Vom Start-up bis zum Lebenswerk: 25 Jahre Hamburger Gründerpreis

MicroHarvest, Willke und Michael R. Neumann stehen für Innovationskraft, Wachstum und unternehmerische Verantwortung – zum 25. Mal zeichnet Hamburg außergewöhnliche Unternehmerpersönlichkeiten aus

Hamburg, 8. September 2026. Ein Protein aus Mikroorganismen, Schienen für Europas Bahnverkehr und Rohkaffee für die Welt: Die Gewinner des Hamburger Gründerpreises 2026 könnten unterschiedlicher kaum sein. Und genau das macht die Auszeichnung seit inzwischen 25 Jahren aus. Denn unternehmerischer Erfolg hat viele Gesichter – vom jungen Hightech-Start-up über den wachstumsstarken Mittelständler bis hin zum Lebenswerk eines international erfolgreichen Unternehmers.

Zum Jubiläum des Hamburger Gründerpreises gehen die Auszeichnungen in diesem Jahr an das BioTech-Scale-up MicroHarvest in der Kategorie Existenzgründer, die Willke Unternehmensgruppe als Aufsteiger sowie an Michael R. Neumann, Gründer der Neumann Kaffee Gruppe, für sein Lebenswerk. Gemeinsam stehen sie für das, was den Wirtschaftsstandort Hamburg und die Metropolregion seit jeher prägt: Ideenreichtum, Unternehmergeist – und die Fähigkeit, aus einer guten Idee etwas ziemlich Großes zu machen.


Die von der Hamburger Sparkasse und dem Hamburger Abendblatt initiierte Auszeichnung hat sich in einem Vierteljahrhundert zu einer festen Größe im Hamburger Wirtschaftsleben entwickelt. Jahr für Jahr bringt sie zusammen, was eine lebendige Wirtschaftsmetropole ausmacht: junge Unternehmen mit ungewöhnlichen Ideen, wachstumsstarke Mittelständler und Unternehmerpersönlichkeiten, deren Lebenswerk weit über Hamburg hinaus Wirkung entfaltet.


In den vergangenen Jahren standen dafür beispielsweise der Digitalunternehmer Philipp Westermeyer, das Clean-Tech-Unternehmen 1KOMMA5°, Immobilienunternehmer Dieter Becken oder Klaus-Michael Kühne auf der Bühne. Der Hamburger Gründerpreis ist damit längst mehr als eine Auszeichnung für einen gelungenen Unternehmensstart. Er ist auch ein Schaufenster für unternehmerische Entwicklungen – und für Persönlichkeiten, die den Wirtschaftsstandort über Jahrzehnte geprägt haben.


„Ein gutes Gründungsklima entsteht nicht von selbst – es braucht Mut, Vorbilder und die Wertschätzung derer, die etwas wagen. Genau das leistet der Hamburger Gründerpreis seit 25 Jahren: Er macht unternehmerische Erfolge in Hamburg sichtbar und würdigt sie. Den Preisträgern des Jahres 2026 gratuliere ich ganz besonders herzlich.“ Mit diesen Worten hob Haspa-Vorstandssprecher Dr. Harald Vogelsang bei der Jubiläumsveranstaltung die Bedeutung des Preises hervor. Tatsächlich sind es genau diese Vorbilder, die den Gründerpreis seit einem Vierteljahrhundert prägen: Menschen und Unternehmen, die aus einer Idee ein Geschäftsmodell, aus einem mittelständischen Betrieb Wachstum oder aus einem Familienunternehmen ein internationales Unternehmen gemacht haben.

Protein in 24 Stunden


In der Kategorie Existenzgründer wird in diesem Jahr das Hamburger BioTech-Scale-up MicroHarvest ausgezeichnet. Das 2021 von Katelijne Bekers, Luisa Cruz und Jonathan Roberz gegründete Unternehmen arbeitet an einer Frage, die angesichts wachsender Weltbevölkerung und knapper werdender Ressourcen immer wichtiger wird: Woher kommt künftig das Protein?


Derzeit kommt das Protein bereits in Futtermitteln für Fische, Hunde und Katzen zum Einsatz. Die Zulassung für Lebensmittel für Menschen, beispielsweise Proteinriegel, steht in der Europäischen Union noch aus. Der nächste große Schritt ist bereits eingeleitet: In Leuna entsteht die erste Produktionsanlage von MicroHarvest im industriellen Maßstab. Bis Ende 2028 soll sie eine Kapazität von rund 15.000 Tonnen Protein pro Jahr erreichen.


Damit steht MicroHarvest beispielhaft für eine neue Generation Hamburger Gründungen: technologiegetrieben, international ausgerichtet und mit dem Anspruch, von Hamburg aus einen globalen Markt zu bedienen. Gerade alternative Proteinquellen gelten als Wachstumsmarkt mit erheblichem Potenzial.

