Grüner Wasserstoff kommt ins Hamburger tesa-Werk

tesa stellt seine Energieversorgung neu auf: Ab 2028 soll Wasserstoff aus erneuerbaren Energien fossile Brennstoffe bei der Dampferzeugung ersetzen. EWE liefert jährlich 500 Tonnen.


Hamburg, 7. Oktober 2026. Hamburg bekommt einen weiteren industriellen Abnehmer für grünen Wasserstoff: Der Klebebandhersteller tesa und der Energieversorger EWE haben einen Liefervertrag über jährlich 500 Tonnen Wasserstoff geschlossen. Ab 2028 soll der Energieträger im Hamburger tesa-Werk für die Dampferzeugung eingesetzt werden und dort fossile Brennstoffe ersetzen.

Für den Produktionsstandort ist das ein wichtiger Schritt. Das Hamburger Werk ist der energieintensivste und emissionsstärkste Standort im weltweiten Produktionsverbund von tesa. Rund 6.000 Tonnen CO₂e pro Jahr sollen durch den Umstieg auf Wasserstoff eingespart werden.


Der Vertrag zeigt zugleich, wie die industrielle Energiewende konkreter wird: Nicht nur die Erzeugung erneuerbarer Energie muss wachsen – auch Abnehmer müssen sich festlegen und ihre Produktion auf neue Energieträger vorbereiten.


Wasserstoff als Baustein der neuen Energieversorgung


Bei tesa soll Wasserstoff künftig dort zum Einsatz kommen, wo sich die benötigte Prozesswärme nicht vollständig elektrifizieren lässt. Das Unternehmen kombiniert dafür mehrere Ansätze: Elektrifizierung, Wärmespeicher und eine intelligente Steuerung des Energieverbrauchs gehören ebenso zum Konzept wie der neue Energieträger.


Zwei für Wasserstoff geeignete Dampfkessel schaffen die technischen Voraussetzungen. Der erste ist bereits installiert und angeschlossen. Über eine digitale Plattform werden zudem Daten aus Produktion, Energieversorgung und Energiemärkten zusammengeführt. Ziel ist es, den Energieeinsatz vorausschauend zu steuern und flexibler auf die jeweiligen Bedingungen zu reagieren. „Wir wollen unsere Produktion bis 2030 schrittweise klimaneutral ausrichten und schaffen im Werk Hamburg die technischen Voraussetzungen dafür“, sagt
tesa-CEO Dr. Kourosh Bahrami. Wasserstoff ergänze dort Elektrifizierung, Wärmespeicherung und intelligente Energiesteuerung, wo Prozesswärme nicht vollständig elektrifiziert werden könne. Es gehe damit nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.


Der Wasserstoff kommt aus Emden


Geliefert werden soll der Wasserstoff von EWE. Er soll in einer 320-Megawatt-Anlage in Emden erzeugt werden, die derzeit entsteht und Ende 2027 in Betrieb gehen soll. Die Produktion erfolgt per Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energien. Anschließend soll der Wasserstoff über das entstehende Wasserstoff-Kernnetz nach Hamburg gelangen. Damit verbindet das Projekt zwei Regionen und zwei Seiten des künftigen Wasserstoffmarktes: die Erzeugung im Nordwesten und einen industriellen Abnehmer in Hamburg.
EWE-CEO Stefan Dohler sieht darin ein Signal für den Aufbau eines neuen Marktes. Nach Salzgitter sei tesa ein weiterer großer Industriekunde, der sich für grünen Wasserstoff von EWE entscheide. Damit Angebot und Nachfrage tatsächlich zusammenfinden, brauche es aus seiner Sicht allerdings verlässliche politische und regulatorische Rahmenbedingungen.


300 Millionen Euro für die Transformation


tesa baut seine Energie- und Produktionssysteme nicht nur in Hamburg um. Der Konzern will bis 2030 rund 300 Millionen Euro in die Transformation investieren. Neben der Senkung der Emissionen geht es dabei auch um effizientere Produktionsprozesse, neue Technologien und eine höhere Widerstandsfähigkeit der Standorte.


Seit 2018 hat tesa seine Scope-1- und Scope-2-Emissionen nach eigenen Angaben bereits um die Hälfte reduziert. Rund 95 Prozent des weltweiten Strombedarfs werden inzwischen mit Strom aus erneuerbaren Energien gedeckt.


Für Hamburg bedeutet der Wasserstoffvertrag vor allem eines: Die Transformation verlässt zunehmend die Ebene von Konzepten und Zielmarken. Mit der geplanten Lieferung ab 2028 bekommt sie im Produktionsalltag des tesa-Werks eine konkrete Form.

Quelle: tesa

JM/NW