im Wert von 3,5 Milliarden Euro gingen von Hamburg dorthin. Einen wesentlichen Anteil daran hatten Luftfahrzeuge und dazugehörige Teile. Auf den weiteren Plätzen folgten Österreich mit Ausfuhren im Wert von 2,4 Milliarden Euro und das Vereinigte Königreich mit 2,2 Milliarden Euro. In die Vereinigten Staaten exportierten Hamburger Unternehmen Waren im Wert von rund zwei Milliarden Euro, darunter ebenfalls vor allem Wasser- und Luftfahrzeuge.
Wichtigster Handelspartner Schleswig-Holsteins auf der Exportseite waren die Niederlande mit Waren im Wert von 1,2 Milliarden Euro. Die Vereinigten Staaten und Dänemark folgten mit jeweils rund 1,1 Milliarden Euro.
Während die Ausfuhren in beiden Ländern kräftig zulegten, entwickelten sich die Einfuhren
unterschiedlich.
Hamburg
importierte im ersten Halbjahr Waren im Wert von 43,8 Milliarden Euro, ein Plus von 15 Prozent. Besonders deutlich stiegen die Einfuhren von Luftfahrzeugen und Flugzeugteilen (ein Plus von 37,1 Prozent). Die Einfuhr von pharmazeutischen Erzeugnissen erhöhte sich um 261,1 Prozent. Auch die Einfuhren von Erdöl und Erdgas (plus 52,9 Prozent) sowie von Kupfererzen (plus 43,8 Prozent) stiegen deutlich. Die wichtigsten Herkunftsländer der Hamburger Importe waren die Vereinigten Staaten (5,8 Mrd. Euro), Frankreich (4,9 Mrd. Euro), die
Volksrepublik China (4,2 Mrd. Euro) und das Vereinigte Königreich (2,4 Mrd. Euro).
Schleswig-Holstein verzeichnete dagegen einen Rückgang der Einfuhren um 8,7 Prozent auf 15,2 Milliarden Euro. Ausschlaggebend waren vor allem geringere Importe von pharmazeutischen Produkten (minus 38,2 Prozent) und Mineralölerzeugnissen (minus 60,3 Prozent) .
Die Volksrepublik China stellte mit Waren im Wert von 1,9 Mrd. Euro das größte Bezugsland dar. Von dort kamen insbesondere Büromaschinen, Möbel sowie Geräte zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung. Es folgten Dänemark und die Vereinigten Staaten mit 1,6 Mrd. Euro bzw. 1,1 Mrd. Euro.
Die Zahlen zeigen damit ein insgesamt differenziertes Bild – aber mit einer klar positiven Botschaft für die norddeutsche Wirtschaft: Auf den internationalen Märkten sind Unternehmen aus Hamburg und Schleswig-Holstein weiterhin gefragt.
Gerade in einer Zeit, in der die deutsche Binnenkonjunktur nur langsam wieder in Schwung kommt und internationale Handelsbeziehungen zunehmend unter politischen und wirtschaftlichen Spannungen stehen, bleibt der Außenhandel damit ein wichtiger Stabilitätsfaktor für den Norden. Hamburg profitiert dabei von seiner Rolle als internationaler Handels- und Logistikstandort, Schleswig-Holstein von seiner breit aufgestellten Exportwirtschaft zwischen Industrie, Energiewirtschaft, Ernährungswirtschaft und maritimer Wirtschaft.
Die aktuellen Halbjahreszahlen sind deshalb mehr als nur eine Momentaufnahme: Sie zeigen, dass die internationale Vernetzung der norddeutschen Wirtschaft auch unter schwierigen Bedingungen ein entscheidender Wettbewerb.
Quelle:Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein
JM/NW
