Zwischen Rekordwärme und Eiswinter: Ein extremer Winter für Nord- und Ostsee

Der Dezember brachte ungewöhnlich warme Meere, der Februar eisige Temperaturen. Insgesamt blieb der Winter zwar über dem Durchschnitt – doch vor allem an der Ostsee zeigte sich, wie stark kurzfristige Wetterlagen das Meer beeinflussen.

Hamburg, 11. März 2026. Ein Winter, zwei Gesichter: Während Nordsee und Ostsee im Dezember ungewöhnlich warm waren, brachte der Februar plötzlich eisige Temperaturen und große Eisflächen vor der deutschen Ostseeküste. Die Auswertung des Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zeigt, wie stark einzelne Wetterlagen die Temperaturen der Meere kurzfristig beeinflussen können – auch wenn der langfristige Trend eindeutig bleibt: Beide Meere erwärmen sich durch den Klimawandel.

Nordsee: Rekord im Dezember

Im Winter 2025/26 lag die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Nordsee bei 7,7 Grad Celsius – rund 0,3 Grad über dem langjährigen Mittel der Jahre 1996/97 bis 2020/21. Damit gehört der Winter zu den zehn wärmsten seit Beginn der Datenreihe. Besonders auffällig war der Dezember: Mit durchschnittlich 9,6 Grad erreichte die Nordsee einen neuen Höchstwert. Flächendeckend lagen die Temperaturen deutlich über dem Mittel, im Übergangsbereich zur Ostsee sogar bis zu zwei Grad darüber.


Im Januar kühlte sich die Nordsee auf durchschnittlich 7,5 Grad ab – weiterhin leicht über dem langjährigen Mittel. Während die nördliche Nordsee vergleichsweise warm blieb, war die südliche etwas kühler als üblich. Der Februar brachte schließlich einen deutlichen Temperaturrückgang. Mit durchschnittlich 5,9 Grad lag die Nordsee etwa 0,5 Grad unter dem langjährigen Mittel. Vor der deutschen Küste und rund um Dänemark war es sogar bis zu zwei Grad kälter als üblich.


Ostsee: Warm gestartet, eisig beendet

Auch die Ostsee erlebte einen ungewöhnlichen Winterverlauf. Insgesamt lag ihre durchschnittliche Temperatur bei 3,3 Grad – etwa 0,4 Grad über dem langjährigen Mittel und damit auf Rang elf der wärmsten Winter seit 1996/97. Der Dezember war mit durchschnittlich 6,1 Grad der drittwärmste seit Beginn der Messreihe und lag 1,5 Grad über dem langjährigen Mittel. Im Januar kühlte sich die Ostsee auf rund drei Grad ab, blieb damit aber noch etwa 0,5 Grad über dem Durchschnitt. Im Februar folgte der deutliche Kälteeinbruch: Die Temperaturen sanken auf durchschnittlich 0,7 Grad und lagen damit 0,6 Grad unter dem langjährigen Mittel. Besonders in den südlichen Gewässern und im Übergangsbereich zur Nordsee war es deutlich kälter als üblich.


Wetterextreme wirken direkt auf die Meere

„Der Winter 2025/2026 verdeutlicht, wie stark das Wetter die Meeresoberflächentemperatur kurzfristig beeinflusst, selbst in Zeiten der langfristigen Klimaerwärmung durch den Menschen“, erklärt Dr. Tim Kruschke, Leiter des Referats Marine Klimafragen beim BSH. Nach den Höchstwerten im Dezember fielen die Temperaturen bis Februar deutlich unter den Durchschnitt. Hauptursache waren anhaltende Südostwinde von Mitte Januar bis Mitte Februar, die kalte Luft aus Osteuropa in die Region brachten.


Stärkster Eiswinter seit 15 Jahren

Die Kälte machte sich vor allem an der östlichen deutschen Ostseeküste bemerkbar. Dort entwickelte sich der längste Eiswinter seit 2010/2011. Anfang Januar bildeten sich große Eisflächen im Greifswalder Bodden und im Stettiner Haff, die teilweise bis in den März hinein bestehen blieben. Anhaltender Ostwind und Frost ließen zudem breite Eisbänder vor Usedom und Rügen entstehen. „Das dichte Eis vor Usedom und Rügen hat den Schiffsverkehr stark behindert. Als es sich löste, trieb es auf die offene See. Der gesamte Schiffsverkehr in die Ostsee hinein und heraus musste auf das Eis achten. Solch strenge Eiswinter sind inzwischen selten“, erläutert Dr. Jürgen Holfort, Leiter des BSH-Eisdienstes.


Weiter westlich trat Eis vor allem in geschützten Küstenbereichen auf, im Februar auch kurzzeitig in den Förden bis Flensburg. An der Nordseeküste bildeten sich vereinzelt Eisflächen im nördlichen Wattenmeer und auf der Elbe. Mit milderem Wetter Ende Februar schmolz das Eis rasch – mit Ausnahme der östlichen Ostsee. Dort dauert die Eissaison traditionell noch bis in den Mai hinein an.


Langfristiger Trend bleibt eindeutig

Das BSH überwacht die Oberflächentemperaturen von Nordsee und Ostsee wöchentlich mithilfe von Satellitendaten, Messstationen und Schiffsmessungen. Grundlage für den Vergleich sind die Mittelwerte der Jahre 1996/97 bis 2020/21. Seit 1990 erhebt die Behörde satellitenbasierte Tagesmittelwerte mit einer Auflösung von etwa 1,5 Kilometern – eine inzwischen frei verfügbare und täglich aktualisierte Datenreihe. Die langfristige Entwicklung zeigt dabei einen klaren Trend: Im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel beobachtet der sogenannte DAS-Basisdienst „Klima und Wasser“, dass sich sowohl Nordsee als auch Ostsee langfristig erwärmen. Der extreme Wechsel zwischen warmem Beginn und eisigem Ende dieses Winters ist deshalb vor allem eines – ein Beispiel dafür, wie stark kurzfristige Wetterlagen die Meere prägen können.

Quelle: BSH

JM/NW