Mittelstand tritt auf der Stelle – Investitionen auf Tiefstand
Creditreform-Umfrage zeigt anhaltenden Kostendruck, sinkende Beschäftigung und schwache Eigenkapitalbasis. Nur noch gut ein Drittel der Unternehmen plant Investitionen.
Hamburg, 12.10.2026. Der erhoffte Aufschwung lässt auf sich warten: Deutschlands kleine und mittlere Unternehmen kämpfen weiterhin mit einer angespannten Geschäftslage. Hohe Energie- und Rohstoffkosten, die Folgen der langen Rezessionsphase und eine schwache Nachfrage bremsen die wirtschaftliche Entwicklung. Zwar blicken die Unternehmen wieder etwas zuversichtlicher nach vorn, doch die aktuelle Lage bleibt vielfach schwierig. Das zeigt die Herbstumfrage der Creditreform Wirtschaftsforschung unter rund 1.200 mittelständischen Unternehmen.
Der Creditreform-Geschäftsklimaindex (CGK) verbesserte sich lediglich leicht von plus 0,1 auf plus 1,1 Punkte. „Deutschland lebt derzeit von der Hoffnung. In der Realität der allermeisten Unternehmen aber sind die Belastungen weiterhin zu hoch und die Insolvenzzahlen steigen“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.
Aufträge bleiben aus
Von einer breiten Erholung ist der Mittelstand noch weit entfernt. Nur 20,2 Prozent der befragten Unternehmen verzeichneten steigende Auftragseingänge, nach 21,5 Prozent im Vorjahr. Rückläufige Aufträge meldeten 26,4 Prozent, gegenüber 27,6 Prozent im Vorjahreszeitraum. Während sich die Auftragslage im Verarbeitenden Gewerbe verbesserte, verschärfte sie sich im Baugewerbe deutlich.
Für die kommenden sechs Monate erwarten die Unternehmen eine bessere Auftrags- und Umsatzentwicklung. Besonders ausgeprägt ist der Optimismus im Verarbeitenden Gewerbe. Doch die Zuversicht bleibt angesichts hoher Energiepreise und schwacher privater Nachfrage begrenzt. Zwar dürfte die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr insgesamt wieder leicht wachsen, betont Hantzsch, doch bis zur früheren Stärke sei es noch ein langer Weg.
Zugleich mahnt er die Bundesregierung, ihre wirtschaftspolitischen Reformen nicht scheitern zu lassen. Schuldenfinanzierte Sondervermögen und höhere Rüstungsausgaben allein reichten nicht aus, um Deutschland langfristig wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Notwendig seien vor allem wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie und ein besserer Schutz der heimischen Wirtschaft vor unfairem Wettbewerb.
Investitionen auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren
Besonders deutlich zeigt sich die Unsicherheit bei den Investitionen. Nur noch 37,3 Prozent der befragten Mittelständler planen derzeit ein Investitionsvorhaben – so wenige wie in den vergangenen 20 Jahren nicht. Im Vorjahr waren es noch 43,5 Prozent, 2021 lag der Anteil bei mehr als 50 Prozent.
Hantzsch sieht die Gründe in gestiegenen Zinsen, der anhaltenden Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung und den begrenzten finanziellen Spielräumen vieler Unternehmen nach den Krisenjahren. Gleichzeitig sind die Finanzierungskosten gestiegen. Die Zurückhaltung könnte damit auch die Erholung der Wirtschaft bremsen.
Seit drei Jahren kein Beschäftigungszuwachs
Auch am Arbeitsmarkt hinterlässt die schwache Konjunktur Spuren. Im Mittelstand wurden bereits seit drei Jahren per saldo keine zusätzlichen Stellen geschaffen. Zuletzt meldeten 14,5 Prozent der Unternehmen einen Beschäftigungszuwachs, während 18,6 Prozent ihre Belegschaft verkleinerten. Lediglich im Dienstleistungssektor blieb die Beschäftigung insgesamt stabil.
Der Fachkräftemangel allein erklärt diese Entwicklung nicht. Neben fehlendem Ersatz für ausscheidende Beschäftigte seien vor allem Umstrukturierungen und eine schwache Auftragslage für den Stellenabbau verantwortlich, erläutert Hantzsch. Langfristig könne daraus auch ein gesellschaftspolitisches Problem entstehen.
Schwaches Eigenkapital erhöht das Risiko
Finanziell bleibt der Mittelstand ebenfalls unter Druck. Ein Drittel der Unternehmen (33,0 Prozent) weist eine Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent auf. Im Vorjahr lag der Anteil mit 33,2 Prozent auf dem höchsten Stand seit fast 20 Jahren. Zugleich ist die Zahl der Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent gesunken: Nur noch 33,0 Prozent erreichen diesen Wert, nach 35,7 Prozent im Vorjahr.
Die gestiegenen Kosten und die entsprechend geringen Erträge erschwerten es den Unternehmen, Eigenkapital aufzubauen, sagt Hantzsch. Die schwache Eigenkapitalausstattung sei auch ein Grund für die steigenden Insolvenzzahlen.
Selbstständige sorgen überwiegend privat fürs Alter vor
Uneinheitlich fällt das Meinungsbild zur geplanten Altersvorsorgepflicht für Selbstständige aus. Die Bundesregierung will diese künftig ebenfalls in die gesetzliche Altersvorsorge einbeziehen. Die befragten mittelständischen Unternehmer bewerten die Pläne grundsätzlich positiv, sprechen sich jedoch dafür aus, eine Versicherungspflicht vor allem auf jene zu begrenzen, die noch keine geeignete Altersvorsorge aufgebaut haben.
31,8 Prozent lehnen eine Versicherungspflicht grundsätzlich ab. Unter jüngeren Selbstständigen liegt die Ablehnung sogar bei 46,4 Prozent. Zugleich zeigt die Umfrage, dass fast alle mittelständischen Unternehmer bereits fürs Alter vorsorgen. Besonders verbreitet sind private Lösungen wie Lebensversicherungen und Fonds, gefolgt vom Immobilienerwerb. Mehr als jeder Dritte zahlt darüber hinaus bereits in die gesetzliche Rentenversicherung ein.
Quelle: Creditreform
JM/NW
