Sauberer Strom für die Elbe: Landstrom bringt HADAG-Fähren auf Klimakurs
Bewegliche Infrastruktur von VAHLE versorgt Hamburgs Hafenfähren emissionsfrei – und ebnet den Weg für vollelektrische Schiffe
Hamburg, 13. April 2026. Hamburg. Die Fähren der HADAG Seetouristik und Fährdienst AG gehören zum Stadtbild wie der Hafen selbst – eine echte Hamburgensie. Künftig werden sie ein Stück leiser und sauberer unterwegs sein: Während ihrer Liegezeiten sollen die Schiffe ohne laufende Dieselgeneratoren auskommen. Möglich macht das eine neue Landstromlösung, entwickelt von Paul Vahle GmbH & Co. KG. Das System versorgt die Fähren direkt am Anleger mit Strom – emissionsfrei und deutlich leiser. „Die Landstromlösung ersetzt künftig die Bordgeneratoren während der Hafenliegezeiten und senkt damit Emissionen und Lärm im Hafenbetrieb deutlich“, sagt Olaf Biesterfeldt, Vertriebsmitarbeiter für Norddeutschland bei VAHLE.
Herausforderung: Bewegliche Anleger auf der Elbe
Die technische Besonderheit liegt im Ort des Geschehens: Die Liegeplätze der HADAG befinden sich auf schwimmenden Pontons. Gezeiten und Strömung sorgen dafür, dass sich Höhe und Abstand zwischen Schiff und Anleger ständig verändern.
Dafür hat VAHLE eine flexible Lösung entwickelt. „Wir haben deshalb ein bewegliches Energieversorgungssystem entwickelt, das den Anschluss flexibel zur jeweiligen Fähre bringt und gleichzeitig eine sichere Stromübertragung gewährleistet“, erklärt Biesterfeldt. Ein verfahrbarer Wagen bewegt den Stromanschluss entlang eines rund 30 Meter langen Systems exakt dorthin, wo die Fähre anlegt – und gleicht die Bewegungen zwischen Schiff und Anleger aus.
Technik aus der Bahn – jetzt auf dem Wasser
Technologische Grundlage ist das sogenannte „Stinger-System“, ursprünglich für Wartungsbereiche von S- und U-Bahnen entwickelt. Dabei wird die Stromschiene über Kopf geführt – außerhalb des Arbeitsbereichs. Das reduziert Risiken wie Stolperfallen oder unbeabsichtigten Kontakt mit Strom.
Für den Einsatz im Hafen wurde die Technik angepasst: Statt einfacher Systeme kommt nun eine leistungsfähige Drehstromversorgung zum Einsatz. Diese überträgt bis zu 860 Ampere bei 400 Volt – genug, um perspektivisch auch vollelektrische Fähren zu laden. Neben der Energieversorgung integriert die Anlage auch Steuer- und Datenübertragung. Das sorgt für einen zuverlässigen Betrieb im täglichen Einsatz.
Entlastung für die Besatzung
Ein weiterer Fokus lag auf der praktischen Handhabung. Industrielle Balancer tragen das Gewicht der Anschlusskomponenten und erleichtern das Ankuppeln erheblich. „Das System muss im Alltag überzeugen. Die Besatzungen sollen keine schweren Kabel schleppen müssen“, sagt Sergej Nickel, Leiter Project Engineering bei VAHLE.
Teil der Hamburger Klimastrategie
Die HADAG-Flotte umfasst 27 Schiffe und verbindet zentrale Verkehrsknotenpunkte wie die Landungsbrücken, Blankenese oder die Elbphilharmonie. Die neue Landstrom-Infrastruktur ist Teil des Ausbaus der Energieversorgung im Hafen und eingebettet in die langfristige Klimastrategie Hamburgs.
Aktuell sind vier Liegeplätze ausgestattet. Perspektivisch soll die Bedeutung der Technologie weiter wachsen: Ab 2027 plant die HADAG den Einsatz vollelektrischer Fähren, deren Batterien während der Liegezeiten geladen werden. Für die Umsetzung arbeitete VAHLE eng mit der Actemium Cegelec Mitte GmbH zusammen, die die elektrotechnische Integration und die Anbindung an die landseitige Energieversorgung übernahm. „Die Zusammenarbeit war klar strukturiert und partnerschaftlich“, so Nickel.
Modell für grüne Häfen weltweit
Landstromsysteme gelten als Schlüsseltechnologie für klimafreundliche Hafenverkehre. Mit Blick auf den Ausbau sogenannter „Green Ports“ sieht VAHLE das Hamburger Projekt als Referenz für internationale Anwendungen. Für Hamburg bedeutet es vor allem eines: Seine schwimmenden Wahrzeichen bleiben – werden aber ein gutes Stück nachhaltiger.
JM/NW
