Bildung und Wirtschaft gehören zusammen – doch beim Übergang in den Beruf hakt es
Jugendstudie von NORDMETALL zeigt deutliche Mismatches zwischen Erwartungen der Generation Z und dem Fachkräftebedarf der Industrie
Hamburg, 2. Februar 2026 – Bildung ist der Schlüssel zur wirtschaftlichen Zukunft. Doch wie gut gelingt der Übergang von der Schule in den Beruf tatsächlich? Die NORDMETALL-Jugendstudien 2022 bis 2024 zeigen: Zwischen den Vorstellungen junger Menschen und den Anforderungen der Industrie klaffen weiterhin erhebliche Lücken. Die repräsentative Untersuchung identifiziert drei zentrale Handlungsfelder – und macht zugleich Mut.
Für die Studien hat der Arbeitgeberverband NORDMETALL gemeinsam mit der NORDAKADEMIE und ihrer Stiftung sowie dem ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. – mehr als 2.700 Abiturientinnen und Abiturienten sowie rund 200 Geschäftsführungen und Personalleitungen aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern befragt. Die Ergebnisse verdeutlichen ein kritisches Ungleichgewicht zwischen den Erwartungen der Generation Z und dem dringenden Bedarf der Industrie an qualifiziertem Nachwuchs.

Frühe Förderung zählt: Obwohl MINT-Kompetenzen stark gefragt sind, entwickelt bislang nur ein sehr kleiner Teil der Mädchen ein nachhaltiges Interesse an Mathematik, Informatik und Technik.
Foto: KI erzeugt
1. Industriegehälter werden deutlich unterschätzt – Interesse an technischen Berufen gering
Ein zentrales Ergebnis der Studien: Jugendliche unterschätzen die Verdienstmöglichkeiten in der Industrie massiv. Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger nach einer Ausbildung oder einem Bachelorstudium schätzen ihr späteres Gehalt um rund 800 bis 1.100 Euro beziehungsweise 900 bis 1.000 Euro pro Monat zu niedrig ein.
Gleichzeitig zeigt sich ein klares Ungleichgewicht bei den Berufswünschen. Gewerblich-technische Tätigkeiten wie Montage, Instandhaltung oder Maschinensteuerung stoßen bei Abiturientinnen und Abiturienten kaum auf Interesse. Deutlich bevorzugt werden hingegen Karrierewege im Projektmanagement, in Forschung und Entwicklung sowie im Verkauf und Marketing.
2. Die MINT-Lücke – besonders gravierend bei Mädchen
Obwohl der Bedarf an MINT-Kompetenzen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) in der Industrie hoch ist, bezeichnen sich lediglich 9,0 Prozent der befragten Jugendlichen als sogenannte MINT-Fans, also mit Mathematik und Physik oder Informatik als Lieblingsfach.
Besonders deutlich ist der Geschlechterunterschied: Jungen zählen dreimal häufiger zu den MINT-Fans als Mädchen. Konkret heißt das: Nur jedes 50. Mädchen gibt beispielsweise Informatik als Lieblingsfach an. Zudem beschäftigen sich 53 Prozent der Mädchen und 17 Prozent der Jungen nicht mit Computern oder Computertechnologie – ein ernstes Risiko für die Fachkräftesicherung in zunehmend technologiegetriebenen Berufsfeldern. Der Verband mahnt daher eine frühzeitige und kontinuierliche Förderung entlang der gesamten Bildungskette an – von der frühkindlichen Bildung über Schule bis Hochschule –, um Neugier und Interesse für MINT nachhaltig zu stärken.
3. Unterschiedliche Maßstäbe bei Berufsorientierung und Bewerbung
Auch bei der Bewertung der schulischen Berufsorientierung gehen die Einschätzungen auseinander. Während Jugendliche diese mit der Durchschnittsnote 2,6 bewerten, vergeben die Betriebe lediglich die Note 3,2. Die Studien zeigen zudem, dass Unternehmen bei Bewerbungen andere Kriterien priorisieren, als viele Jugendliche annehmen. Besonders wichtig sind Noten in speziellen Fächern – allen voran Mathematik –, IT-Kenntnisse sowie erfolgreich absolvierte Praktika. Der allgemeine Notendurchschnitt des Zeugnisses rangiert dagegen erst an sechster Stelle.
