Umsatz unter Druck, Gewinne schwächeln


Norddeutsche Händler und Dienstleister kämpfen mit steigenden Kosten. Laut AGA-Umfrage rechnen 40 Prozent der Unternehmen in den kommenden sechs Monaten mit sinkenden Gewinnen.

Hamburg, 10. Oktober 2026. Die Umsätze entwickeln sich uneinheitlich, die Gewinne geraten unter Druck: Für den norddeutschen Handel und die unternehmensnahen Dienstleister bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt. Zwar meldete knapp die Hälfte der befragten Unternehmen im dritten Quartal 2026 höhere Umsätze als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt ging der Umsatz jedoch real um 1,7 Prozent zurück, während er nominal um 1,7 Prozent zulegte. Gleichzeitig verzeichnete mehr als ein Drittel der Unternehmen sinkende Gewinne. Das geht aus dem aktuellen Wirtschaftstest des AGA Unternehmensverbands hervor.

„Die Ergebnisse zeigen, wie trügerisch ein Blick allein auf die Umsätze sein kann“, sagt AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse. Steigende Kosten zehrten die Erträge auf, eine nachhaltige Erholung sei nicht in Sicht. Besonders im Groß- und Außenhandel bleibe die Stimmung gedämpft. Sinkende Gewinne seien ein Warnsignal, weil sie den finanziellen Spielraum für Investitionen und die Sicherung von Arbeitsplätzen einschränkten.


Die Zahlen verdeutlichen die angespannte Situation: 47 Prozent der Unternehmen meldeten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Umsatzsteigerungen, 19 Prozent Rückgänge und 34 Prozent unveränderte Umsätze. Ihre Gewinnsituation bewerteten lediglich 16 Prozent als gut, 43 Prozent als befriedigend. Bei 41 Prozent waren die Gewinne gesunken. Zugleich mussten 80 Prozent der Unternehmen höhere Gesamtkosten verkraften.


Wenig Zuversicht für die kommenden Monate


Auch der Blick nach vorn lässt keine deutliche Trendwende erkennen. Für die kommenden sechs Monate erwarten 57 Prozent der befragten Unternehmen gleichbleibende Umsätze, 30 Prozent rechnen mit einer Verbesserung und 13 Prozent mit einer Verschlechterung. Bei den Gewinnen überwiegt die Skepsis: Während die Hälfte von einer stabilen Entwicklung ausgeht, erwarten 40 Prozent weitere Rückgänge.

Wie verhalten die Stimmung insgesamt ist, zeigt der AGA-Indikator. Er lag im dritten Quartal bei 88,3 Punkten und damit deutlich unter der Marke von 100 Punkten, die zwischen negativer und positiver Stimmung unterscheidet. Am schwächsten schnitt der Groß- und Außenhandel mit 82,8 Punkten ab. Der Einzelhandel erreichte 84,6 Punkte, der Dienstleistungssektor 93,3 Punkte.


Ausbildung bleibt eine Herausforderung


Neben den wirtschaftlichen Belastungen beschäftigt die Unternehmen die Suche nach geeignetem Nachwuchs. 67 Prozent der Befragten bilden aus. Im Durchschnitt kommen sie auf 4,9 Auszubildende je Unternehmen. Den Schwerpunkt bilden kaufmännische Berufe, die 89 Prozent der ausbildenden Unternehmen anbieten. Technisch-gewerbliche Ausbildungsberufe gibt es bei 43 Prozent, IT-Ausbildungen bei 17 Prozent. Zwar hat sich die passgenaue Besetzung der Ausbildungsplätze gegenüber dem Vorjahr verbessert. Dennoch konnten 35 Prozent der Unternehmen ihre Stellen nicht wie gewünscht besetzen, nach 46 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig sind bei 36 Prozent der befragten Betriebe noch Ausbildungsplätze frei. Die durchschnittliche Abbruchquote liegt bei 12,5 Prozent.


Unterschiedliche Entwicklung in den Bundesländern


Regional zeigt sich ein gemischtes Bild. In Hamburg sank der Umsatz im dritten Quartal real um 2,3 Prozent, nominal stieg er um 1,4 Prozent. Schleswig-Holstein verzeichnete real ein Minus von 0,1 Prozent bei einem nominalen Plus von 1,9 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern legte der Umsatz real um 2,2 Prozent und nominal um 4,7 Prozent zu. Niedersachsen kam auf ein reales Plus von 0,6 Prozent und ein nominales von 3,1 Prozent. In Bremen stieg der Umsatz real um 0,1 Prozent und nominal um 2,6 Prozent. Sachsen-Anhalt verbuchte einen realen Rückgang um 0,2 Prozent, während der nominale Umsatz um 3,0 Prozent zunahm.


Grundlage der Ergebnisse ist der Wirtschaftstest des AGA Unternehmensverbands, für den vom 9. September bis zum 2. Oktober 2026 norddeutsche Unternehmen befragt wurden.

Quelle: AGA

JM/NW