IFO Institut: Hamburg und Schleswig-Holstein bilden Schlusslicht beim Wirtschaftswachstum

Während die Wirtschaftsleistung in den meisten Bundesländern zu Jahresbeginn zulegt, verzeichnen Hamburg und Schleswig-Holstein einen Rückgang. Die CDU fordert eine Standortoffensive und sieht versäumte Chancen in der Industriepolitik

Köln/Hamburg. Juni 2026. Die Wirtschaft in Deutschland ist überwiegend positiv in das Jahr 2026 gestartet. Nach Berechnungen des ifo Instituts stieg die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal in zwölf der sechzehn Bundesländer. Besonders stark fiel das Wachstum in Berlin und Brandenburg mit jeweils 0,9 Prozent aus, gefolgt von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit jeweils 0,8 Prozent. Hamburg und Schleswig-Holstein hingegen bilden gemeinsam das Schlusslicht der Länderwertung. In beiden Bundesländern ging die Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent zurück. Auch Niedersachsen verzeichnete mit minus 0,2 Prozent einen Rückgang.

„Insbesondere die Industrie ist stark in das Jahr gestartet, wovon einige Bundesländer stärker profitieren als andere“, sagt ifo-Konjunkturexperte Robert Lehmann. „Jedoch belasten die im Zuge des Irankrieges stark gestiegenen Preise das Wachstum.“


Nach Einschätzung des ifo Instituts profitieren insbesondere Regionen mit einer starken Rüstungsindustrie von den gestiegenen Verteidigungsausgaben. „Die Standorte mit einer ausgeprägten Rüstungsindustrie in Nord- und Westdeutschland profitieren in erheblichem Umfang von der Aufrüstung und Erneuerung des Verteidigungssektors“, sagt Lehmann.


Die schwachen Zahlen für Hamburg haben politische Reaktionen ausgelöst. Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Prof. Dr. Michael Becken, sieht die Verantwortung beim Senat. „Diese Zahlen sind das Ergebnis einer Wirtschaftspolitik ohne Prioritäten. Das ifo-Institut erklärt den schwachen Jahresauftakt zwar teilweise mit Basiseffekten aus einem starken Vorjahr, doch das größere Bild ist eindeutig: Hamburg verpasst die Impulse, die andere Standorte mitnehmen. Der rot-grüne Senat hat offenbar keinen Plan, wie er Hamburg wieder auf Wachstumskurs bringt.“


Becken verweist dabei auf mögliche industrielle Entwicklungschancen im Zusammenhang mit dem Ausbau der Verteidigungsindustrie. Das ifo-Institut habe ausdrücklich auf die positiven Effekte für Standorte mit entsprechender Industrie hingewiesen. Hamburg nutze diese Möglichkeiten bislang jedoch nicht ausreichend.


„Das ifo-Institut benennt einen der zentralen Hamburger Schwachpunkte ausdrücklich: Standorte mit einer ausgeprägten Rüstungsindustrie in Nord- und Westdeutschland profitieren laut Institut ‚in erheblichem Umfang von der Aufrüstung und Erneuerung des Verteidigungssektors‘. Genau dort verspielt Hamburg eine Chance“, so Becken.


Konkret verweist der CDU-Politiker auf das Hafenareal Kuhwerder: „Wie die CDU-Fraktion bereits Anfang Mai öffentlich gemacht hat, ist das zentrale Hafenareal Kuhwerder – die naheliegendste Erweiterungsfläche für die geplante Marine-Produktion von Rheinmetall – bis Ende 2032 an die Hamburger Hochbahn vergeben. Wer eine industriepolitische Chance dieser Größenordnung über Jahre liegen lässt, darf sich über schwache Wachstumszahlen nicht wundern.“


Die CDU fordert deshalb eine umfassende Standortoffensive. Dazu zählen zusätzliche Gewerbeflächen, schnellere Genehmigungsverfahren sowie gezielte Maßnahmen zur Ansiedlung neuer Unternehmen. Gleichzeitig müssten bestehende Unternehmen stärker entlastet und bei Investitionen unterstützt werden. „Standortpolitik bedeutet, sowohl neue Unternehmen zu gewinnen als auch den bestehenden den Rücken zu stärken. Beides muss der Senat jetzt ernsthaft angehen und dabei auch steuerliche Instrumente prüfen“, sagt Becken.


Trotz der aktuellen Schwäche verweisen die ifo-Forscher darauf, dass die Entwicklung in Norddeutschland auch vor dem Hintergrund eines vergleichsweise starken Vorjahres betrachtet werden müsse. Gleichwohl zeigen die aktuellen Zahlen, dass Hamburg und Schleswig-Holstein derzeit nicht von den Wachstumsimpulsen profitieren, die in vielen anderen Regionen Deutschlands zu beobachten sind.

Quelle: Ifo-Institut

JM/NW