Thomas Küll, Mitglied der Geschäftsleitung von NORDMETALL, betont die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes: „Berufsorientierung ist wichtig, weil sie jungen Menschen praktische Perspektiven eröffnet und weil sie Schule und Wirtschaft miteinander verbindet. Aber auch alle vor- und nachgelagerten Bildungsphasen sind essenzielle Bausteine für beruflichen Erfolg. Daher denken wir Bildung und Berufsbildung gemeinsam mit unserer NORDMETALL-Stiftung ganzheitlich.“
Früh begeistern, gezielt fördern
Auch Prof. Dr. oec. Stefan Wiedmann, Präsident und Vorstand der NORDAKADEMIE Hochschule der Wirtschaft sowie Vorstand der NORDAKADEMIE-Stiftung, sieht insbesondere im MINT-Bereich dringenden Handlungsbedarf: „Deutschlands Zukunft hängt davon ab, junge Menschen früh für MINT zu begeistern – denn hier ist der Fachkräftemangel am größten. Die NORDMETALL-Jugendstudien zeigen, was Jugendliche motiviert, und helfen uns, ihre Talente gezielt zu fördern. Die NORDAKADEMIE und ihre Stiftung schaffen so Perspektiven für ein Studium, das hochgradig relevant ist, begeistert und Zukunft gestaltet.“
Prof. Dr.-Ing. habil. Sascha Stowasser, Direktor des ifaa, fasst die Ergebnisse pointiert zusammen: „Wenn wir heute nicht in die berufliche Orientierung und Ausbildung junger Menschen investieren, wird uns morgen die Fachkräftelücke mit voller Wucht treffen. Gerade die Metall- und Elektroindustrie muss jetzt zeigen, wie spannend, sinnstiftend und zukunftssicher ihre Berufe sind. Der frühe direkte Kontakt zwischen Unternehmen und Jugendlichen, etwa im Rahmen von Schulkooperationen, ist dabei ein zentraler Schlüssel.“
Was Unternehmen tun können
Aus Sicht von NORDMETALL gilt es, die Bedürfnisse der Jugendlichen stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Thomas Küll zieht ein klares Fazit: „Es ist wichtig, die Jugendlichen bei ihren Bedürfnissen abzuholen. Dazu gehört der Wunsch nach Spaß an der Arbeit, einem sicheren Arbeitsplatz und Aufstiegsmöglichkeiten – Werte, die wir insbesondere in der M+E-Industrie bereits leben.“
Positives Signal: Generation Z zeigt hohe Leistungsbereitschaft
Entgegen häufig diskutierter Klischees zeichnen die Studien ein positives Bild der Generation Z. Die Jugendlichen zeigen eine hohe Arbeitsbereitschaft und blicken überwiegend optimistisch in ihre Zukunft: Vollzeit und Flexibilität: Zwei Drittel streben eine Vollzeitbeschäftigung an. Ein Viertel wünscht sich die Möglichkeit, je nach Lebensphase zwischen Voll- und Teilzeit zu wechseln.
Führung und Überstunden: 56 Prozent sind grundsätzlich bereit, situativ Überstunden zu leisten. Knapp die Hälfte kann sich zudem vorstellen, später eine Führungsrolle zu übernehmen.
Zukunftszuversicht: 87 Prozent der Jugendlichen blicken optimistisch in ihre persönliche Zukunft.
Die Broschüre „Berufsperspektiven der Generation Z“ (2022–2024) liefert Unternehmen damit nicht nur eine fundierte Datengrundlage, sondern auch konkrete Hinweise, wie der frühzeitige und direkte Quelle: NORDMETALL
