Norddeutsche Industrie auf Distanz zu den USA
Umfrage von NORDMETALL und AGV NORD zeigt wachsende Kritik an der US-Handelspolitik – viele Betriebe reagieren mit Diversifizierung von Märkten, Lieferketten und digitaler Infrastruktur.
Hamburg, 13. Februar 2026. Die US-Handelspolitik stößt in der norddeutschen Industrie auf massive Kritik. 86 Prozent der Unternehmen bewerten das wiederkehrende Muster angedrohter oder verhängter Zölle als „eher schlecht“ oder „schlecht, schädlich“. Vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei 42 Prozent.
Im Falle eines offenen Handelskonflikts rechnen 27 Prozent der Betriebe mit sinkenden Exporten in die Vereinigten Staaten. Die betroffenen Unternehmen fürchten im Schnitt um rund 30 Prozent ihres US-Geschäfts. Entsprechend reagieren viele Firmen bereits: 28 Prozent wollen ihre Abhängigkeit von US-Anbietern bei digitaler Infrastruktur reduzieren, 24 Prozent richten ihre Exportaktivitäten stärker auf andere Märkte aus, 17 Prozent bemühen sich um unabhängigere Lieferketten.
Das sind Ergebnisse einer Blitzumfrage der Arbeitgeberverbände NORDMETALL und AGV NORD unter rund 700 Mitgliedsunternehmen mit mehr als 180.000 Beschäftigten in Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und dem nordwestlichen Niedersachsen. 147 Betriebe mit zusammen rund 51.000 Beschäftigten beteiligten sich an der Erhebung. Eine vergleichbare Umfrage hatte es zuletzt 2016 gegeben.
Der Hauptgeschäftsführer von NORDMETALL und AGV NORD, Dr. Nico Fickinger, warnt vor den Folgen: Jeder Handelskonflikt mit den USA treffe die norddeutsche Wirtschaft empfindlich, das Vertrauen in die über Jahrzehnte gewachsenen Beziehungen erodiere. Zugleich sieht er eine strategische Neuausrichtung: Viele Unternehmen suchten gezielt nach neuen Absatzmärkten. Vor diesem Hintergrund gewönnen internationale Handelsabkommen an Bedeutung.
Mehr als die Hälfte der norddeutschen Industriebetriebe (52 Prozent) exportiert in die USA, 22 Prozent beziehen von dort Waren. Diese Anteile sind seit 2016 weitgehend stabil. Strukturell jedoch zeigen sich Verschiebungen: Nur noch 20 Prozent unterhalten eine eigene Vertriebsfiliale in den USA (2016: 24 Prozent), fünf Prozent gehören zu einem US-Mutterkonzern (2016: zehn Prozent). Eigene Produktionsstandorte in den Vereinigten Staaten betreiben 14 Prozent der Unternehmen (2016: zwölf Prozent).
Der Anteil der Firmen, die mindestens zehn Prozent ihres Umsatzes in den USA erzielen, stieg seit 2016 nur leicht von 20 auf 21 Prozent. Für die Zukunft überwiegt jedoch die Skepsis: 46 Prozent erwarten einen erschwerten Marktzugang, 38 Prozent rechnen mit Einschränkungen beim Personalaustausch. 36 Prozent befürchten, künftig in den USA produzieren zu müssen, um dort wettbewerbsfähig zu bleiben. Alle Werte liegen deutlich über dem Niveau von 2016.
Hier finden Sie die Präsentationsfolien der Blitzumfrage.
Quelle: NORDMETALL
JM/NW
