Vier Länder wollen Innovationen gemeinsam voranbringen

Neue Innovationsagentur für die Metropolregion Hamburg soll Ländergrenzen überwinden und den Norden im internationalen Wettbewerb stärken


Ludwigslust, Juli 2026. Die Metropolregion Hamburg will bei Innovationen enger zusammenarbeiten. Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern haben sich auf den Weg gemacht, eine gemeinsame Innovationsagentur zu gründen. Eine entsprechende Absichtserklärung, ein sogenannter „Letter of Intent“, wurde jetzt im Rahmen der Ludwigsluster Gespräche unterzeichnet. Geplant ist, dass die neue Einrichtung zum 1. Januar 2027 ihre Arbeit aufnimmt.


Damit könnte ein Projekt Wirklichkeit werden, das bereits seit mehreren Jahren auf der politischen und wirtschaftlichen Agenda steht. Denn die Metropolregion Hamburg ist längst mehr als das Hamburger Umland. Rund fünf Millionen Menschen leben und arbeiten in dem länderübergreifenden Wirtschafts- und Lebensraum. Unternehmen, Wissenschaft, Kammern, Verbände und Kommunen arbeiten seit Jahren über Ländergrenzen hinweg zusammen. Bei der Innovationsförderung allerdings bestehen weiterhin Lücken.

Genau hier soll die neue Agentur ansetzen.


Eine Region – viele Innovationsstrukturen


Die Metropolregion Hamburg verfügt über eine Vielzahl von Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Technologiezentren, Start-ups, Unternehmen und Wirtschaftsförderungen. In Hamburg haben sich starke Innovationsstandorte entwickelt, zugleich gibt es im Norden spezialisierte Kompetenzzentren und leistungsfähige Unternehmen – etwa in der Energiewirtschaft, der Logistik, der Digitalisierung, der maritimen Wirtschaft oder bei Klimaschutztechnologien.


Das Problem: Die vorhandenen Strukturen arbeiten überwiegend regional oder auf Ebene der einzelnen Bundesländer. Für Unternehmen, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, kann es deshalb schwierig sein, geeignete Partner jenseits der eigenen Landesgrenze zu finden, Forschungs- und Entwicklungsprojekte gemeinsam auf den Weg zu bringen oder Zugang zu Förderprogrammen des Bundes und der EU zu erhalten.


Bereits 2019 hatte die OECD in einer Untersuchung zur Metropolregion empfohlen, eine gemeinsame Innovationsagentur aufzubauen. Die internationale Organisation sah in der besseren Vernetzung der regionalen Innovationslandschaft ein erhebliches Potenzial. Die Region verfüge zwar über viele Stärken und Akteure, schöpfe ihre Innovationskraft aber noch nicht vollständig aus, wenn der gesamte Wirtschaftsraum betrachtet werde.


Sieben Jahre später nimmt diese Idee nun konkrete Formen an.


Brücke zwischen den Innovationszentren


Die geplante Innovationsagentur soll keine Konkurrenz zu bestehenden Einrichtungen werden. Vielmehr soll sie dort ansetzen, wo bislang länderübergreifende Angebote fehlen. Als Dienstleisterin für Wirtschaft, Wissenschaft und weitere Akteure soll sie bestehende Wirtschaftsförderungen, Kammern, Gründerzentren und andere Einrichtungen miteinander verbinden und deren Arbeit ergänzen.


Zu den vorgesehenen Aufgaben gehören die Entwicklung und Begleitung neuer Innovationsprojekte, die Vermittlung von Fachleuten und Technologien sowie die Suche nach geeigneten Partnern. Auch bei der Beantragung von Fördermitteln soll die Agentur unterstützen. Austauschformate und gemeinsame Veranstaltungen sollen darüber hinaus den Wissenstransfer innerhalb der gesamten Metropolregion verbessern.


Ein wichtiger Punkt ist dabei die bessere Nutzung von Fördermöglichkeiten. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen verfügen häufig nicht über die personellen Ressourcen, um komplexe Förderprogramme zu überblicken, geeignete Partner in anderen Bundesländern zu finden und größere Forschungs- und Entwicklungsprojekte anzustoßen. Die Innovationsagentur soll hier als eine Art Lotse fungieren – und dafür sorgen, dass mehr Fördermittel aus Berlin und Brüssel im Norden ankommen und für länderübergreifende Projekte genutzt werden können.


