Mehr als Medaillen: Wie der Sport Hamburgs Wirtschaft antreibt

Eine neue HWWI-Studie zeigt die ökonomische Kraft des Sports – und warum die Debatte um eine Olympiabewerbung für 2036, 2040 oder 2044 neue Relevanz bekommt

Hamburg, 3. Februar 2026. Hamburg ist Hafenstadt, Medienmetropole, Musical-Hochburg – und längst auch eine Sportstadt mit erheblicher wirtschaftlicher Strahlkraft. Wie groß diese tatsächlich ist, beziffert nun eine neue Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). Ihr Ergebnis: Rund 15.000 Arbeitsplätze hängen in der Hansestadt direkt oder indirekt am Sport, die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung beträgt 5,3 Milliarden Euro. Zahlen, die dem Thema Sport neues politisches und gesellschaftliches Gewicht verleihen – auch mit Blick auf die erneute Olympiadebatte.

Schon bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 setzte Hamburg auf das Versprechen nachhaltiger Stadtentwicklung, moderner Infrastruktur und internationaler Sichtbarkeit. Der Volksentscheid im Mai 2015 stoppte das Projekt. Heute, gut ein Jahrzehnt später, rücken ähnliche Fragen erneut in den Fokus – allerdings auf einer deutlich erweiterten Faktenbasis. Im Rahmen einer möglichen deutschen Olympia-Kandidatur bewirbt sich Hamburg um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Das Konzept „Hamburg+“ setzt dabei auf Nachhaltigkeit, die konsequente Nutzung vorhandener Sportstätten und eine enge Kooperation mit Kiel, das die Segelwettbewerbe ausrichten soll. Über diesen Kurs sollen die Hamburgerinnen und Hamburger am 31. Mai 2026 in einer Bürgerbefragung entscheiden.


Die neue HWWI-Studie liefert der Debatte nun handfeste ökonomische Argumente. Denn der Sport wirkt in Hamburg weit über Stadien und Vereinsheime hinaus. Jeder im Sportsektor erwirtschaftete Euro löst zusätzliche wirtschaftliche Aktivität aus und führt insgesamt zu 2,4 Euro zusätzlicher Wertschöpfung in der Stadt – etwa durch Veranstaltungsdienstleistungen, Medienproduktionen oder touristische Ausgaben. Auch der Beschäftigungseffekt ist erheblich: Jeder Arbeitsplatz im engeren Sportsektor sichert im Durchschnitt 2,3 weitere Stellen entlang der Wertschöpfungskette, unter anderem in Eventorganisation, Tourismus, Einzelhandel oder im Gesundheitsbereich.

Hamburg profitiert dabei von einer außergewöhnlich dichten und vielfältigen Sportlandschaft. Internationale Top-Events wie der Haspa Marathon, die Cyclassics, das ATP-Turnier am Rothenbaum, Triathlon-Weltcups oder große Segel- und Wassersportveranstaltungen prägen den Kalender ebenso wie eine lebendige Vereins- und Breitensportkultur in den Quartieren. Der Sport ist sichtbar im Stadtbild – und fest verankert im urbanen Selbstverständnis der Metropole.


„Der Sport stärkt Hamburg wirtschaftlich, gesellschaftlich und international“, sagt Prof. Norbert Aust, Präses der Handelskammer Hamburg. Die Studie zeige deutlich, dass Sport ein Zukunftsfeld sei, in das sich zu investieren lohne. „Wir sollten Sport viel stärker als Motor der Stadtentwicklung verstehen – mit moderner Infrastruktur, klarer Unterstützung für Sportveranstaltungen und einer aktiven Haltung zu internationalen Formaten.“ Vor diesem Hintergrund könne auch eine Olympiabewerbung ein kraftvoller Impuls sein: ein Projekt, das Investitionen beschleunige, Innovationen sichtbar mache und den gesamten Norden stärke.


Auch Sportsenator Andy Grote knüpft an diese Perspektive an. „Wer noch einen Nachweis dafür braucht, wie Hamburg von Olympia profitieren kann, sollte diese Studie lesen“, sagt er. Der Sport stärke nicht nur Zusammenhalt und Lebensqualität, sondern auch Wohlstand und Wirtschaftswachstum. „Jeder Euro für den Sport bringt Hamburg ein Vielfaches an Mehrwert. Da kann sich jeder selbst ausrechnen, welche Chance und Kraft erst in Olympia steckt.“


Neben den ökonomischen Effekten betont die Studie auch die gesellschaftliche Dimension des Sports. Er erhöht die Lebensqualität, fördert Gesundheitsprävention und steigert die Attraktivität Hamburgs für Fach- und Nachwuchskräfte. Für Katharina von Kodolitsch, Präsidentin des Hamburger Sportbundes, sind insbesondere die Vereine ein zentraler Pfeiler: Sie schafften niedrigschwellige Bewegungsangebote, stärkten Integration und sozialen Zusammenhalt und prägten das Stadtleben in den Quartieren. Voraussetzung dafür seien jedoch verlässliche Investitionen in die Sportinfrastruktur sowie langfristige finanzielle und planerische Sicherheit.


Die Ergebnisse der HWWI-Studie liefern damit mehr als eine Momentaufnahme. Sie zeigen, dass der Sport in Hamburg längst ein relevanter Wirtschaftsfaktor ist – und dass die Frage nach Olympischen Spielen heute differenzierter gestellt wird als noch 2015. Mit Blick auf die Bürgerbefragung im Mai 2026 wird deutlich: Es geht weniger um ein einzelnes Sportereignis als um die strategische Rolle des Sports für Hamburgs Stadtentwicklung, Wirtschaft und internationale Positionierung.

Quelle: HK24

JM/NW