HanseMerkur wächst siebenmal stärker als der Markt

Versicherer erzielt Rekordjahr zum 150. Jubiläum – Sautter fordert Reformen bei Rente und Gesundheitssystem

Hamburg, 7. Mai 2026. Die HanseMerkur setzt ihren Wachstumskurs auch im Jubiläumsjahr fort – und wächst deutlich stärker als die Branche. Mit Beitragseinnahmen von 3,55 Milliarden Euro legte der Versicherer 2025 um 20,6 Prozent zu und erreichte damit einen neuen Höchstwert. Branchenweit lag das Wachstum zuletzt bei rund sechs Prozent, Marktführer Allianz kam 2025 auf etwa vier Prozent Plus. „Das ist sensationelles Wachstum“, sagte Vorstandschef Eberhard Sautter bei der Vorlage der Jahreszahlen anlässlich der Bilanzpressekonferenz im Haus der HanseMerkur am Siegried-Wedells-Platz in Hamburg. „Wir haben das beste Neugeschäftsjahr unserer Unternehmensgeschichte erzielt und unser strategisches Ziel im Neugeschäft deutlich früher erreicht als geplant.“

Seit dem Jahr 2000 ist die HanseMerkur um 648 Prozent gewachsen, während die Versicherungsbranche insgesamt lediglich um 93 Prozent zulegte. Lag die HanseMerkur Krankenversicherung 2001 noch auf Rang 23 der deutschen Versicherer, steht es heute auf Platz 10. Bis 2030 soll Platz 7 erreicht werden. Das Neugeschäft stieg 2025 nochmals um 24,8 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2024. Der Konzernüberschuss lag bei 125,5 Millionen Euro, das Eigenkapital wuchs auf 1,45 Milliarden Euro.


Wachstum in allen Sparten über Marktniveau


Besonders dynamisch entwickelte sich erneut das Geschäftsfeld „Schaden, Unfall & Tier“. Die Beitragseinnahmen stiegen hier um mehr als 30 Prozent auf 278,9 Millionen Euro. Wachstumstreiber bleibt die Tierversicherung: Innerhalb von nur vier Jahren arbeitete sich die HanseMerkur von null auf Platz zwei im deutschen Markt vor. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen Marktführer werden“, sagte Sautter. 


Gesundheit und Pflege bleibt stärkster Wachstumsmotor


Das größte Geschäftsfeld „Gesundheit & Pflege“ entwickelte sich erneut deutlich stärker als der Markt. Die Beitragseinnahmen stiegen 2025 um 8,8 Prozent auf 2,24 Milliarden Euro, während der PKV-Markt insgesamt lediglich um 7,3 Prozent zulegte. Besonders dynamisch wächst weiterhin die Krankenvollversicherung. Insgesamt sind inzwischen 334.332 Menschen bei der HanseMerkur vollversichert – ein Nettozuwachs von 20.671 Kunden beziehungsweise 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wächst das Unternehmen bereits im 24. Jahr in Folge stärker als der Markt. Laut vorläufigen Angaben des PKV-Verbandes lag das Wachstum der Branche 2025 lediglich bei 0,5 Prozent.


Auch die Zahl der Zusatzversicherten stieg weiter um rund 22.000 Kunden beziehungsweise 1,7 Prozent. Als besonders wachstumsstark erweist sich zudem die betriebliche Krankenversicherung (bKV), die arbeitgeberfinanzierte Gesundheitsleistungen absichert. In diesem Segment legte das Geschäft 2025 um 79,9 Prozent zu. „Wir entwickeln uns immer stärker zum Komplettanbieter für unterschiedliche Zielgruppen“, sagte Sautter.

Ein besonderer Fokus liegt dabei künftig auf dem Beamtenmarkt. Ende 2025 führte die HanseMerkur mit „Be Fit Smart“ eine neue Produktlinie für Beamte ein. Anfang 2026 folgte mit „Be Fit Best“ ein weiteres Angebot im Hochleistungssegment. Für den Sommer 2026 kündigte das Unternehmen zusätzlich einen speziellen Anwärtertarif an.„Der Beamtenmarkt ist strategisch hochinteressant und bietet enormes Potenzial“, sagte Sautter. „Aber man muss ihn sehr sorgfältig vorbereiten.“


Reiseversicherung wächst trotz schwächerem Reisemarkt


Auch in der Reiseversicherung behauptete die HanseMerkur ihre Spitzenposition. Die Beitragseinnahmen stiegen um 9,6 Prozent auf 348,8 Millionen Euro. Damit baute der Versicherer seine Marktführerschaft in Deutschland weiter aus. Das Wachstum sei allerdings unter deutlich schwierigeren Rahmenbedingungen erzielt worden als noch in den Vorjahren, betonte Sautter. Globale Krisen, Inflation und stark gestiegene Reisekosten belasteten zunehmend die Branche. „Urlaub ist deutlich teurer geworden. Viele Menschen können sich Reisen schlicht nicht mehr in dem Umfang leisten wie früher“, sagte Sautter. „Wer früher zwei Reisen im Jahr gemacht hat, macht heute oft nur noch eine. Und wer nicht reist, braucht auch keine Reiseversicherung.“ Vor diesem Hintergrund bewertet die HanseMerkur das Wachstum im Reisegeschäft als besonders bemerkenswert. Wachstumstreiber bleiben vor allem Kooperationen mit Reiseveranstaltern, Online-Portalen, Airlines sowie Partnern im Business-Travel-Segment.


