Sicherheit im Fokus: Ostseehäfen reagieren auf geopolitische Spannungen

Forum in Lübeck betont offene Seewege, resilientere Lieferketten und engere Kooperation im Ostseeraum

Lübeck, 21. April 2026. Vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen – vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bis zu Risiken für globale Handelsrouten wie der Straße von Hormus – rückt die Sicherheit maritimer Infrastruktur zunehmend in den Mittelpunkt europäischer Hafenstrategien. Beim German-Latvian Port Forum in Lübeck wurde deutlich: Offene Seewege, stabile Hinterlandanbindungen und widerstandsfähige Logistikkorridore gelten als zentrale Voraussetzung für funktionierende Lieferketten und Europas Handlungsfähigkeit.

Rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Häfen, Wirtschaft und Politik aus Deutschland und Lettland diskutierten, wie sich die Ostsee als kritischer Wirtschaftsraum sichern und gleichzeitig weiterentwickeln lässt. Einigkeit bestand darin, dass maritime Sicherheit, Infrastruktur und Logistik heute enger miteinander verzahnt sind als je zuvor.


Dr. Andreas Fahrner, Bereichsleiter Auswertung im Bundesnachrichtendienst (BND), beschrieb die sicherheitspolitische Lage deutlich. „Die Ostsee und die Ostseehäfen müssen offen bleiben“, forderte er. Zugleich warnte Fahrner: „Wie einfach sich maritime Routen schließen lassen, sehen wir etwa an der Straße von Hormus. Das darf sich in der Ostsee nicht wiederholen.“ Er verwies zudem auf die anhaltend hohe Zahl der Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur, hybride Bedrohungen und die damit verbundene Notwendigkeit geopolitischer Resilienz.


Prof. Dr. Sebastian Jürgens, Geschäftsführer der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG), knüpfte daran an: „Für uns ist der lettisch-deutsche Hafentag besonders wichtig, weil wir dabei die langjährigen Beziehungen zu unseren Partnern weiter ausbauen können. Diesmal haben wir uns auf die gemeinsame Weiterentwicklung der resilienten Korridore konzentriert.“ Zugleich betonte er die gemeinsame strategische Ausrichtung: „Wir entwickeln unsere Korridore nicht nur für die Verlader, sondern auch die Verteidigungsindustrie und die Energiewirtschaft.“


Ansis Zeltiņš, CEO der Freeport of Riga Authority und Vorsitzender der European Sea Ports Organisation (ESPO), unterstrich die Bedeutung enger Partnerschaften im Ostseeraum: „Egal, wie groß ein Hafen ist, immer wichtiger wird, wie gut verbunden und wie verlässlich er langfristig ist.“ Kooperationen mit anderen Häfen und Kunden seien entscheidend: „Häfen sollten weniger im Wettbewerb untereinander denken, sondern gemeinsam Versorgung und Lieferketten sichern.“


Auch politisch wächst der Druck, Häfen als Teil kritischer Infrastruktur stärker abzusichern. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen und Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau betonten die systemische Bedeutung der Standorte: „Als Teil kritischer Infrastruktur müssen sie auch unter Druck funktionsfähig bleiben. Dafür braucht es belastbare Anbindungen an Schiene und Straße ebenso wie eine enge Zusammenarbeit mit Reedereien, Kunden, Terminalbetreibern und Behörden“, sagte Lindenau. Fazit: Resilienz endet nicht an der Kaikante.


Axel Mattern, Vorstand von Port of Hamburg Marketing, leitete daraus eine klare politische Forderung ab: „Resilienz ist am Ende des Tages vor allem eine Frage des Geldes. Wir müssen in Infrastruktur und in die Häfen investieren.“ Mit Blick auf die steigenden Anforderungen an Hinterlandverbindungen und die strategische Rolle der Häfen forderte er mehr Unterstützung durch den Bund.


Das German-Latvian Port Forum sendet damit ein klares Signal: In einer zunehmend unsicheren Weltlage wird die Offenhaltung der Ostsee zu einer strategischen Aufgabe – für die Stabilität von Lieferketten ebenso wie für Europas wirtschaftliche und sicherheitspolitische Souveränität.

Quelle: Hafen Hamburg Marketing

JM/NW