Zwischen Aufbruch und Abkopplung

Schleswig-Holsteins Internationalisierungsstrategie stößt auf Zustimmung – doch die Grenzregion mahnt Tempo an

Kiel, 23. Februar 2026. Mit ihrer Internationalisierungsstrategie will die Landesregierung von Schleswig-Holstein das nördlichste Bundesland international sichtbarer machen, Investoren gewinnen und neue Wachstumsimpulse setzen. Die Internationalisierungsstrategie des Landes Schleswig-Holstein wurde am 11. Dezember 2025 veröffentlicht und im Rahmen der Landesregierung bzw. des Kabinetts von Schleswig-Holstein unter Ministerpräsident Daniel Günther (CDU, Kabinett Günther II) erarbeitet und verabschiedet.


Im Zentrum stehen eine stärkere Vernetzung mit dem Ostseeraum, der Ausbau strategischer Partnerschaften – insbesondere mit Dänemark – sowie die Förderung von Zukunftsbranchen wie erneuerbare Energien, Wasserstoffwirtschaft, Digitalisierung und Life Sciences. Die geografische Lage zwischen Nord- und Ostsee gilt dabei als natürlicher Standortvorteil. Mit der im Bau befindlichen Fehmarnbelt-Querung soll sich die Verbindung nach Skandinavien künftig deutlich verkürzen – ein Infrastrukturprojekt mit erheblicher wirtschaftlicher Signalwirkung.


Dänemark als strategischer Schwerpunkt

Besonders positiv aufgenommen wird die klare Fokussierung auf Dänemark. Der Wirtschaftsrat der CDU begrüßt, dass die Landesregierung die deutsch-dänische Zusammenarbeit als Kernbestandteil ihrer Strategie definiert. Hauke Präger, Sprecher der Wirtschaftsrat-Sektion Schleswig-Flensburg, betont: „Den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Dänemark und Schleswig-Holstein zu fördern, liegt uns seit Jahren am Herzen und ist fester Bestandteil unserer Aktivitäten.“


Delegationsreisen, die Zusammenarbeit mit Dansk Industrie, der regelmäßige Kontakt zur dänischen Generalkonsulin in Flensburg sowie die Forderung nach einer Koordinierungsstelle zur Ansiedlung skandinavischer Unternehmen seien bereits gelebte Praxis. Die Strategie greife damit eine wirtschaftliche Realität auf: Die Grenzregion zwischen Südjütland und Nord-Schleswig-Holstein ist längst ein gemeinsamer Arbeits- und Wirtschaftsraum.


Infrastruktur als Schwachstelle

Zustimmung erfährt die Strategie in der Zielsetzung – deutliche Kritik jedoch bei der Umsetzung.

Präger fordert konkrete strukturelle Voraussetzungen: „Jetzt müssen die Voraussetzungen in Infrastruktur und Verwaltung geschaffen werden.“ Als Negativbeispiel nennt er den Wegfall des Fernzughalts in Flensburg. Die nördlichste deutsche Stadt sei dadurch faktisch vom Fernverkehr abgeschnitten worden.


In Kombination mit der Fehmarnbelt-Querung sieht der Wirtschaftsrat die Gefahr einer Verkehrs- und Investitionsverlagerung Richtung Süden – zugunsten der HanseBelt-Region. Für die Grenzregion könnte dies einen Bedeutungsverlust bedeuten. Ein möglicher provisorischer Fernzughalt im Stadtteil Weiche wird derzeit geprüft, eine Machbarkeitsstudie ist ausgeschrieben. Doch aus Sicht des Wirtschaftsrates gehen Planung und Genehmigung zu langsam voran.


„Die Welt wartet nicht auf uns! Es wird Zeit, dass sich öffentliche Planungs- und Genehmigungsverfahren den Realitäten anpassen und Verwaltungen schneller, mutiger und – wo es sein muss – auch unkonventionell entscheiden“, so Präger.


Anspruch und Realität

Die Internationalisierungsstrategie setzt ambitionierte Ziele: mehr internationale Investitionen, stärkere Innovationsnetzwerke, eine bessere Positionierung im globalen Wettbewerb.


Doch der Erfolg hängt wesentlich davon ab, ob Infrastruktur, Verwaltungsabläufe und regionale Entwicklung Schritt halten. Während das Land international expandieren will, wächst in Teilen der Grenzregion die Sorge, wirtschaftlich abgekoppelt zu werden.


Die strategische Leitfrage lautet damit:  Kann Schleswig-Holstein international aufholen, wenn die eigene Infrastruktur regional hinterherhinkt?

JM/NW