Zuckerkrise drückt Nordzucker tief in die roten Zahlen
Überangebot auf dem europäischen Markt und sinkende Preise belasten das Geschäftsjahr 2025/26 massiv. Mit Sparprogrammen, Strukturreformen und Investitionen will der Konzern zurück in die Gewinnzone.
Braunschwein, 2. Juni 2026. Nordzucker hat das Geschäftsjahr 2025/26 in einem außergewöhnlich schwierigen Marktumfeld abgeschlossen. Zwei sehr ertragreiche Rübenernten in Folge, hohe Lagerbestände im EU-Zuckermarkt und deutlich gefallene Preise führten zu einem massiven Ergebnisrückgang. Das operative Ergebnis (EBIT) lag bei minus 226 Millionen Euro nach plus 100,5 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz sank auf rund 2,34 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,77 Milliarden Euro). Unter dem Strich stand ein Jahresfehlbetrag von 171,7 Millionen Euro. Eine Dividende soll für das abgelaufene Geschäftsjahr nicht gezahlt werden.
„Die Zuckerbranche ist aktuell von einer extrem herausfordernden Marktlage betroffen“, sagte CEO Lars Gorissen bei der Bilanzvorstellung in Braunschweig. „Zwei sehr hohe Ernten in Folge in Europa haben ein deutliches Überangebot verursacht, das die Preise massiv unter Druck gesetzt hat.“ Zwar seien solche Marktbewegungen grundsätzlich Teil des Geschäfts, „in dieser Ausprägung jedoch außergewöhnlich“.
Auch strukturelle Faktoren verschärften die Lage. Neben den hohen Erntemengen verwiesen Vorstand und Unternehmen auf einen rückläufigen Zuckerkonsum sowie sinkende Weltmarktpreise infolge global hoher Produktionsmengen.
Deutlicher Preiseinbruch belastet Ergebnis
Finanzvorstand Alexander Bott sprach von einem voll durchschlagenden Preiseffekt: „Der Preisverfall, der sich seit Herbst 2024 am Markt abzeichnete, wirkte sich im Geschäftsjahr 2025/26 voll im Ergebnis aus.“ Gleichzeitig betonte er die eingeleiteten Gegenmaßnahmen: „Unsere frühzeitig eingeleiteten Exzellenz- und Kostensenkungsmaßnahmen zeigen Wirkung. Dennoch konnten die negativen Markteffekte im Berichtsjahr nicht vollständig ausgeglichen werden.“ Das europäische Zuckergeschäft war dabei klarer Hauptbelastungsfaktor. Das Rohrzuckergeschäft trug demgegenüber 0,3 Millionen Euro zum Konzern-EBIT bei und erzielte einen Jahresüberschuss von 1,5 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote blieb mit 55 Prozent auf solidem Niveau.
Umfangreiche Maßnahmen zur Stabilisierung
Nordzucker hat bestehende Effizienzprogramme deutlich ausgeweitet und ein zusätzliches Sofortprogramm gestartet. Im Fokus stehen Kostenreduktionen in Verwaltung und Produktion, Anpassungen im Netzwerk sowie eine höhere Profitabilität im Deutschlandgeschäft. „Angesichts dieses Marktumfelds ist Abwarten keine Option. Genau deshalb sind die eingeleiteten strukturellen Maßnahmen und der klare Kostenfokus entscheidend“, sagte Produktionsvorstand Alexander Godow. Das Unternehmen passe sein Netzwerk an die veränderten Marktbedingungen an und stärke so die operative Leistungsfähigkeit. Bereits umgesetzt wurden strukturelle Anpassungen unter anderem in Finnland und der Slowakei. Ziel sei ein robusteres und effizienteres Produktions- und Logistiksystem. Auch im Verhältnis zu den Rübenanbauerinnen und -anbauern wurden Anpassungen vorgenommen. CEO Gorissen erklärte: „Zuckerproduktion und Rübenanbau funktionieren nur gemeinsam.“ Das neue Rübenpreismodell in Deutschland sei ein wichtiger Schritt hin zu mehr Flexibilität und ein Signal für andere Märkte im Konzern.
Investitionen trotz Krise
Trotz des erheblichen Ergebnisdrucks investierte Nordzucker im Geschäftsjahr rund 160 Millionen Euro in seine europäischen Standorte. Ein Schwerpunkt liegt auf Dekarbonisierungsprojekten im Rahmen des Programms „GoGreen“, darunter ein neuer Extraktionsturm in Schladen sowie Erweiterungen von Verdampfstationen in mehreren Werken. Diese Investitionen sollen nach Unternehmensangaben nicht nur CO₂-Emissionen senken, sondern langfristig auch die Kostenstruktur verbessern und die Abhängigkeit von Energiepreisschwankungen reduzieren.
Strategie setzt auf Diversifizierung
Mit der Strategie „Fields for Growth“ verfolgt Nordzucker das Ziel, das Geschäft bis 2033 breiter aufzustellen und die Abhängigkeit vom europäischen Zuckermarkt zu reduzieren. Wachstum soll insbesondere aus dem internationalen Rohrzuckergeschäft sowie aus neuen Geschäftsfeldern im Bereich alternativer Proteine und funktionaler Lebensmittelzutaten entstehen. „Wir haben die richtigen Weichen gestellt, um aus eigener Kraft in einem herausfordernden Umfeld wieder profitabel zu wirtschaften“, sagte Gorissen mit Blick auf die kommenden Jahre.
Für 2026/27 erwartet der Konzern weiterhin ein negatives EBIT im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Ab 2027/28 strebt Nordzucker eine Rückkehr in die operative Gewinnzone an – getragen von Effizienzprogrammen, Kostensenkungen und einer stabileren Marktentwicklung.
Quelle: Nordzucker
Bearbeitet: JM/NW
