Hamburger Wirtschaft 2026:

Vorsichtige Investitionsplanung trotz leichter Stimmungsaufhellung

Die Konjunktur in Hamburg bleibt gedämpft, doch Exportaussichten und Geschäftsklimaindikator signalisieren vorsichtigen Optimismus – die Unsicherheit über politische Rahmenbedingungen bremst Investitionen und Beschäftigung

Hamburg, 18. Januar 2026. Die wirtschaftliche Lage in Deutschland startet 2026 verhalten. Nach mehreren Jahren mit globalen Unsicherheiten, Energiepreisvolatilität und geopolitischen Spannungen stabilisiert sich das Bruttoinlandsprodukt zuletzt nur moderat, während die Inflationsrate leicht zurückgeht. Besonders in Norddeutschland ist die Stimmung gedämpft: Industrie und Handel profitieren zwar von der Lage am Binnenmarkt, doch steigende Arbeitskosten und verzögerte Investitionsentscheidungen bremsen Wachstumsperspektiven. In Hamburg, als einem der wichtigsten Wirtschafts- und Logistikzentren Deutschlands, spiegeln sich diese Herausforderungen deutlich wider. Hafenumschlag, Maschinenbau und Handelsunternehmen stehen vor Unsicherheiten, die sich in Investitions- und Personalplanungen niederschlagen.

Das aktuelle Konjunkturbarometer der Handelskammer Hamburg zeigt, dass sich die Stimmung zum Jahresende 2025 leicht aufgehellt hat. Der Geschäftsklimaindikator steigt auf 88,5 Punkte und liegt damit 4,1 Punkte über dem Vorquartal, bleibt im langfristigen Vergleich aber deutlich unter dem Durchschnitt von 105,9 Punkten. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen bewertet ihre aktuelle Lage als saisonüblich, rund ein Viertel als gut und ein Viertel als schlecht. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate bleiben insgesamt negativ.


Investitions- und Beschäftigungspläne fallen entsprechend vorsichtig aus. Etwa die Hälfte der Unternehmen rechnet mit gleichbleibenden Investitionsausgaben, während mehr Betriebe Kürzungen als Ausweitungen planen. Investiert wird vor allem in Ersatz bestehender Anlagen und Rationalisierung, weniger in Kapazitätsausbau oder Umweltschutz. Auch beim Personal überwiegt Zurückhaltung: Sechs von zehn Unternehmen erwarten einen stabilen Personalbestand, während leicht mehr Betriebe einen Abbau als einen Aufbau von Stellen planen.


Einen Lichtblick bilden die Exporterwartungen. Knapp ein Drittel der exportierenden Unternehmen rechnet 2026 mit steigenden Ausfuhren, nur wenige mit Rückgängen. Dieser Optimismus übertrifft die Ergebnisse der Handelskammerbefragungen der Vorquartale und signalisiert, dass Hamburger Unternehmen trotz innerdeutscher Unsicherheiten Chancen auf Auslandsmärkten sehen. Ähnliche Tendenzen werden auch in Studien des Deutschen Industrie- und Handelskammertages beobachtet, die eine wachsende Nachfrage nach deutschen Maschinen, Fahrzeugen und Chemieprodukten in Asien und Südamerika feststellen (Quelle: DIHK, 2025).


Dr. Malte Heyne, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg, betont die Bedeutung stabiler wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen: „Zwei von drei Unternehmen sehen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als eines der größten Risiken. Konsequente Investitionen in Sicherheit und Infrastruktur, die Beschleunigung von Verfahren sowie die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen sind zentral. Ohne diese Priorität wird auch 2026 ein echter Aufschwung ausbleiben.“


Zu den größten Risiken zählen neben den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen die Inlandsnachfrage und steigende Arbeitskosten. Bei Investitionen und Beschäftigung ergibt sich ein eher vorsichtiges Bild: 51,8 Prozent der Unternehmen planen gleichbleibende Investitionen, 26,2 Prozent geringere und 22,0 Prozent höhere Ausgaben, während beim Personalbestand 61,5 Prozent von Stabilität ausgehen, 23,7 Prozent von Abbau und 14,8 Prozent von Zuwachs. Befragt wurden 601 Hamburger Unternehmen zwischen dem 11. Dezember 2025 und 12. Januar 2026.


Insgesamt zeichnet das Konjunkturbarometer ein Bild einer Hamburger Wirtschaft, die sich in einem angespannten Umfeld befindet: Leichte Verbesserungen bei Geschäftsklima und Exporterwartungen stehen einer gedämpften Investitions- und Beschäftigungsbereitschaft gegenüber. Für die kommenden Monate bleibt entscheidend, ob politische Entscheidungen und Infrastrukturmaßnahmen ausreichend Impulse für einen nachhaltigen Aufschwung liefern können.

Quelle: HK Hamburg

JM/NW


Die vollständige Auswertung finden Sie hier www.handelskammer-hamburg.de/konjunktur