Ludwigsluster Gespräche geben Startsignal


Bei den diesjährigen Ludwigsluster Gesprächen haben die vier Trägerländer der Metropolregion nun den nächsten Schritt vereinbart. Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern erklärten mit dem Letter of Intent ihre Absicht, die gemeinsame Innovationsagentur zu gründen.


Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sieht darin vor allem eine Chance, die bereits vorhandene Innovationskraft ihres Landes stärker sichtbar zu machen und insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen bei überregionalen und internationalen Projekten zu unterstützen.


Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit für die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Nordens. Die Metropolregion sei ein gemeinsamer Wirtschafts- und Lebensraum für fünf Millionen Menschen. Mit der Innovationsagentur solle eine „Brücke zwischen den Innovationszentren“ der beteiligten Länder entstehen. Gerade in Bereichen wie Energiewirtschaft, Logistik und Klimaschutztechnologien sei der Norden bereits stark aufgestellt. Diese Position müsse nun auch bei der Innovationsförderung genutzt werden.


Für Niedersachsen sieht Europaministerin Melanie Walter in der Zusammenarbeit vor allem eine Chance, Innovation und Wertschöpfung stärker miteinander zu verbinden. Die Agentur könne den Nordosten Niedersachsens mit Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern verbinden und zugleich Brücken zu weiteren Innovationsclustern in Niedersachsen schlagen.


Schleswig-Holsteins Wirtschaftsstaatssekretärin Julia Carstens verwies darauf, dass erstmals eine strategisch länderübergreifende Projektentwicklung in einer gemeinsamen Einrichtung gebündelt werden soll. Dadurch könnten Potenziale systematischer genutzt und Fördermittel gezielter in die Region gelenkt werden. Als wichtige Zukunftsfelder nannte sie unter anderem Dual Use, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.


Vom gemeinsamen Wirtschaftsraum zum gemeinsamen Innovationsraum


Die geplante Agentur steht damit auch für eine Entwicklung der Metropolregion Hamburg, die über klassische Standortpolitik hinausgeht. Die Zusammenarbeit der vier Länder und ihrer Kommunen, Wirtschaftskammern, Verbände und weiteren Akteure ist in den vergangenen Jahren enger geworden. Gleichzeitig verschärft sich der internationale Wettbewerb um Unternehmen, Fachkräfte, Technologien und Investitionen.


Innovationen entstehen dabei immer seltener isoliert an einem einzigen Standort. Forschungseinrichtungen, Start-ups, etablierte Unternehmen und öffentliche Institutionen müssen zunehmend miteinander kooperieren. Gerade für eine Region wie den Norden liegt darin eine Chance: Die einzelnen Standorte müssen nicht dieselben Kompetenzen entwickeln, sondern können ihre jeweiligen Stärken miteinander verbinden.


Von diesem Prinzip soll auch die Innovationsagentur profitieren. Sie soll Akteure zusammenbringen, die bislang möglicherweise nebeneinander arbeiten, ohne voneinander zu wissen. Informationen sollen zentral verfügbar gemacht, Kontakte hergestellt und neue Kooperationen angestoßen werden.


Das Ziel ist deshalb größer als die Gründung einer weiteren Institution: Aus dem gemeinsamen Wirtschaftsraum soll stärker auch ein gemeinsamer Innovationsraum werden.


Gründung für Anfang 2027 geplant


Der jetzt vorliegende Konzeptentwurf ist das Ergebnis einer intensiven länderübergreifenden Zusammenarbeit. Geklärt wurden unter anderem Fragen zum Leistungsportfolio, zur Rechtsform, zur Struktur und zur Finanzierung der künftigen Agentur. Die Gründung ist zum 1. Januar 2027 vorgesehen. Bis dahin müssen die notwendigen politischen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden.


Ob die neue Einrichtung tatsächlich zu dem erhofften Innovationsschub führt, wird letztlich davon abhängen, wie gut es gelingt, die bestehenden Strukturen einzubinden und konkrete Projekte über Ländergrenzen hinweg auf den Weg zu bringen. Der politische Wille dazu ist nach den Ludwigsluster Gesprächen jedenfalls vorhanden.


Für die Metropolregion Hamburg könnte damit ein Projekt Realität werden, das die OECD bereits 2019 als wichtigen Baustein für eine stärkere regionale Innovationsdynamik empfohlen hatte. Nun soll aus der Idee eine gemeinsame Institution werden – mit dem Anspruch, den Norden im Wettbewerb der Regionen sichtbarer, innovativer und wettbewerbsfähiger zu machen.

Quelle: Metropolregion Hamburg

JM/NW