Rekordzahlen, offene Baustellen: Hamburgs Wohnraumförderung zwischen Erfolg und Kritik
Mehr als 6.300 Sozialbindungen bewilligt – Opposition warnt vor Stagnation beim Neubau
Hamburg, 27. Januar 2026. Der Wohnungsmarkt bleibt angespannt: Hohe Mieten, steigende Baukosten und ein rückläufiger Neubau setzen Haushalte und Wohnungswirtschaft gleichermaßen unter Druck. Vor diesem Hintergrund zieht der Hamburger Senat für das Jahr 2025 eine positive Bilanz seiner Wohnraumförderung. Mit 6.369 bewilligten Wohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindung habe die Stadt so viele Sozialbindungen geschaffen wie seit den 1990er Jahren nicht mehr. Doch während Senat und Förderbank von einem Erfolg sprechen, wirft die Opposition der rot-grünen Koalition Schönrechnerei vor.
Rekord bei Sozialbindungen – getragen vom Fördermix
Nach Angaben der Stadt setzt sich das Rekordergebnis aus Neubau, Modernisierung und der Verlängerung bestehender Bindungen zusammen. Im Neubau wurden 2.742 geförderte Wohnungen bewilligt. Den größten Anteil bildet weiterhin der 1. Förderweg für Haushalte mit niedrigen Einkommen: 1.669 Wohnungen starten hier mit einer Anfangsmiete von 7,25 Euro pro Quadratmeter, darunter 422 Wohnungen für vordringlich Wohnungssuchende.
Zugleich gewinnt die Förderung für mittlere Einkommen an Gewicht. Im 2. Förderweg wurden 579 Wohnungen, im 3. Förderweg weitere 494 Wohnungen bewilligt. Damit entfallen inzwischen knapp 40 Prozent der Neubauförderung auf diese beiden Segmente. Zusätzlich wurden im Rahmen der Neubauförderung 1.953 Wohnungen fertiggestellt.
Schwerpunkt Bestand: Modernisierung und Sicherung günstiger Mieten
Ein wesentlicher Teil der Bilanz entfällt auf den Wohnungsbestand. 6.708 Wohnungen wurden 2025 mit öffentlichen Mitteln modernisiert, 1.625 davon erhielten neue Mietpreis- und Belegungsbindungen – rund 1.000 mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen 2.002 gesicherte oder neu geschaffene Bindungen im Bestand, darunter 1.976 Verlängerungen sowie 26 Ankäufe. In der Summe ergibt sich daraus die Zahl von 6.369 Sozialbindungen, die Hamburg als historisches Ergebnis wertet.
Senat und IFB sehen Bestätigung der Strategie
Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein spricht von einem klaren Signal für bezahlbaren Wohnraum. Der Erfolg sei das Ergebnis einer kooperativen Wohnungsbaupolitik mit Wohnungswirtschaft und Bezirken. Der Mix aus Neubau, moderner Bestandsentwicklung und Bindungsverlängerungen sichere Wohnraum für Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen und stärke den sozialen Zusammenhalt.
Auch Ralf Sommer, Vorstandsvorsitzender der IFB Hamburg, betont die Wirkung der Förderinstrumente. Verlässliche Rahmenbedingungen und passgenaue Programme ermöglichten Investitionen in bezahlbaren Wohnraum und sicherten den Bestand dauerhaft ab.
Wohnungswirtschaft lobt – und mahnt
Rückendeckung kommt vom Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). Direktor Andreas Breitner sieht in den Zahlen einen Erfolg des Bündnisses für das Wohnen und der starken öffentlichen Förderung. Positiv bewertet er insbesondere den gestiegenen Anteil des zweiten und dritten Förderwegs sowie den stärkeren Fokus auf Modernisierungen.
Zugleich warnt Breitner vor steigenden Kosten – nicht nur im Neubau, sondern auch bei der Sanierung. Gerade im Hinblick auf die Energiewende seien pragmatische Lösungen nötig, um Emissionen zu senken, ohne Mieterinnen und Mieter finanziell zu überfordern.
CDU: „Tropfen auf den heißen Stein“
Deutlich kritischer fällt die Bewertung der CDU-Fraktion im Hamburger Rathaus aus. Die stadtentwicklungspolitische Sprecherin Dr. Anke Frieling wirft dem Senat vor, mit großen Zahlen über die strukturellen Probleme hinwegzutäuschen. Von den 6.369 geförderten Wohnungen seien lediglich 2.742 tatsächlich neue, zusätzliche Wohnungen, der Rest entfalle auf Modernisierungen und Bindungsverlängerungen.
Angesichts von rund 643.000 Haushalten, die in Hamburg grundsätzlich Anspruch auf eine Sozialwohnung hätten, sei der Neubau „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Insgesamt stagniere der Wohnungsbau weiterhin, während die Mieten stiegen. Dass inzwischen 40 Prozent der genehmigten Wohnungen gefördert seien, wertet die CDU als Warnsignal für die Schwäche des freien Wohnungsmarkts.
Frieling kritisiert zudem steigende Baukosten, langwierige Genehmigungsverfahren und ausbleibende Effekte von Instrumenten wie dem „Bau-Turbo“ oder dem „Hamburg Standard“. Hohe Fördersummen reichten nicht aus, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht verbesserten. Nötig seien schnellere Verfahren, weniger Bürokratie, mehr Bauland und eine aktive Flächenentwicklung durch die Stadt. „Wer heute eine Wohnung sucht, braucht keine Statistik, sondern ein Dach über dem Kopf“, so Frieling.
Ausblick 2026: Viel Geld, hohe Erwartungen
Für 2026 plant der Senat erneut ein hohes Fördervolumen von rund 868 Millionen Euro. Die Programme der IFB Hamburg werden an moderat gestiegene Baukosten angepasst; Grundlage ist eine Kostensteigerung von etwa drei Prozent. Entsprechend erhöhen sich die Anfangsmieten leicht auf 7,85 Euro/qm im 1. Förderweg, 9,99 Euro/qm im 2. Förderweg und 12,95 Euro/qm im 3. Förderweg.
Ziel sind mindestens 3.000 geförderte Neubauwohnungen, rund 15.000 Modernisierungen sowie 1.100 zusätzliche Sozialbindungen im Bestand. Ob diese Strategie ausreicht, um den Wohnungsmarkt spürbar zu entlasten, bleibt umstritten. Während der Senat auf Kontinuität setzt, fordert die Opposition einen Kurswechsel – weg vom Verwalten, hin zu deutlich mehr Dynamik beim Neubau.
JM/NW