Bahn frei für den Mittelstand


Der Preis in der Kategorie Aufsteiger geht an die Willke Unternehmensgruppe. Auch hier erzählt der Hamburger Gründerpreis eine klassische norddeutsche Unternehmergeschichte – allerdings eine, die längst weit über die Region hinausführt.


Das Familienunternehmen aus Wittorf bei Lüneburg wurde 1979 gegründet und hat sich zu einem Komplettanbieter im Gleisbau entwickelt. Seit 2012 führen die beiden Gründer-Söhne Niklas und Moritz Willke das Unternehmen in zweiter Generation. Heute vereint die Gruppe mehrere spezialisierte Gesellschaften und deckt nahezu die gesamte Bandbreite des modernen Gleisbaus ab: von Planung und Vermessung über Bau und Instandhaltung bis zum Oberleitungsbau, der Schweißtechnik, Gleissicherung und Eisenbahnlogistik. Auch eine Werkstatt für Eisenbahntechnik gehört zum Unternehmen. Mit einem Umsatz in Deutschland von aktuell rund 175 Millionen Euro und mehr als 600 Beschäftigten ist Willke inzwischen deutschlandweit tätig und realisiert Projekte in ganz Europa.


Der Preis für die Aufsteiger macht damit deutlich, dass der Hamburger Gründerpreis nicht allein die spektakuläre Idee aus der Garage oder dem Labor würdigt. Ebenso wichtig für die wirtschaftliche Stärke der Region sind jene Unternehmen, die über Jahrzehnte wachsen, neue Generationen in die Verantwortung bringen und mit solidem Unternehmertum internationale Märkte erschließen.

Das Lebenswerk eines „Kaffeekönigs“


Der Preis für das Lebenswerk geht 2026 an Michael R. Neumann – und damit an einen Unternehmer, dessen Name vielen Hamburgerinnen und Hamburgern möglicherweise weniger geläufig ist als die Produkte, mit denen sie täglich ihren Morgen beginnen. Dabei ist die Geschichte der Neumann Kaffee Gruppe eng mit Hamburg als internationalem Handelsplatz verbunden.


Bereits 1934 hatte Neumanns Vater Hanns R. Neumann eine kleine Kaffeehandelsfirma in Hamburg gegründet. Michael R. Neumann entwickelte dieses Unternehmen ab den 1960er Jahren zu einem weltweit führenden Rohkaffeehändler und -dienstleister. Heute beschäftigt die Gruppe mehr als 3.300 Menschen. Rund 50 Tochtergesellschaften in 28 Ländern begleiten den Rohkaffee entlang der gesamten Lieferkette – von der Kaffeefarm über Transport und Lagerung bis zur Lieferung an Kaffeeröstereien. 2004 zog sich Michael R. Neumann aus dem operativen Geschäft zurück. In den folgenden Jahren schied er auch aus der Gesellschafterstellung und den Leitungsgremien einvernehmlich aus. Sein unternehmerisches Engagement endete damit allerdings keineswegs.


2005 gründete er die Hanns R. Neumann Stiftung. Sie engagiert sich seitdem für bessere Lebensbedingungen in Kaffeeanbaugebieten, für Umwelt- und Naturschutz sowie für Bildung und die Integration von Jugendlichen. Dass der Hamburger Gründerpreis gerade im Jubiläumsjahr an Michael R. Neumann geht, passt deshalb auch symbolisch: Der Preis würdigt seit 25 Jahren nicht nur Wachstum und wirtschaftlichen Erfolg. Er erinnert ebenso daran, dass zu einem unternehmerischen Lebenswerk Verantwortung gehört – für Mitarbeitende, für nachfolgende Generationen und, wie im Fall Neumann, auch für die Menschen am Anfang einer globalen Lieferkette.


Bei der Gala in der Fischauktionshalle werden die drei Auszeichnungen von prominenten Laudatoren überreicht. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher würdigt Michael R. Neumann, Handwerkskammer-Präsident Hjalmar Stemmann die Willke Unternehmensgruppe und Hamburger-Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider das Team von MicroHarvest.


Zum 25. Mal zeigt der Hamburger Gründerpreis damit, wie unterschiedlich Erfolgsgeschichten beginnen können. Mal mit einer wissenschaftlichen Idee, mal mit einem Familienbetrieb auf dem Land und mal mit einem kleinen Hamburger Handelshaus. Gemeinsam ist ihnen der Mut, aus einer Idee etwas Dauerhaftes zu machen. Genau dafür steht der Hamburger Gründerpreis seit einem Vierteljahrhundert.

JM/NW