Die Meere heizen sich weiter auf

BSH: Nordsee so warm wie nie, Ostsee am zweitwärmsten – neue Rekorde belegen die Folgen des globalen Klimawandels

Hamburg, 9. Januar 2026. Der globale Klimawandel zeigt sich längst nicht mehr nur an schmelzenden Gletschern oder zunehmenden Hitzewellen an Land. Auch die Ozeane speichern immer mehr Wärme – mit weitreichenden Folgen für Ökosysteme, Küsten und den Meeresspiegel. Neue Daten des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) machen deutlich, wie stark sich Nord- und Ostsee inzwischen erwärmt haben.

Im Jahr 2025 erreichte die Nordsee die höchste jemals gemessene Jahresmitteltemperatur seit Beginn der BSH-Datenreihe 1969. Auch die Ostsee gehörte zu den wärmsten Jahren seit Messbeginn. Gleichzeitig nahm der Wärmeinhalt der Meere weiter zu – nicht nur an der Oberfläche, sondern bis in große Tiefen.


„2025 erreichte die Nordsee mit einer mittleren Temperatur von 11,6 °C den höchsten Wert der BSH-Datenreihe seit 1969. Im Vergleich zum langjährigen Mittel von 1997 bis 2021 war es um 0,9 °C wärmer. Jeder Monat lag deutlich über dem Langzeitmittel, Juni und Dezember setzten Rekorde“, sagt Dr. Tim Kruschke, Leiter des Referats Marine Klimafragen am BSH.


Über alle Regionen hinweg lag die Oberflächentemperatur der Nordsee mindestens 0,5 °C über dem langjährigen Mittel, vielerorts sogar mehr als 1 °C. Besonders betroffen waren der nördliche und zentrale Teil der Nordsee sowie der Übergang zur Ostsee.


Wärmerekorde auch unter der Oberfläche

Besonders alarmierend: Die Erwärmung beschränkte sich nicht auf die oberen Wasserschichten. 2025 speicherte die Nordsee mit 1,46 Millionen Petajoule so viel Wärme wie nie zuvor – rund 35.000 Petajoule mehr als im Vorjahr. Diese zusätzliche Energiemenge entspricht etwa dem Dreifachen des deutschen Primärenergieverbrauchs im Jahr 2024.


„Die Analysen der dreidimensionalen Modelldaten zeigen, dass die Erwärmung nicht nur an der Oberfläche, sondern in der gesamten Wassersäule stattfindet. Die Meere speichern enorme Wärmemengen – eine klare Folge des fortschreitenden Klimawandels“, erklärt Dr. Helen Morrison, Co-Leiterin des Referats für operationelle Modellierungen am BSH.


Ostsee fast auf Rekordniveau

Auch die Ostsee verzeichnete 2025 außergewöhnlich hohe Temperaturen. Mit einer mittleren Oberflächentemperatur von 9,7 °C lag sie 1,1 °C über dem langjährigen Mittel. Damit war 2025 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Datenreihe 1990 – nur 2020 war noch wärmer.

Besonders stark erwärmten sich die südwestliche Ostsee einschließlich der deutschen Gewässer sowie der Finnische Meerbusen. In vielen Gebieten lagen die Temperaturen mehr als 1 °C über dem Durchschnitt.


Marine Hitzewellen nehmen zu

Die steigenden Temperaturen begünstigen Extremereignisse im Meer. In der Kieler Förde registrierte das BSH im Frühjahr 2025 eine marine Hitzewelle von 55 Tagen – die längste seit Beginn der Messungen. Die Wassertemperaturen lagen im Durchschnitt 2,6 °C über dem langjährigen Mittel, in der Spitze sogar 4,3 °C darüber. Solche marinen Hitzewellen belasten Pflanzen und Tiere erheblich und treten mit zunehmender Erwärmung immer häufiger auf.


Blick in die Zukunft: weitere Erwärmung erwartet

Langfristige Messreihen und Klimasimulationen zeigen, dass sich Nord- und Ostsee weiter erwärmen werden, wenn die Treibhausgasemissionen nicht deutlich sinken. Simulationen des BSH und des Dänischen Meteorologischen Instituts gehen bis 2100 von einer zusätzlichen Erwärmung um bis zu 2,8 °C in der Nordsee und 3,0 °C in der Ostsee aus.


Steigender Meeresspiegel als zusätzliche Gefahr

Mit der Erwärmung der Meere steigt auch der Meeresspiegel. Pegelmessungen zeigen bereits heute einen Anstieg von über 25 Zentimetern in Cuxhaven seit 1900 und knapp 20 Zentimetern in Warnemünde. Laut IPCC könnte der globale Meeresspiegel bis 2100 um bis zu einen Meter steigen – mit höheren Wasserständen bei Sturmfluten als Folge.


„Selbst wenn wir weltweit sofort aufhören, Treibhausgase auszustoßen, wird der Meeresspiegel voraussichtlich noch Jahrhunderte weiter ansteigen. Das ist gefährlich gerade für unsere Küste. Es ist daher wichtig, mehr für den Klimaschutz zu tun. Wir können so Zeit gewinnen, um uns besser auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten und unsere Küsten und damit auch die Bevölkerung vor Ort besser zu schützen“, betont BSH-Präsident Helge Heegewaldt.

Quelle: BSH

JM/NW