Private Vorsorge gewinnt an Bedeutung: Hamburger sparen mehr für das Alter

Neue Anlagestudie zeigt steigende Sparquoten, wachsendes Interesse an ETFs und Aktien sowie eine überraschend hohe Zustimmung zu staatlich geförderten Vorsorgemodellen.

Hamburg, 21. Mai 2026. Die Diskussion um die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung wird zunehmend intensiver. Steigende Lebenserwartung, sinkende Geburtenzahlen und milliardenschwere Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt setzen das Rentensystem unter Druck. Politik und Experten debattieren daher über Reformen, die von einer längeren Lebensarbeitszeit bis hin zu neuen Formen kapitalgedeckter Vorsorge reichen. Gleichzeitig scheint die öffentliche Debatte Wirkung zu zeigen: Immer mehr Menschen in Hamburg sparen regelmäßig, insbesondere für die Altersvorsorge. Tages- und Festgeldkonten sind dabei weiterhin die beliebteste Sparform. Wertpapiere und insbesondere auch börsengehandelte Fonds, Exchange Traded Funds (ETFs), gewinnen jedoch an Beliebtheit. Dies geht aus der zweiten Anlagestudie der Commerzbank hervor. Für diese hat das Markt- und Sozialforschungsinstitut Ipsos bundesweit mehr als 3.200 Menschen zu ihrem Spar- und Anlageverhalten befragt, davon 200 in Hamburg. 

Demnach sind zwei Jahre nach der ersten Commerzbank-Anlagestudie weiterhin 58 Prozent der Befragten in Hamburg den Konjunktursorgen zum Trotz mit ihrer finanziellen Situation zufrieden. Insgesamt können 74 Prozent regelmäßig oder unregelmäßig Geld zur Seite legen. Dabei ist der Anteil der regelmäßigen Sparerinnen und Sparer von 39 auf 46 Prozent gestiegen. Durchschnittlich wird auch etwas mehr gespart: 63 Prozent legen mehr als 100 Euro im Monat zurück, davon 31 Prozent sogar Beträge über 250 Euro. Bei der Auswahl der Geldanlage spielen Sicherheit (51 Prozent) sowie Verfügbarkeit und Kosten (je 35 Prozent) weiterhin die wichtigste Rolle. 43 Prozent sparen entsprechend auf einem Tages- oder Festgeldkonto, trotz geringer Verzinsung.

Immer mehr erkennen aber auch die Vorteile von Wertpapieren. So investieren 34 Prozent der befragten Sparerinnen und Sparer zumindest gelegentlich in Wertpapiere. Gut jeder Fünfte nutzt zudem regelmäßig Wertpapier-Sparpläne.

 

Rücklagen und Altersvorsorge stehen im Fokus


Neben dem Wunsch, Rücklagen zu bilden (67 Prozent), ist die Vorsorge für das Alter eines der Hauptmotive, um zu sparen. Für 48 Prozent der Befragten in Hamburg spielt das eine wichtige Rolle. Hier ist der Anteil nochmal gestiegen (2024: 45 Prozent). „Das Bewusstsein nimmt also zu, dass die gesetzliche Rente nicht mehr ausreichen wird und damit eine Notwendigkeit zur privaten Vorsorge besteht“, sagt Christian Oelkers, Regionsleiter Private Kunden Hamburg-West der Commerzbank. „Vor diesem Hintergrund ist es umso erstaunlicher, dass nicht noch viel mehr Menschen in Wertpapiere investieren. Denn wer langfristig plant und temporäre Schwankungen aushält, kann auch als sicherheitsorientierter Anleger von höheren Renditechancen profitieren.“

Laut Studie besitzen aktuell 50 Prozent der Sparenden in Hamburg Wertpapiere wie Aktien, ETFs, Fonds oder Anleihen. Das sind genauso viele wie im bundesweiten Schnitt. Die meistgenutzte Anlageklasse unter den Wertpapierbesitzerinnen und -besitzern sind weiterhin Aktien mit 57 Prozent. Aber auch ETFs sind in der Beliebtheit von 43 auf 49 Prozent gestiegen.

