Niedersachsens Seehäfen wachsen trotz schwieriger Märkte

Container und Stückgut treiben den Umschlag – Wilhelmshaven besonders stark


Oldenburg, 17. August 2026. Die niedersächsische Hafenwirtschaft hat das erste Halbjahr 2026 mit einem deutlichen Umschlagsplus abgeschlossen. In den neun Seehäfen des Landes wurden von Januar bis Juni insgesamt 31,1 Millionen Tonnen Güter seeseitig umgeschlagen – 7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders dynamisch entwickelte sich der Container- und Stückgutverkehr, während der Massengüterumschlag leicht zurückging.


Der wichtigste Wachstumstreiber ist der Containerverkehr: Mit 898.211 TEU wurde das Ergebnis des ersten Halbjahres 2025 um 36 Prozent übertroffen. Insgesamt kamen die niedersächsischen Häfen auf mehr als zwölf Millionen Tonnen Stückgüter – darunter Container, Windenergiekomponenten, Eisen und Stahl, Forstprodukte sowie rollende Ladung. Das entspricht einem Plus von 25 Prozent. Damit macht dieser Bereich inzwischen rund ein Drittel des gesamten Hafenumschlags aus.

Demgegenüber wurden rund 19,1 Millionen Tonnen Massengüter umgeschlagen, knapp zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umschlag von Neufahrzeugen blieb mit 842.411 Einheiten weitgehend stabil. „Insgesamt können wir zur Jahresmitte ein positives Fazit zur Entwicklung des Ladungsaufkommens in den niedersächsischen Seehäfen ziehen“, sagt Inke Onnen-Lübben, Geschäftsführerin der Seaports of Niedersachsen GmbH. Die Entwicklung zeige auch eine hohe Kundenzufriedenheit. Gleichzeitig bleibe die Marktlage schwierig. Zollbeschränkungen, veränderte Warenströme infolge hoher Energiekosten und zunehmende Regulierung belasteten Teile des Geschäfts. Hinzu komme die geopolitische Lage.


Wilhelmshaven als Wachstumsmotor


Besonders stark entwickelte sich der größte niedersächsische Hafen in Wilhelmshaven. Dort stieg der Umschlag um 14 Prozent auf rund 20,6 Millionen Tonnen. Der Containerumschlag legte sogar um 36 Prozent auf mehr als 898.000 TEU zu. Auch der Automobilumschlag konnte weiter ausgebaut werden. Rückgänge bei Rohöl und Mineralölprodukten wurden durch höhere Importe von Kohle und Baustoffen mehr als ausgeglichen.


Auch andere Standorte verzeichneten zum Teil deutliche Zuwächse. In Stade stieg der Seegüterumschlag um 24 Prozent auf rund 3,2 Millionen Tonnen. Ausschlaggebend waren unter anderem eine höhere Nachfrage der ansässigen Industrie sowie mehr Stückgut und Projektladung. Papenburg kam auf 335.000 Tonnen im Seeverkehr und damit auf ein Plus von drei Prozent. Auch die Binnenschiffsverkehre legten dort zu. In Leer stieg der kombinierte See- und Binnenschiffsumschlag um 15 Prozent auf rund 107.000 Tonnen.


An anderen Standorten fiel die Entwicklung dagegen schwächer aus. Brake verzeichnete mit 2,45 Millionen Tonnen einen Rückgang von zwölf Prozent, Cuxhaven kam mit 1,3 Millionen Tonnen auf ein Minus von 32 Prozent. In Cuxhaven ist der starke Rückgang allerdings vor allem auf einen Sondereffekt zurückzuführen: Baumaßnahmen hatten dort im Vorjahr vorübergehend zu einem außergewöhnlich hohen Baustoffumschlag geführt. In Emden ging der Umschlag um knapp fünf Prozent auf rund 2,3 Millionen Tonnen zurück, in Nordenham um elf Prozent auf etwa 900.000 Tonnen.


Der Hafen Oldenburg bleibt wegen des Neubaus der Eisenbahnbrücke in Elsfleth weiterhin für Seeschiffe nicht erreichbar. Der Binnenschiffsumschlag stieg dort dennoch leicht. Insgesamt zeigt sich damit ein uneinheitliches Bild bei den einzelnen Standorten – auf Landesebene überwiegt jedoch klar die positive Entwicklung.


Auffällig ist vor allem die Verschiebung innerhalb des Gütermixes: Container, Windenergiekomponenten und andere Stückgüter gewinnen an Bedeutung, während klassische Massengüter unter dem Druck veränderter Märkte stehen. Für Niedersachsens Hafenwirtschaft ist das ein Zeichen für eine zunehmende Diversifizierung – zugleich aber auch ein Hinweis darauf, wie stark globale Handelsströme, Energiepreise, Zölle und geopolitische Entwicklungen inzwischen auf die regionalen Hafenstandorte durchschlagen.

Quelle: Seaports of Niedersachsen GmbH

JM/NW