Portrait: Das Hamburger Start-up Fyksin

Kreislaufwirtschaft als Geschäftsmodell: Wie fyksin Werbeplakaten ein zweites Leben gibt

Hamburg. Die Kreislaufwirtschaft entwickelt sich zunehmend vom ökologischen Ideal zur ökonomischen Notwendigkeit. Angesichts knapper Ressourcen, steigender Entsorgungskosten und wachsender regulatorischer Anforderungen setzen immer mehr Unternehmen auf Modelle, die Abfälle vermeiden und Materialien im Umlauf halten. Ein Beispiel dafür liefert das Hamburger Start-up fyksin, das ausrangierten Riesenplakaten eine neue Funktion – und einen neuen Sinn – gibt.

Was eben noch als großformatiges Werbemittel Museen, Fassaden oder Veranstaltungsorte schmückte, findet sich bei fyksin als Tasche, Portemonnaie oder sogenannter „Duschbuddy“ wieder. Das Prinzip dahinter ist einfach, aber wirkungsvoll: Materialien, die weder klassisch recycelbar noch weiterverwendbar sind, werden in einem kreativen Upcycling-Prozess in langlebige Alltagsprodukte überführt. „Ressourcenorientierte Herstellung statt Verschwendung“ lautet das Credo von Gründerin und Geschäftsführerin Sinah Röh.


Fokus auf nicht recyclebare Materialien


Im Zentrum stehen dabei großformatige PVC- oder Verbundstoffe aus der Werbeindustrie – Materialien, die in der Regel nach kurzer Nutzungsdauer entsorgt werden. fyksin setzt bewusst hier an. „Große Poster und andere Werbeelemente, die sonst einfach im Müll landen würden, nutzen wir, um daraus ästhetische Produkte mit Sinn herzustellen“, erklärt Röh. Da jeweils unterschiedliche Ausschnitte der Plakate verarbeitet werden, ist jedes Produkt ein Unikat – ein Ansatz, den das Team augenzwinkernd als „Unikatieren“ bezeichnet. Die inzwischen entstandene Kollektion reicht von Markttaschen über Tischsets und Brillenetuis bis hin zu Tablet-Hüllen und DIY-Kits. Allen Produkten gemeinsam ist ihre robuste Materialität, ihre farbenfrohe Individualität und der Verzicht auf neu produzierte Rohstoffe.


Dienstleistungen für Unternehmen und Organisationen

Bemerkenswert ist dabei die strategische Ausrichtung des Unternehmens: fyksin versteht sich nicht primär als Anbieter für Endkundinnen und Endkunden, sondern zunehmend als Partner für Organisationen, Unternehmen und Verbände. Diese können ihre bestehenden Werbemittel durch fyksin in individualisierte Merchandise-Artikel transformieren lassen – und so ökologische Verantwortung mit Markenkommunikation verbinden.


Gerade im Kontext der Kreislaufwirtschaft gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Nachhaltigkeit nicht nur zu kommunizieren, sondern konkret umzusetzen. Upcycling-Lösungen wie die von fyksin ermöglichen es, Abfall zu vermeiden, den CO₂-Fußabdruck zu reduzieren und gleichzeitig glaubwürdige Nachhaltigkeitsimpulse zu setzen.


Produktion in Deutschland, kurze Wege

Gegründet wurde fyksin im Jahr 2022 mit dem Anspruch, Verantwortung für Umwelt und Ressourcen zu übernehmen und andere zum Umdenken zu bewegen. Produziert wird überwiegend in Deutschland, mit Fokus auf handwerkliche Qualität und kurze Lieferketten. Durch die Wiederverwendung vorhandener Materialien können Abfallmengen reduziert und Emissionen eingespart werden.


Der Firmensitz befindet sich im sogenannten „Fuchsbau“ in Hamburg-Volksdorf – einem denkmalgeschützten ehemaligen Bahnhof der U-Bahn-Linie U1. Hier vereinen sich Büro, Werkstatt und Shop. Nach der Abhängung werden die Plakate gereinigt, teilweise direkt in der Bahnhofshalle ausgebreitet, zugeschnitten und anschließend an professionellen Maschinen zu neuen Produkten verarbeitet.                           


Kreislaufwirtschaft mit kulturellem Anspruch

Neben dem ökologischen Effekt versteht fyksin seine Arbeit auch als kulturellen Beitrag gegen Überkonsum. „Unsere Produkte überzeugen ökologisch, ethisch und ästhetisch – und setzen bewusste Akzente gegen Wegwerfmentalität“, so das Team. Der Onlineshop wird ergänzt durch einen monatlichen Öffnungstag vor Ort, der regelmäßig mit kleinen Events und Kooperationen mit anderen Start-ups oder Künstlerinnen und Künstlern verbunden ist.


Gründerin mit fachlichem Fundament

Hinter fyksin steht die Modedesignerin Sinah Röh. Nach ihrer Ausbildung zur Maßschneiderin, einem Studium an der JAK sowie Stationen in der Bekleidungstechnik gründete sie das Unternehmen, um ihre gestalterische Expertise mit klaren ethischen Maßstäben zu verbinden. Langfristig möchte sie fyksin als nachhaltiges Unternehmen etablieren und weiter ausbauen.


Das Beispiel fyksin zeigt, wie Kreislaufwirtschaft konkret funktionieren kann: nicht als abstraktes Nachhaltigkeitsversprechen, sondern als skalierbares Geschäftsmodell, das ökologische Verantwortung und wirtschaftlichen Mehrwert miteinander verbindet.

Quelle: fyksin

JM/NW

Zu finden sind die Artikel auf www.fyksin.de. Der Shop in Volksdorf öffnet jeden 1. Freitag im Monat ganztägig und lädt abends zu einem kleinen Event ein, oft in Kooperation mit anderen Start-ups oder Künstler*innen.