Deutsche Exporte trotzen den Krisen – Unternehmen bleiben erstaunlich optimistisch

Trotz Nahostkonflikt, Handelskrieg und wachsender Risiken erwarten 83 Prozent der deutschen Firmen steigende Auslandsumsätze – doch die Unsicherheit nimmt zu

Hamburg, 9. April 2026 Trotz Nahostkonflikt, anhaltendem Handelskrieg und wachsender Unsicherheiten bleiben deutsche Unternehmen überraschend optimistisch. Laut der aktuellen „Allianz Trade Global Survey 2026“ rechnen 83 Prozent der deutschen Exporteure mit steigenden Exportumsätzen. Weltweit liegt dieser Anteil mit 75 Prozent deutlich darunter. Für die Studie des Kreditversicherers Allianz Trade wurden im Februar und März 2026 rund 6.000 Unternehmen in 13 *) Märkten befragt. Das Ergebnis: Die globale Exportwirtschaft zeigt sich widerstandsfähiger als erwartet – auch wenn der Optimismus brüchig bleibt.

Zwar hat der Nahostkonflikt die Erwartungen gedämpft, doch der Effekt fällt vergleichsweise moderat aus. Weltweit sank die Zuversicht um sechs Prozentpunkte, in Deutschland sogar nur um einen Punkt. Damit bleibt der Einbruch deutlich hinter dem Zollschock des Jahres 2025 zurück, als die Erwartungen massiv einbrachen.


Gleichzeitig verschiebt sich die Risikowahrnehmung. Für 65 Prozent der Unternehmen sind geopolitische Spannungen inzwischen die größte Bedrohung – noch vor Lieferkettenproblemen. Versorgungsrisiken wie Engpässe und Lieferausfälle folgen mit 57 Prozent auf Platz zwei.


Zahlungsrisiken nehmen deutlich zu


Mit den Konflikten verschärfen sich auch die Finanzierungsbedingungen im internationalen Handel. Zahlungsziele verlängern sich spürbar: Der Anteil der Unternehmen, die innerhalb von 30 Tagen bezahlt werden, ist seit Beginn des Nahostkonflikts von 10 auf 7 Prozent gesunken. Gleichzeitig müssen inzwischen 24 Prozent länger als 70 Tage auf ihr Geld warten – zuvor waren es 15 Prozent.


Entsprechend wächst die Sorge vor Zahlungsausfällen. Weltweit erwarten 40 Prozent der Unternehmen steigende Risiken, 43 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der Zahlungsbedingungen. Auch deutsche Exporteure sehen diese Entwicklung kritisch: 47 Prozent gehen von einer schlechteren Zahlungsmoral aus, 40 Prozent erwarten mehr Ausfälle.


Deutschland: robust – aber skeptisch beim Handelskrieg
Während deutsche Unternehmen beim Exportwachstum optimistischer sind als viele internationale Wettbewerber, zeigen sie sich beim US-Handelskonflikt deutlich pessimistischer. Rund die Hälfte rechnet auch 2026 mit negativen Folgen – mehr als in anderen europäischen Ländern.


Die Reaktion darauf ist vor allem Anpassung statt Rückzug. Seit Beginn des Handelskriegs haben 80 Prozent der deutschen Unternehmen ihre Lieferketten**) und Handelsrouten verändert. Fast jedes zweite Unternehmen erwartet dennoch weiterhin negative Auswirkungen.


Diese Mischung aus Anpassungsfähigkeit und Vorsicht spiegelt sich auch in den Strategien wider: Viele Firmen setzen auf „Friendshoring“, also stärkere Aktivitäten in politisch befreundeten Ländern, investieren in neue Produkte und bauen lokale Partnerschaften aus. Gleichzeitig werden Investitionspläne im Ausland häufiger überdacht oder verschoben.

Die vollständige Exportumfrage Allianz Trade Global Survey finden Sie beigefügt sowie hier:

https://www.allianz-trade.de/content/dam/onemarketing/aztrade/allianz-trade_de/dokumente/2026-04-08-allianz-trade-global-trade-survey-2026.pdf

 

Die aktuelle Studie zu Zahlungs-, Länder- und Branchenrisiken im Zuge des Nahost-Konflikts finden Sie beigefügt und hier:

https://www.allianz-trade.com/content/dam/onemarketing/aztrade/allianz-trade_com/en_gl/erd/publications/pdf/2026_04_07_CRC_SRC_AZT.pdf

 

Den aktuellen Wirtschaftsausblick „Economic Outlook“ unter Einfluss des Nahost-Konflikts „The fog of war“ finden Sie beigefügt und hier:

https://www.allianz-trade.com/content/dam/onemarketing/aztrade/allianz-trade_com/en_gl/erd/publications/pdf/2026-03-31-economic-outlook-AZT.pdf

 

Die Präsentation „Wirtschaftliche Auswirkungen des Nahostkonflikts“ (ENG, pdf) finden Sie hier:

https://www.allianz-trade.com/content/dam/onemarketing/aztrade/allianz-trade_com/en_gl/erd/publications/pdf/Global-Economic-Outlook-Q1-2026.pdf


Unsicherheit wird zum Dauerzustand
Für viele Unternehmen ist die aktuelle Lage kein Ausnahmezustand mehr, sondern neue Realität. Mehrere Krisen in Folge – von Pandemie bis Handelskrieg – haben die Widerstandsfähigkeit gestärkt. Statt hektischer Maßnahmen dominiert derzeit eine abwartende Haltung.

Gleichzeitig treiben Unternehmen weltweit ihre Risikostrategien voran. Dazu zählen vor allem höhere Lagerbestände, die Diversifizierung von Märkten und Lieferanten sowie die Umleitung von Handelsströmen über alternative Routen.


Europa und Asien im Fokus
Die geopolitischen Spannungen verändern auch die globalen Wachstumsziele. Die USA verlieren als Exportmarkt an Attraktivität – nur noch rund 13 Prozent der Unternehmen sehen dort Wachstumspotenzial.


Stattdessen rücken Europa und Asien stärker in den Fokus. Neue Freihandelsabkommen, etwa zwischen der EU und Indien oder den MERCOSUR-Staaten, schaffen zusätzliche Chancen. 93 Prozent der weltweit befragten Unternehmen planen, diese Möglichkeiten zu nutzen.

Doch auch hier bleiben Hürden: Nichttarifäre Handelshemmnisse wie komplexe Zulassungsverfahren bremsen vielerorts die Expansion.


Die deutschen Exporteure zeigen sich in einem zunehmend fragilen globalen Umfeld erstaunlich robust. Doch hinter dem Optimismus wächst der Druck: steigende Risiken, längere Zahlungsziele und geopolitische Unsicherheiten. Die Fähigkeit zur Anpassung wird damit mehr denn je zum entscheidenden Erfolgsfaktor im internationalen Geschäft.




*)   Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Polen, Singapur, 
      Spanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, die USA und Vietnam

**)  Lange Lieferketten sind hier definiert als mehr als 50 Prozent der Produktion im Ausland.


Quelle: Allianz Trade

Bearbeitet: JM/NW