Drohnen für die letzte Meile:
Hamburg vernetzt Logistik und Luftfahrt
Mit dem Projekt „LogIsInTheAir“ wollen zwei Cluster zeigen, wie luftgestützte Transporte Lieferketten schneller, effizienter und nachhaltiger machen können.
Hamburg, 3. März 2026. Wenn Pakete Staus umfliegen und Ersatzteile direkt aufs Hallendach geliefert werden, wird aus Zukunftsmusik Geschäftsmodell. In Hamburg startet mit „LogIsInTheAir“ eine Initiative, die Drohnen stärker in logistische Prozesse integrieren soll – von der zeitkritischen Ersatzteillieferung bis zur Versorgung schwer zugänglicher Areale.
Getragen wird das Projekt von der Logistik-Initiative Hamburg sowie von Hamburg Aviation, dem Luftfahrtcluster der Region. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Bis März 2028 stehen rund 1,1 Millionen Euro bereit, um Unternehmen aus Logistik und Luftfahrt systematisch zusammenzubringen, Innovationspotenziale zu erschließen und den Einsatz von Drohnen in Lieferketten zu erproben.
Drohnen dort einsetzen, wo es wehtut
Das Potenzial ist groß – vor allem in Bereichen, in denen Logistik besonders zeitkritisch, personalintensiv oder geografisch schwierig ist. Drohnen können etwa dringend benötigte Ersatzteile zwischen Produktionsstandorten transportieren, Medikamente oder Laborproben zustellen oder Hafen- und Industrieareale flexibel verbinden. Auch auf der sogenannten „letzten Meile“ bieten sie Perspektiven, wenn Straßen verstopft oder Zufahrten eingeschränkt sind.
Entscheidend ist jedoch die Integration in bestehende Lieferketten. Drohnen ersetzen nicht den Lkw, sondern ergänzen ihn. Sie spielen ihre Stärke aus, wenn Geschwindigkeit zählt oder klassische Transporte an Grenzen stoßen. Genau hier setzt das Projekt an: Unternehmen sollen befähigt werden, konkrete Einsatzszenarien zu identifizieren und wirtschaftlich zu bewerten.
Cluster bauen Brücken
Im ersten Schritt analysieren die Projektpartner Bedarf und Angebot im Markt. Wer entwickelt Drohnentechnologie? Wer braucht flexible Transportlösungen? Auf dieser Basis werden Anbieter und potenzielle Anwender gezielt vernetzt. Informations- und Netzwerkveranstaltungen sollen den Wissenstransfer beschleunigen. Parallel entsteht eine Wissensdatenbank, die Technologien, regulatorische Fragen und Anwendungsfelder bündelt.
Ziel sind sogenannte „Clusterbrücken“ – dauerhafte Kooperationen zwischen Unternehmen beider Branchen. Damit erweitert Hamburg seine Strategie als Logistikstandort und knüpft an seine Rolle als europäische Modellstadt für Urban Air Mobility an.
Die Logistik-Initiative Hamburg ist ein Public-Private-Partnership von Stadt und Wirtschaft. Sie vernetzt Unternehmen, Institutionen und Wissenschaft, um die Metropolregion als führende Logistikdrehscheibe Europas zu stärken. Hamburg Aviation wiederum repräsentiert mit rund 300 Unternehmen und knapp 49.000 Beschäftigten einen der weltweit bedeutendsten Standorte der zivilen Luftfahrt. Das Cluster bringt Industrie, Forschung und Politik zusammen – mit wachsendem Fokus auf nachhaltige und digitale Technologien, zu denen auch unbemannte Flugsysteme zählen.
Standortpolitik mit Signalwirkung
Hamburg erhält in der laufenden Förderperiode insgesamt rund 65 Millionen Euro aus dem EFRE-Programm für Projekte der digitalen und grünen Transformation. „LogIsInTheAir“ ist eines der jüngsten Vorhaben, das gezielt branchenübergreifende Innovationen anschieben soll. Für den Standort ist das mehr als Technologiepolitik. Gelingt es, Drohnen sinnvoll in logistische Wertschöpfungsketten einzubinden, könnte Hamburg seine Rolle als Testfeld für urbane Luftmobilität weiter ausbauen – und zugleich Unternehmen einen Vorsprung in einem Markt verschaffen, der erst am Anfang steht.
Quelle: Logistik-Initiative Hamburg/Aviation e.V.
JM/NW