 

Generation Z geht voran – Frauen sind sicherheitsorientierter


Besonders die jüngere Generation Z (1997–2007) zeigt Interesse an Wertpapieren: Bundesweit sparen 82 Prozent dieser Altersgruppe, jeder Zweite besitzt bereits Wertpapiere. Die Generation Z ist zugleich offener gegenüber Anlageformen wie Kryptowährungen. Rund 40 Prozent der Wertpapierbesitzerinnen und -besitzer dieser Generation geben an, sich eine bis zwei Stunden pro Woche mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen. Zum Vergleich: In den anderen Generationen widmen rund 45 Prozent der Befragten dem Thema weniger als 30 Minuten wöchentlich. Die Gen Z zeigt damit ein deutlich höheres Engagement, das sich auch aufs Fachwissen auswirkt: Während jeder Zweite der jungen Erwachsenen angibt, sich bei Aktien gut auszukennen, sind das in der Gesamtbevölkerung nur 35 Prozent.


Zudem wird in der Studie deutlich, dass sich das Spar- und Anlageverhalten von Männern und Frauen weiterhin unterscheidet. So stehen bei Frauen die Themen Sicherheit und Verfügbarkeit noch stärker im Fokus. Während 59 Prozent der männlichen Sparer in Wertpapiere investieren, sind es bei den Frauen nur 40 Prozent. Wenn in Wertpapiere investiert wird, dann sind allerdings Fonds bei Frauen deutlich beliebter und werden von ihnen häufiger genutzt. „Frauen sind bei der Geldanlage also insgesamt etwas vorsichtiger, sie verfolgen oft aber auch langfristigere Strategien“, sagt Oelkers.


Anlageberatung bleibt entscheidend


Die größte Hemmschwelle, in Wertpapiere zu investieren, bleibt das Wissen: Mehr als jeder Zweite (55 Prozent) in Hamburg, der keine Wertpapiere besitzt, gibt als Grund an, sich mit der Anlageform nicht ausreichend auszukennen oder findet die Produkte zu komplex. Und obwohl 51 Prozent der Befragten eine Anlageberatung für wichtig halten, nutzt sie nur ein geringer Teil der Bevölkerung. „Die Ergebnisse zeigen uns, wie wichtig es ist, den Zugang zur Finanzberatung zu erleichtern und das Verständnis für Wertpapieranlagen zu fördern“, betont Mark Riemann, Regionsleiter Private Kunden Hamburg-Ost der Commerzbank. „Gerade in einer Zeit, in der Inflation und steigende Lebenshaltungskosten den finanziellen Spielraum belasten, sind moderne und flexible Anlagekonzepte gefragt.“


Unter anderem kann auch die von der Bundesregierung geplante Einführung der Frühstartrente und des Altersvorsorgedepots dazu führen, sich stärker mit dem Thema Anlegen zu beschäftigen. Laut Studie befürworten 71 Prozent der Befragten in Hamburg die Frühstartrente. 61 Prozent würden über die staatlichen Zuschüsse hinaus auch eigene Zuzahlungen leisten, 39 Prozent mit Beträgen von bis zu 50 Euro im Monat. „Die Frühstartrente bietet eine sehr gute Möglichkeit, sich frühzeitig für seinen Nachwuchs mit der privaten Altersvorsorge auseinanderzusetzen und mit dem Investieren zu beginnen“, so Riemann.

 

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass viele Menschen in Hamburg erkannt haben, wie wichtig regelmäßiges Sparen und Anlegen, insbesondere für die Altersvorsorge, ist. Dabei hebt sich die Generation Z positiv hervor, da sie oft besser informiert und entsprechend aktiv ist. „Zugleich wird deutlich, dass wir noch stärker in unserer Beraterfunktion gefragt sind. Es ist wichtig, über die verschiedenen Anlageformen aufzuklären und insbesondere die Chancen von Wertpapieranlagen darzustellen. Denn auch kleine monatliche Beträge können hier langfristig eine große Wirkung entfalten“, so Riemann abschließend.

Quelle: Commerzbank

JM/NW

Hier geht es zur Anlagestudie Commerzbank Hamburg