Konjunktur im Norden kippt: Unsicherheit und Kosten bremsen Unternehmen

Schwache Nachfrage, geopolitische Risiken und steigende Preise belasten Wirtschaft in Schleswig-Holstein und Hamburg

Hamburg/Kiel, 21. April 2026. Die wirtschaftliche Lage im Norden Deutschlands hat sich zum Jahresbeginn 2026 deutlich eingetrübt. Sowohl Industrie und Handel in Schleswig-Holstein als auch das Handwerk in Hamburg melden rückläufige Geschäftserwartungen, sinkende Umsätze und wachsende Unsicherheit. Treiber dieser Entwicklung sind neben strukturellen Problemen vor allem geopolitische Spannungen und volatile Energiepreise.


In Schleswig-Holstein ist der Konjunkturklimaindex laut Industrie- und Handelskammern spürbar gefallen – von 95,4 auf 83,9 Punkte und damit deutlich unter den langjährigen Durchschnitt. Nur noch 22 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lage als gut, während sich die pessimistischen Erwartungen weiter ausbreiten. „Gerade auch die derzeitigen geopolitischen Entwicklungen ergeben in vielen Branchen für die Unternehmerinnen und Unternehmer unkalkulierbare Risiken“, sagt Thomas Buhck, Präsident der IHK Schleswig-Holstein.


Tatsächlich berichten Unternehmen branchenübergreifend von steigenden Kosten für Energie, Personal und Vorprodukte. Besonders betroffen sind Industrie, Handel sowie Transport- und Logistikunternehmen. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage im In- und Ausland schwach – eine doppelte Belastung, die auf die Ertragslage drückt.


Die Risiken haben sich dabei klar verschoben: Mit fast 68 Prozent sehen die Betriebe wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen als größte Unsicherheitsquelle. Dahinter folgen Energie- und Rohstoffpreise, deren Bedeutung angesichts internationaler Krisen deutlich zugenommen hat. Preisvolatilität, neue Lieferengpässe und Unsicherheiten auf den globalen Energiemärkten verstärken den Druck.


Auch im Hamburger Handwerk zeigt sich ein ähnliches Bild. Der Handwerksindex ist weiter gesunken und liegt nur noch knapp über der Wachstumsschwelle. Eine übliche Frühjahrsbelebung ist ausgeblieben – erstmals seit vier Jahren. Nur noch 30 Prozent der Betriebe melden eine gute Geschäftslage, während sich fast ebenso viele in einer schlechten Situation sehen.


Besonders deutlich wird die Entwicklung bei Umsatz und Aufträgen: Mehr als die Hälfte der Betriebe berichtet von sinkenden Umsätzen, und der Anteil der Unternehmen mit rückläufigen Auftragsbeständen steigt weiter. Gleichzeitig bleibt der Kostendruck hoch, was viele Betriebe zu Preiserhöhungen zwingt.


Hinzu kommen die indirekten Folgen internationaler Konflikte – vom Krieg in der Ukraine bis zu Spannungen im Nahen Osten. Sie treiben Energiepreise, belasten Lieferketten und erhöhen die Unsicherheit in vielen Branchen. Erste Betriebe berichten bereits von steigenden Materialkosten und neuen Engpässen.


Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg, fasst die Lage so zusammen: „Das Geschäftsklima im Hamburger Handwerk ist derzeit deutlich eingetrübt. Quer durch die Gewerke belasten ausbleibende Wachstumsimpulse aus der Politik, die Fernwirkungen internationaler Krisen und insbesondere die stark gestiegenen Energie- und Kraftstoffpreise die unternehmerischen Perspektiven.“

Trotz der schwierigen Lage bleibt der Arbeitsmarkt vergleichsweise stabil. Viele Betriebe halten an ihren Beschäftigten fest – auch, weil der Fachkräftemangel langfristig bestehen bleibt. Gleichzeitig wird bei Investitionen zunehmend gebremst, was die wirtschaftliche Dynamik weiter dämpfen dürfte.


Sowohl Industrie als auch Handwerk fordern deshalb klare politische Signale. Neben verlässlichen Rahmenbedingungen geht es vor allem um Entlastungen bei Energie und Steuern. „Die Unternehmen brauchen jetzt endlich verlässliche Rahmenbedingungen und spürbare Entlastungen, um den Wirtschaftsstandort am Laufen zu halten“, so IHK-Präsident Buhck.


Der Befund ist eindeutig: Die Wirtschaft im Norden steht unter Druck – und eine schnelle Erholung ist angesichts globaler Unsicherheiten und struktureller Herausforderungen derzeit nicht in Sicht.

JM/NW