Altersvorsorge boomt – Kritik an staatlichen Rentenplänen


Besonders stark wuchs die Sparte „Risiko & Altersvorsorge“. Die Beitragseinnahmen legten um 85,4 Prozent auf 687,4 Millionen Euro zu – vor allem dank eines boomenden Einmalbeitragsgeschäfts. Damit wurde das ursprünglich erst für 2030 formulierte Wachstumsziel bereits jetzt übertroffen. Die politische Debatte über die Reform der Altersvorsorge verfolgt die HanseMerkur allerdings mit Skepsis. Hintergrund sind Überlegungen der Politik, zwei staatlich organisierte Standardprodukte für die Altersvorsorge einzuführen.

„Der Staat tritt damit in Konkurrenz zu privaten Versicherern“, sagte Sautter. Statt zusätzlicher staatlicher Angebote müsse stärker für private Vorsorge sensibilisiert werden.


Sautter fordert Strukturreformen bei Krankenversicherung


Mit Blick auf die politische Debatte um steigende Gesundheitskosten fordert Sautter grundlegende Reformen statt zusätzlicher Finanzmittel für das System. „Dem Gesundheitssystem mangelt es nicht an Einnahmen, sondern an einer Begrenzung der Leistungssteigerungen“, sagte er. Allein in den Jahren 2021-2024 seien die Gesundheitskosten um rund 100 Milliarden Euro gestiegen. Die von der Finanzkommission Gesundheit vorgelegten 66 Empfehlungen gingen zwar in die richtige Richtung, entscheidend sei jedoch eine strukturelle Neuaufstellung. „Wir reparieren heute vor allem Krankheiten. Künftig müssen wir Gesundheit managen“, so Sautter.


Stärker in den Mittelpunkt rücken müsse daher die Prävention. Mehr Prävention, stärkere Eigenverantwortung und ein früheres Gesundheitsbewusstsein seien aus Sicht der HanseMerkur entscheidend für die langfristige Stabilisierung des Systems. Ernährung, Schlaf, Bewegung und mentale Gesundheit müssten deutlich stärker in den Fokus rücken – ebenso wie eine frühzeitige Vermittlung von Gesundheitskompetenz. Dabei gehe es nicht nur um individuelle Lebensführung, sondern um strukturelle Veränderungen im Umgang mit Gesundheit insgesamt. „Vielleicht braucht es sogar ein Schulfach Gesundheit“, sagte Sautter mit Blick auf eine stärkere Verankerung von Prävention und Gesundheitsbildung im Bildungssystem.


Immobiliengeschäft bleibt stabil – Fokus auf Premiumstandorte


Im Asset Management verwaltet die HanseMerkur inzwischen Vermögenswerte von 21,8 Milliarden Euro. Trotz eines schwierigen Immobilienmarktes setzt die Gruppe weiter auf hochwertige Büro- und Wohnimmobilien in Metropolregionen.„Es wird insgesamt deutlich weniger gebaut“, sagte Sautter mit Blick auf die schwache Entwicklung der Immobilienbranche. Gerade deshalb konzentriere sich die HanseMerkur auf energieeffiziente Premiumobjekte in Top-Lagen. Die HanseMerkur Grundvermögen AG managt mittlerweile mehr als 100 Immobilien mit einer Gesamtfläche von über einer Million Quadratmetern. Zu den wichtigsten Projektentwicklungen zählen unter anderem die Gänsemarkt Höfe in Hamburg, das Goldschmied Carré in Köln sowie das Central ParX in Frankfurt. Im Premiumbürosegment verfügt die Gesellschaft nach eigenen Angaben über eine Projektpipeline von rund einer Milliarde Euro.


KI als Werkzeug – nicht als Jobkiller


Große Bedeutung misst die HanseMerkur inzwischen auch dem Einsatz Künstlicher Intelligenz bei. KI werde bereits intensiv in Prozessen und der Leistungsregulierung eingesetzt, erklärte Sautter. Einen Stellenabbau plane das Unternehmen jedoch nicht. „KI ist für uns ein zusätzliches Werkzeug im Werkzeugkasten“, sagte er. Ziel sei vor allem eine höhere Automatisierung und effizientere Bearbeitung von Vorgängen. Am Unternehmenserfolg beteiligt der Versicherer erneut auch seine Mitarbeitenden: Sie erhalten für das Geschäftsjahr 2025 eine Sonderzahlung von 2.500 Euro.

Quelle: HanseMerkur

JM/NW