Bildungsmonitor 2026:

Norden mit Licht und Schatten

Hamburg glänzt, Bremen bleibt Schlusslicht – die Ergebnisse des Bildungsmonitors zeigen deutliche Unterschiede bei Bildung, Fachkräftesicherung und Forschung im Norden



Hamburg, 15. September 2026. Wie gut sind die norddeutschen Bundesländer für die Bildungs- und Fachkräfteanforderungen der Zukunft aufgestellt? Der Bildungsmonitor*) 2026 der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zeigt ein uneinheitliches Bild. Während Hamburg seinen Spitzenplatz behauptet, Bremen erneut am Ende des Rankings steht, bewegen sich Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein im Mittelfeld. Auffällig sind dabei wiederkehrende Gegensätze: Starke Hochschulen und Forschung treffen teilweise auf Schwächen bei schulischen Basiskompetenzen und der beruflichen Bildung.'


Hamburg: Platz drei mit klaren Baustellen

Hamburg behauptet mit Rang drei seinen hervorragenden Platz im bundesweiten Vergleich. Besonders stark ist die Hansestadt bei Internationalisierung, Ganztagsangeboten und Betreuung. So erhalten 99 Prozent der Grundschüler Fremdsprachenunterricht – bundesweit ein Spitzenwert. Auch beim Ganztag liegt Hamburg vorn: 99 Prozent der Grundschüler nutzen ein entsprechendes Angebot. Hinzu kommen vergleichsweise gute Betreuungsrelationen und ein hoher Anteil akademisch qualifizierter Kita-Beschäftigter. 2024 schlossen rund 20.600 Studierende ihr Studium ab; gemessen an der akademischen Bevölkerung entspricht das 5,1 Prozent und liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt.


Dennoch gibt es Defizite: Bei der Integration erreicht Hamburg nur Rang 14. Zudem sind die Absolventenanteile in Ingenieurwissenschaften sowie Mathematik und Naturwissenschaften unterdurchschnittlich. Auch bei der Forschungsleistung bleibt Potenzial. Thomas Küll, Abteilungsleiter Bildung, Arbeitsmarkt, Fachkräfte und Mitglied der Geschäftsleitung von NORDMETALL und AGV NORD, sieht deshalb trotz der guten Platzierung Handlungsbedarf: „Die Defizite bei der Integration, der Gewinnung von MINT-Nachwuchs sowie in der Forschungsleistung zeigen, dass selbst ein Vorbild noch erhebliches Entwicklungspotenzial besitzt.“


Thomas Küll, Abteilungsleiter Bildung, Arbeitsmarkt, Fachkräfte und Mitglied der Geschäftsleitung von NORDMETALL und AGV NORD, sieht trotz positiver Entwicklungen weiteren Handlungsbedarf bei Bildung und Fachkräftesicherung. Foto: NORDMETALL


Niedersachsen: starke Hochschulen, schwächere Schulen

Niedersachsen landet auf Rang zehn und damit im Mittelfeld. Besonders positiv fällt die Hochschul- und Forschungslandschaft auf: Mit 203.800 Euro Drittmitteln je Professor erreicht das Land bundesweit den dritten Platz. Auch bei den Bildungsinvestitionen liegt Niedersachsen weit vorn. Dem stehen deutliche Schwächen im schulischen Bereich gegenüber. Bei Mathematik und Naturwissenschaften schneiden Neuntklässler unterdurchschnittlich ab. Rund neun Prozent verlassen die Schule ohne Abschluss, und nur 33,8 Prozent der Teilnehmer eines beruflichen Vorbereitungsjahres schließen dieses erfolgreich ab. Auch bei der Internationalisierung besteht Nachholbedarf. Der Anteil von Grundschülern mit Fremdsprachenunterricht liegt bei 48,6 Prozent, an berufsbildenden Schulen bei 40,5 Prozent. Küll warnt: „Diese Stärken dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Defizite im schulischen Bereich zu groß sind.“ Gerade Mathematik, Naturwissenschaften und der Übergang in die duale Ausbildung müssten ein „bildungspolitischer Weckruf“ sein.


Mecklenburg-Vorpommern: Aufholprozess setzt sich fort

Mecklenburg-Vorpommern verbessert sich erneut und erreicht Rang acht. Gute schulische Basiskompetenzen, eine hohe Chancengerechtigkeit und der Ausbau der Ganztagsbetreuung gehören zu den Stärken. Besonders deutlich ist der Vorsprung bei der Betreuung von Kindern: 77,8 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen besuchen eine Kita mit Ganztagsangebot – fast 30 Prozentpunkte mehr als im Bundesdurchschnitt.


