Bezahlbares Wohnen wird zur Frage des sozialen Friedens
Wohnungsunternehmen investieren trotz hoher Kosten – vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern wächst der Druck, ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu sichern
Schwerin, 25. August 2026. Bezahlbarer Wohnraum bleibt in Mecklenburg-Vorpommern eine zentrale sozialpolitische Herausforderung. Vor der anstehenden Landtagswahl verweisen die sozialen Wohnungsunternehmen zugleich auf ihre wichtige Rolle bei der Begrenzung der Mieten – und auf die wachsenden Schwierigkeiten, Wohnraum zu erhalten, energetisch zu sanieren und neu zu bauen.
Die Mitgliedsunternehmen des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) vermieten nach eigenen Angaben 53 Prozent der in Mecklenburg-Vorpommern vermieteten Wohnungen. Die monatliche Medianmiete liegt bei ihnen bei 5,73 Euro je Quadratmeter. „Die Zahlen belegen den dämpfenden Einfluss der VNW-Unternehmen auf die Mieten“, sagt VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner. Dies sei „angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen ein nicht zu unterschätzender Beitrag zum sozialen Frieden im Land“. Gleichzeitig wird es für die Unternehmen zunehmend schwieriger, diesen Beitrag dauerhaft zu leisten. Die Kosten für die Instandhaltung sind seit 2019 um 51,5 Prozent gestiegen, während die allgemeine Preissteigerung bei 22,8 Prozent lag. Die Mieten erhöhten sich im selben Zeitraum lediglich um 15,3 Prozent. „Das kann auf Dauer nicht funktionieren“, warnt Breitner.
Mehr Geld für Sanierung als für Neubau
Trotz der angespannten Rahmenbedingungen wollen die VNW-Unternehmen ihre Investitionen deutlich erhöhen. Für dieses Jahr sind in Mecklenburg-Vorpommern Ausgaben von insgesamt 665,8 Millionen Euro geplant – mehr als 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Schwerpunkt liegt allerdings klar auf dem Bestand: 536,8 Millionen Euro sollen in Modernisierung und Sanierung fließen, lediglich 129 Millionen Euro in den Neubau.
Damit zeigt sich ein grundsätzliches Problem des Wohnungsmarktes: Es wird zwar investiert, doch ein erheblicher Teil des Geldes wird benötigt, um den vorhandenen Wohnungsbestand zu erhalten und energetisch fit zu machen. „Die Energiewende fordert den Unternehmen bei der Bestandssanierung alles ab, zumal auch dort die Kosten zuletzt erheblich gestiegen sind“, sagt René Gansewig, Vorsitzender des VNW-Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern und Vorstandssprecher der NEUWOBA Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft.
Auch beim Neubau sind die Rahmenbedingungen schwierig. Im vergangenen Jahr übergaben die VNW-Unternehmen 402 Wohnungen schlüsselfertig – 316 weniger als noch 2024. Für 2026 sind immerhin 606 Wohnungsübergaben geplant. Hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und umfangreiche Anforderungen machen den Neubau jedoch weiterhin zu einer wirtschaftlichen Herausforderung.
Unternehmen brauchen Spielraum
Gansewig fordert deshalb auch politische Unterstützung für die Wohnungswirtschaft. Beim Zusammenschluss sozial orientierter Wohnungsunternehmen müsse das Land auf die Grunderwerbsteuer verzichten. Gerade kleinere Unternehmen könnten die wachsenden Anforderungen an Modernisierung und Klimaschutz allein zunehmend schwer bewältigen. „Die erheblichen Investitionen in die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden setzen Fachpersonal und finanzielle Mittel voraus, über die kleinere Wohnungsunternehmen nicht verfügen“, sagt Gansewig.
Vor der Landtagswahl richtet der VNW zugleich einen Appell an die Bürger, ihr Wahlrecht wahrzunehmen. „Angesichts der unsicheren Zeiten ist es daher wichtiger denn je, seine Stimme abzugeben“, sagt Breitner. Gerade in Ostdeutschland sei die Erinnerung daran, dass Wahlen nicht immer freie Entscheidungen ermöglichten, bei vielen Menschen noch präsent. Eine hohe Wahlbeteiligung sei daher auch ein Zeichen für eine lebendige offene Gesellschaft.
Für die künftige Landesregierung dürfte das Thema Wohnen damit weit über die Baupolitik hinausreichen. Denn bezahlbare Mieten, Investitionen in den Bestand und die Schaffung neuen Wohnraums sind nicht nur eine Frage der Stadtentwicklung, sondern zunehmend auch eine Frage des sozialen Zusammenhalts. Gleichzeitig muss die Politik dafür sorgen, dass die Kosten für Klimaschutz, Sanierung und Neubau nicht dazu führen, dass gerade das Angebot an bezahlbarem Wohnraum weiter unter Druck gerät.
Quelle: VNW
Bearbeitet: JM/NW


