Mehr als 100 Jahre Hafengeschichte gesichert:

GHB übergibt Archiv an Hanseatisches Wirtschaftsarchiv

Dokumente aus 120 Jahren Hafenarbeit zeichnen den Wandel des Hamburger Hafens nach – von den Anfängen der Arbeiterorganisation bis zur modernen Hafenlogistik.

Hamburg. Ein bedeutendes Stück Hamburger Wirtschafts- und Sozialgeschichte bleibt für die Zukunft erhalten: Die Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft mbH (GHB) hat ihr historisches Archiv an die Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv übergeben. Die feierliche Übergabe erfolgte durch GHB-Geschäftsführer Martin Pieper an Kathrin Enzel, Geschäftsführerin der Stiftung.

Das Archiv dokumentiert die Entwicklung des Hamburger Hafens über mehr als ein Jahrhundert und spiegelt zugleich die Geschichte der Menschen wider, die den Hafen geprägt haben. Zu den ältesten Unterlagen zählt der Jahresbericht aus dem Gründungsjahr 1906. Damals entstand mit dem Hafenbetriebsverein die Vorgängerorganisation des heutigen GHB, um die Arbeitsbedingungen der Hafenarbeiter zu verbessern und den steigenden Personalbedarf der Hafenwirtschaft zu organisieren.


Die Bestände zeichnen zentrale Kapitel der Hafen- und Wirtschaftsgeschichte nach. Sie dokumentieren die Neuordnung der Hafenarbeit während der NS-Zeit, den Einsatz von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen sowie den Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem Gesamthafenbetriebs-Gesetz von 1950 erhielt der GHB eine neue rechtliche Grundlage und wurde 1951 in Hamburg neu gegründet. Ziel war es, sichere Beschäftigung für Hafenarbeiter zu schaffen und zugleich flexibel auf den Personalbedarf der Hafenunternehmen zu reagieren.


Auch die tiefgreifenden Veränderungen des Hafens finden sich in den Unterlagen wieder – von der Containerisierung über wirtschaftliche Krisen bis hin zur Digitalisierung. Heute bildet der GHB Hafenarbeiterinnen und Hafenarbeiter für die Anforderungen moderner Hafenlogistik aus.


„Das Archiv des GHB ist nicht nur eine Sammlung von Dokumenten – es ist ein Stück lebendige Hafengeschichte“, sagt Rolf Steil, Vorstandsvorsitzender des GHB. „Es zeigt, wie eng wirtschaftliche Entwicklung, soziale Verantwortung und die Menschen, die im Hafen arbeiten, miteinander verbunden sind. Dass diese Geschichte nun im Hanseatischen Wirtschaftsarchiv bewahrt wird, ist für uns ein wichtiger Schritt, um unser gemeinsames Erbe sichtbar zu machen.“


Mit der Übernahme des Bestands will die Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv die Dokumente langfristig sichern und der Forschung zugänglich machen. Die Unterlagen gelten als wichtige Quelle sowohl für die Geschichte der Hafenwirtschaft als auch für die Arbeits- und Sozialgeschichte des Hamburger Hafens.


Auch der Betriebsrat begrüßt die Übergabe. „Unsere Geschichte ist die Geschichte der Hafenarbeiterinnen und Hafenarbeiter dieser Stadt“, betont Betriebsratsvorsitzender Maik Pulter. „Sie erzählt von harter Arbeit, Solidarität und Wandel – und davon, dass soziale Sicherheit und Mitbestimmung im Hafen nicht selbstverständlich waren, sondern erkämpft werden mussten. Dieses Archiv hält diese Erfahrungen lebendig.“


Mit der Archivübergabe wird ein bedeutender Teil der Hamburger Hafengeschichte dauerhaft bewahrt – und zugleich ein einzigartiger Einblick in die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung eines der wichtigsten Hafenstandorte Europas gesichert.

Quelle: GHB

JM/NW

25.06.206