Auch die berufliche Bildung zeigt positive Werte: 92,4 Prozent der Absolventen berufsbildender Schulen schließen erfolgreich ab. Bei Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen gehört Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls zu den stärkeren Ländern. Problematisch bleiben dagegen die Betreuungsschlüssel, die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss und vor allem die MINT-Ausbildung an den Hochschulen. Nur 11,7 Prozent der Hochschulabsolventen kommen aus den Ingenieurwissenschaften; beim Anteil der MINT-Wissenschaftler liegt das Land ebenfalls deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Küll sieht deshalb eine gute Ausgangslage, aber weiteren Handlungsbedarf: „Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um mehr in eine nachhaltige MINT-Bildung zu investieren und sie weiterhin strukturell zu stärken.“


Bremen: Hochschulen top, Schulen Schlusslicht

Bremen bleibt zum sechsten Mal in Folge auf dem letzten Platz. Besonders alarmierend sind die Ergebnisse bei den schulischen Basiskompetenzen: In Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen schneiden die Neuntklässler bundesweit am schlechtesten ab. Gleichzeitig weist Bremen die höchste Bildungsarmut auf. Auch beim Ganztag liegt das Land deutlich zurück. Nur 36,2 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen und 32,5 Prozent der Schüler der Sekundarstufe I nutzen entsprechende Angebote.


Dabei verfügt Bremen über starke Gegenpole. Die Hochschulen ziehen viele Studierende aus anderen Bundesländern an, und mit 6,8 Prozent Hochschulabsolventen gemessen an der akademischen Bevölkerung erreicht Bremen den zweitbesten Wert. Auch bei der Ausbildung von IT-Fachkräften ist das Land bundesweit führend. Küll bezeichnet den Gegensatz als „umso besorgniserregender“: „Wenn junge Menschen die Schule ohne ausreichende Kenntnisse in Mathematik, Naturwissenschaften oder Lesen verlassen, verschärft das den Fachkräftemangel und begrenzt ihre persönlichen Zukunftschancen.“


Schleswig-Holstein: Forschung stark, Fachkräftesicherung ausbaufähig

Schleswig-Holstein fällt auf Rang neun zurück. Zu den Stärken gehört die Forschungslandschaft: Mit 194.100 Euro je Forscher erreichen die Hochschulen den bundesweit höchsten Wert. Auch Mathematik und Naturwissenschaften liegen bei den schulischen Leistungen leicht über dem Durchschnitt. Schwächen zeigen sich dagegen bei der beruflichen Bildung und der Fachkräftesicherung. Mehr Ausbildungsverhältnisse werden vorzeitig beendet, gleichzeitig bleiben mehr Ausbildungsplätze unbesetzt. Zwar schließen 70,1 Prozent der Teilnehmer ein berufliches Vorbereitungsjahr erfolgreich ab, doch der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss ist auf 10,1 Prozent gestiegen.


Hinzu kommen Defizite bei Ganztagsangeboten und der Weiterbildung. Auch die Zahl der Hochschulabsolventen im Verhältnis zur akademischen Bevölkerung ist rückläufig. Küll sieht deshalb eine zentrale Aufgabe darin, wissenschaftliche Stärke und berufliche Qualifizierung besser zusammenzubringen: „Gerade für die Industrie ist entscheidend, dass wissenschaftliche Spitzenleistungen mit einer starken dualen Ausbildung und einer erfolgreichen Qualifizierung des beruflichen Nachwuchses einhergehen.“


Der Bildungsmonitor 2026 zeigt für den Norden kein einheitliches Bild. Hamburg bleibt Bildungsstandort mit Spitzenambitionen, Bremen hat bei den schulischen Grundlagen den größten Nachholbedarf. Niedersachsen und Schleswig-Holstein verfügen über starke Hochschul- und Forschungsstrukturen, kämpfen aber mit Schwächen bei Schule und beruflicher Bildung. Mecklenburg-Vorpommern setzt seinen Aufholprozess fort.


Gemeinsam bleibt eine zentrale Herausforderung: Bildung muss stärker dazu beitragen, den wachsenden Fachkräftebedarf zu sichern – von der frühkindlichen Förderung über Schule und Ausbildung bis zu Hochschule und Forschung.


Detaillergebnisse zu den jeweiligen Bundesländern finden Sie hier: https://www.insm.de/bildungsmonitor-2026/downloads


*)Der Bildungsmonitor für alle 16 Bundesländer wird vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln seit 2004 im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt, inzwischen zum 23. Mal. Die anhand von 13 Handlungsfeldern und 98 Indikatoren gefertigte Studie ermittelt, inwieweit ein Bundesland die Bildungsteilhabe verbessert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.


Quelle: NORDMETALL

Bearbeitet: JM/NW