Rekordsommer im Meer: Nordsee und Ostsee deutlich zu warm

Vor Helgoland registrierte das BSH bereits 66 Tage mit marinen Hitzewellen – besonders die südliche Nordsee erreichte neue Höchstwerte



Hamburg, 7. September 2026. Nicht nur an Land war der Sommer 2026 außergewöhnlich warm: Auch Nordsee und Ostsee haben sich in den Monaten Juni bis August deutlich stärker erwärmt als im langjährigen Durchschnitt. Besonders auffällig waren die neuen Höchstwerte in Teilen der südlichen Nordsee und im Ärmelkanal sowie die ungewöhnlich vielen marinen Hitzewellentage vor Helgoland.



Nach Messungen des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) erreichte die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Nordsee im Sommer 15,6 Grad Celsius. Das waren knapp ein Grad mehr als im langjährigen Mittel der Jahre 1997 bis 2021. Damit war der Sommer 2026 der fünftwärmste in der Nordsee seit 1997.


Besonders stark erwärmten sich die südliche Nordsee und der Ärmelkanal. Dort lagen die Temperaturen teils mehr als zwei Grad über dem langjährigen Mittel, einzelne Gebiete erreichten sogar neue Höchstwerte. Für rund ein Viertel der Nordsee gehörten die gemessenen Temperaturen zu den drei höchsten der vergangenen drei Jahrzehnte. Auffällig waren dabei auch die Unterschiede innerhalb des Sommers: Während der Juni in der Nordsee mehr als 1,5 Grad zu warm war und auch der Juli deutlich über dem Durchschnitt lag, fiel der August etwas kühler aus als üblich.


66 Tage mit marinen Hitzewellen vor Helgoland


Besonders deutlich zeigte sich die Entwicklung in den Gewässern rund um Helgoland. An der BSH-Messstation Helgoland-RM wurden im Jahr 2026 bereits 66 Tage mit marinen Hitzewellen registriert. Am 1. Juli lag die Oberflächentemperatur dort nahezu vier Grad über dem klimatologischen Mittelwert für diesen Tag. Als marine Hitzewellen gelten außergewöhnlich hohe Wassertemperaturen, die mindestens fünf Tage andauern. Sie können Flora und Fauna im Meer erheblich belasten und verändern Lebensräume und Nahrungsnetze. „Besonders die neuen Höchstwerte in der südlichen Nordsee und die 66 Tage mit marinen Hitzewellen vor Helgoland zeigen, dass sich extreme Wärmeereignisse auch in unseren heimischen Meeren deutlich bemerkbar machen“, sagt Dr. Tim Kruschke, Leiter des Referats Marine Klimafragen beim BSH.


Auch die Ostsee fast ein Grad wärmer


In der Ostsee lag die durchschnittliche Oberflächentemperatur im Sommer bei 17,2 Grad Celsius – ebenfalls knapp ein Grad über dem langjährigen Mittel. Damit erlebte die Ostsee den siebtwärmsten Sommer seit 1997. Besonders der Juni fiel außergewöhnlich warm aus. Die Temperaturen lagen fast drei Grad über dem langjährigen Mittel, womit es sich um den drittwärmsten Juni seit Beginn der Vergleichsreihe handelte. Besonders hohe Werte wurden unter anderem vor der schwedischen Ostküste sowie entlang der deutschen und polnischen Küsten gemessen. Nordsee und Ostsee waren damit zwar weniger stark betroffen als das Mittelmeer oder der Nordostatlantik. Dennoch gehörten die Temperaturen vielerorts zu den höchsten der vergangenen Jahrzehnte.


Die Folgen wärmerer Meere reichen weit über steigende Wassertemperaturen hinaus. Lebensräume und Nahrungsnetze verändern sich, Arten wandern in kühlere Regionen ab, während sich andere, bislang nicht heimische Arten ausbreiten können. Auch Algenblüten und Sauerstoffmangel können zunehmen. Hinzu kommt der steigende Meeresspiegel: Wärmeres Wasser dehnt sich aus, gleichzeitig tragen das Schmelzen von Gletschern und Eisschilden zu höheren Wasserständen bei.


Das BSH untersucht die Oberflächentemperaturen von Nordsee und Ostsee kontinuierlich mithilfe von Satellitendaten sowie Messungen von Stationen und Schiffen. Weitere Erkenntnisse über extreme Ereignisse im Meer will die Behörde beim ExtremWetterKongress am 23. und 24. September in Hamburg vorstellen.


Der Sommer 2026 macht damit deutlich: Die Folgen der Erderwärmung sind nicht nur in weit entfernten Ozeanen sichtbar. Auch die Meere vor der deutschen Küste werden zunehmend wärmer – und extreme Wärmeereignisse gehören offenbar immer häufiger zur neuen Realität.

JM/NW